Archiv vom Oktober 1998
Tag 60 – Letzter Tag im Ausbildungszug
Da ist er nun, der letzte Tag im Ausbildungszug, ach wie schön. Nach dem Frühstück haben wir eigentlich nur noch ein wenig rumgesessen, hier und da noch die restlichen Sachen zusammengepackt und zum letzten Mal das Revier leicht gereinigt. Ich glaube um 9.00 Uhr hieß es dann antreten und rüber zur Kompanie. Nachdem sich der Zugführer Hfw Meyer vorgestellt hatte, wurden uns unsere Stuben gezeigt und konnten dann mit der Abschleusung beginnen, d.h. Seesack, Rucksack und private Sachen schnappen und dem Ausbildungszug das letzte Mal “Auf Wiedersehen” sagen. Noch schnell den Spind eingeräumt und danach ergaben sich auch schon die ersten Probleme. Es fehlen, Bettwäsche, ein Schloss und Kleiderbügel. Die Bettwäsche und das Schloss waren natürlich nicht da am Freitag, da mussten wir erstmal in die 6./320 um diese zu empfangen. Zwar gab es immer noch keine Kleiderbügel aber immerhin. Um 12.00 Uhr bin ich dann zurück nach Hause. Heute gab es übrigens Litzen.
Tag 59
Kaum zu glauben, aber es sind schon 59 Tage geschafft und wohl die anstregensten der ganzen zehn Monate. Heute ist dann auch nicht mehr sehr viel passiert. Eigentlich hat man nach dem Frühstück nur noch die Spinde, und dies gründlichst, die Stube und die Reviere gereinigt. Zum Mittag gab es Bratkartoffeln mit Spargel und anscheinend Schweinefleisch. Nach dem Mittag wie gesagt noch ca. zwei Stunden lang sauber gemacht und danach haben wir eigentlich nur noch rumgesessen, bis es dann auch schon 16.30 Uhr war. Jedoch sind zuvor alle Rekruten die in die 6./320 zum A-Zug gehören schon heute umgeschleust wurden. Aus unserer Stube war das Gehring, den wir damit heute wohl bis auf Weiteres das letzte Mal gesehen haben. Außerdem haben die AGAF, Sattelkau und Nutz bereits schon ihre gelben Litzen erhalten. Bleibt abzuwarten, wann der Rest diese bekommt, ich denke mal, dass dies am Montag in der Kompanie geschehen wird. Morgen ist der letzte Tag im Ausbildungszug :-)
Tag 58
Ich stehe irgendwie von Tag zu Tag immer später auf. Vielleicht liegt es daran, dass ich in der Kompanie ja auch später aufstehen kann als jetzt. Am Vormittag war “Appellmäßiges Waffenreinigen” angesagt, genauso wie am Nachmittag und das genau bis 16.00 Uhr. Dazwischen gab es sogar noch Mittag. Heute gab es Kartoffelcroissants mit Putenschnitzel und Mischgemüse, eigentlich doch recht lecker. Nach längerem Warten, so ca. eine Stunde am Stück, bin ich dann irgendwann im Laufe des Nachmittags durch die Kontrolle durch gewesen und konnte mein G3, die Standardwaffe eines Sicherungssoldaten, wieder zusammensetzen. Wie gesagt, um 16.30 Uhr war dann auch schon Dienstschluss. Zwischenzeitlich hatte sich aber noch einiges getan. Zuerst ist Heinrich am frühen Vormittag endlich ins BWK (Bundeswehrkrankenhaus) gefahren wurden. Außerdem hat Sattelkau erfahren, dass er nun doch die Grundausbildung mit Nutz zusammen wiederholen muss. Darüber war er natürlich nicht besonders erfreut, vor allem wo er gestern vom Hfw Erbe gesagt bekommen hat, dass er wohl doch erstmal in die 5./320 mit am Freitag umzieht. Aber es kommt, wie man weiß, nie so, wie man denkt. Nach dem Mittag hingen dann auch endlich die Versetzungslisten aus, auf denen draufstand, wer wohin versetzt wird und was man nun endgültig die anderen acht Monate machen wird. Ich werde übrigens in die 5./320 versetzt in den Führungsunterstützungszug, sie heißen Bongo -> Kabelaffe. Trotzdem soll das Leben dort verdammt ruhig und locker ablaufen. Heute gab es übrigens zum Abendbrot leckere Baguettes, man konnte diesmal sogar soviel nehmen, wie man mochte. Alle Hoffnungen beruhen heute eigentlich darauf, dass kein Alarm ist, denn heute besteht dazu die letzte Gelegenheit, in der Grundausbildung. Aber trotzdem auch wieder ein sehr schöner Gedanke daran, dass heute die vorletzte Nacht in diesem Block ist, bevor wir in die Kompanie umziehen und keinen Zapfenstreich mehr haben, wir Bothe nicht mehr haben und alles hoffentlich ruhiger verläuft.
Tag 57
Mal wieder als Letzter aufgestanden, verdammt. Noch gewaschen, angezogen und gefrühstückt und dann ab zum Sport. Heuten haben wir das Zugfußballturnier gespielt. Und dieses ist natürlich nicht ohne Verletzungen abgelaufen. Am schlimmsten hat es dabei Heinrich erwischt. Nach einem kleinen Foul hat sich Heinrich tierisch geschmissen und dabei die Kniescheibe ausgerenkt. Aber noch nicht genug davon, zusätzlich hat er auch noch einen äußerst üblen Kreuzbandriss. Und beschränkt wie die Bundeswehr ist, haben sie es noch nicht einmal geschafft Heinrich heute noch ins Krankenhaus zu fahren, lediglich zu einem Zivilarzt haben sie ihn geschickt, um festzustellen, dass er einen Kreuzbandriss hat. Ich selber habe mir beim Fußball heftig das Knie gerammelt. Naja, zumindest nichts Ernstes. Nach dem Mittag, wo es leckeren Hackbraten mit Bratkartoffeln gab, haben wir unsere Zug- und Gruppenfotos erhalten und noch unsere Magazine mit Taschen und Staubschutzkappe abgegeben. Dann noch am Abend die Simpsons von der Biwak Woche nachgeholt.
Tag 56
Eine neue Woche beginnt, die Letzte in der Grundausbildung. Um 05.45 Uhr habe ich mich dann doch noch gequält aufzustehen. Eigentlich sollte es laut Dienstplan ein ruhiger Tag werden (Unterricht und Sport), aber es ist dann doch etwas anders geworden. Zwar war der Unterricht noch recht informativ aber danach der Sport, dazu später mehr. Im Unterricht haben wir uns etwas mit Göring, Hitler und seinen Leuten auseinandergesetzt. Original Auszüge aus Görings Tagebüchern haben wir gelesen, anlässlich einer Rede Hitlers nach dem Verlust Stalingrads. Dann haben wir noch ein Video über Rommel gesehen. Danach ging es zum Mittag. Nudeln mit Kassler, passend :-) Und jetzt zum Sport. PFT, Physical-Fitness-Test auf gut deutsch. Bei diesem Test muss man bei jeder Übung mindestens zwei Punkte und insgesamt mindestens 15 Punkte erreichen. Dazu gehören Sprint zwischen zwei Fahnen, Liegestütz der besonderen Art, Sit-Ups und Standweitsprung. Anschließend ging es noch raus um zwölf Minuten lang zu laufen. Aber die Krönung kam jetzt, Rugby bei strömenden Regen und zu allem Überfluss haben wir auch noch verloren und am Ende mussten dann noch alle eine Schwalbe auf dem völlig aufgeweichten Rasen hinlegen. Am Abend war noch Monopoly angesagt. Cool, der Montag ist geschafft.
Tag 53, 54 u. 55
Wochenende (dienstfrei)
Tag 52 – Feierliches Gelöbnis
Da ist er nun, der Tag eines Soldaten der im Gedächtnis bleibt, oder auch nicht. Zumindest hat man sich frühmorgens gleich den großen Dienstanzug angezogen und ist damit zum Frühstücken. Ich glaube so vorsichtig habe ich noch nie gegessen, denn jetzt noch einen Fleck zu riskieren, uiuiui. Um 08.30 Uhr glaube ich ging es dann los. Nach Delmenhorst sind wir mit einem recht komfortablen Reisebus gefahren. Allerdings habe ich die meiste Zeit geschlafen. Kaum angekommen, da musste ich mir erstmal die Füße vertreten. Kurz vor Beginn haben wir uns dann nochmal aufgestellt und die Leute nach der Größe geordnet, naja mehr oder weniger. Um 09.45 Uhr ging es dann los. Wir sind einigermaßen im Gleichschritt auf unseren endgültigen Platz marschiert. Noch ein paar Mal ausgerichtet und schon begann die Vorstellung. Nach zig Reden von irgendwelchen “Persönlichkeiten” und einigen Musikstücken haben wir dann endlich gelobt. Aber vorher muss ich noch erwähnen, dass links neben uns reihenweise Leute umgekippt sind. Das sah teilweise recht krass aus. Nach etlichen Musikstücken war dann das Gelöbnis endlich zu Ende und wir sind wieder zum Bus marschiert. Manche haben dann noch ihre Eltern gesehen und mit denen erzählt. Schwupp in den Bus und ab zurück nach Rotenburg. Nochmal kurz vor dem Hauptmann angetreten und noch zum Essen gegangen. Heute gab es leckeren Fisch mit Reis. Zurück zum Block gab es noch ein paar Fahrzeuge zum Anschauen und noch ein wenig Waffen-, Sachen- und Budenbeschau. Und um 15.00 Uhr war es endlich soweit, Dienstschluss in das verlängerte Wochenende. Donnerstag und Sonntag halb und Freitag sowie Samstag ganz frei. Jetzt ist es nur noch eine Woche in der Grundausbildung und dann geht es ab in die Kompanie. Hoffentlich wird es so locker wie alle sagen, dann kann man nämlich die anderen acht Monate auch noch ertragen.











