Kurzer Ausflug zur Berlinale

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Der schwierigste Teil bestand darin, aus dem reichhaltigen Programm die sehenswerten Filme rauszusuchen und mich dann terminlich noch irgendwie auf einen Tag festzulegen. Das Zweitschwierigste war, überhaupt Karten für die jeweiligen Vorstellungen zu bekommen. Ersteres war mit etwas Arbeit, guter Organisation und viel Recherche gut zu machen, aber Letzteres wurde nahezu zum Glücksspiel. Per Internetvorbestellung konnte ich mir nur Karten für zwei der drei Filme sichern. Mit einem Fünkchen Hoffnung, noch an der Tageskasse Karten zu ergattern, ging es dann in die Hauptstadt. Schon früh versuchte ich mein Glück am Ticketschalter und konnte tatsächlich nach Karten für Trip to Asia erwerben.

Be Kind Rewind

Doch zunächst sollte mich die Vorstellung von Be Kind Rewind im Berlinale Palast erwarten. Zwar waren die Plätze im 2. Rang, ganz oben unter der Decke, nicht die optimalsten, aber immernoch besser als in den ersten Reihen. Da hatte ich ja meine größten Bedenken. Aber nun sollte es endlich losgehen, mit dem neuen Film von Michel Gondry. Der Trailer machte schon im Vorfeld mächtig Laune. Und schon von Beginn an sollte es ein kleines Feuerwerk an Gags und spritzigen Ideen geben. Ohne zuviel zu verraten, aber die Einfälle für die Remakes bekannter Filmklassiker sind einsame Spitze und ich sage nur „sweded“. Allerdings war von Anfang an klar, dass diese Art von Komödie keine 100 Minuten lang funktioniert. Und so schwenkt Be Kind Rewind nach gut 60 Minuten weg vom Slapstick hin zu einer etwas nachdenklicheren Stimmung, mit leichten Seitenhieben auf die Filmindustrie. Neben einem netten Miniauftritt von Sigourney Weaver und der etwas größeren Nebenrolle von Altstar Mia Farrow, sieht man den anderen Protagonisten jederzeit gerne bei ihrem Treiben zu. Alles in allem ist es nicht Gondrys beeindruckendster Film, dazu nutzt sich die Grundidee des Films zu schnell ab. Aber dennoch ist Be Kind Rewind eindeutig eine Empfehlung wert.

Trip to Asia

Nach kurzer Verschnaufpause ging es direkt zur nächsten Vorstellung. Die Berliner Philharmoniker unternahmen eine Tournee in den fernen Osten und waren dabei auf der Suche nach dem Einklang. In Trip to Asia werden dem Zuschauer intime Einblicke in die Arbeit und das Zusammenwirken der 126 Musiker des traditionsreichen Orchesters gegeben. Unterlegt ist der Großteil der 108 Minuten Spieldauer von orchestraler Musik der Komponisten Beethoven, Strauss und Adès und dem perfekt eingepassten Soundtrack von Simon Stockhausen. Währenddessen versuchen die Musiker in Interviews zu erklären, wie diese gewisse Magie in dem Ensemble entsteht und wie sie den ständig neuen Herausforderungen begegnen. Leider leitete mich der Filmtitel etwas in die Irre. Denn einen allzugroßen Zusammenhang zwischen dem eigentlichen Thema des Films und der Reise nach Asien habe ich nicht wirklich ausmachen können. So wurde auch nur wenig auf die Kultur der bereisten asiatischen Länder eingegangen. Neben ein wenig Tai Chi, Buddhismus und Räucherstäbchen war nicht viel von der asiatischen Atmosphäre zu spüren. So hätte die Dokumentation genauso gut auf einer Reise der Philharmoniker durch Europa funktioniert. Dies war dann aber auch der einzige Wehrmutstropfen. Ansonsten war es eine wirklich gelungener Einblick in die einzelnen Individuen dieses einmaligen Orchesters aus Berlin.

Ben X

Aber der eigentliche Grund zu so einem Festival zu gehen, das sind diese kleinen unauffälligen, aber dennoch tollen Filme. So stand als letzte Vorstellung an diesem Tag der belgische Film Ben X auf dem Plan – doch eines vorweg. Wer vorhat, sich den Film anzuschauen, sollte hier nicht weiterlesen und möglichst unbelastet den Film genießen […] Durch den eher ungewöhnlichen Einsatz eines echten Computerspiels im Film, versucht der Regisseur Nic Balthazar den Zuschauer mit in die Welt des Autisten Ben zu nehmen. Und dies gelingt erstaunlich gut. Durch die Vorbelastung als PC-Spieler konnte ich mich schnell mit der Spielwelt der Hauptfigur identifizieren und so schnell eine starke Verbindung aufbauen. Am Ende schafft Ben es dann doch noch, trotz unzähliger Umwegbarkeiten in seinem Leben, den finalen Sprung von der Klippe zu vermeiden und er findet für sich eine gute Lösung mit seiner Situation zurecht zu kommen. Der Film schafft zudem Verständnis für Autismus, ganz anders als dies Rain Man oder Mercury Rising tun.

Am Ende des Tages bleiben viele schöne Erinnerungen und die Erkenntnis, viel zu wenige Filme gesehen zu haben. Also, bis zum nächsten Jahr, zur nächsten Berlinale, zum nächsten Kinoerlebnis.

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