Fantasy Filmfest 2014 – Noch ohne Zombies und Vampire

Zunächst einmal ausgeschlafen und dabei das bisher Gesehene gedanklich verdaut. Nach einem sehr entspannten Vormittag und leider nicht mehr so gutem Wetter war es Zeit den nun ins rollen gebrachten Zug weiter am Laufen zu halten und den Abend mit zwei Filmen auszufüllen.

It Follows
R: David Robert Mitchell
USA 2014

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Inhaltlich liest sich It Follows zunächst wie ein Teenie-Schocker nach Schema F mit dem Hauch Coming-of-age story. Doch schon in den ersten Minuten fällt auf, dass hier stimmungsmäßig weitaus Größeres geboten wird. Dazu tragen mehrere Sachen bei. Zum einen der Synthie-Sound von Disasterpeace, der sich wie ein erdrückender Schleier über das Geschehen legt und das Grauen auch musikalisch fühlbar macht. Hinzu kommt die tolle Auswahl des Cast, der in seiner Qualität an Filme wie The Virgin Suicides und Scenes from the Suburbs erinnert. Auch dort spielen Teenager die Hauptrollen mit stark in den Hintergrund tretende Erwachsene. Umso mehr Zeit nimmt sich der Film für die Jugendlichen und schafft dadurch eine sehr enge Bindung zu den Figuren.
Einen angenehmen Trend schlägt It Follows zudem noch ein. Der Horror kommt hier ganz langsam, schlägt dann aber umso heftiger zu. Unterstützt wird dies dich durch langen Einstellungen und ruhigen Kamerafahrten, welche die Spannung bis ins Unerträgliche steigern. Gäbe es da nicht die zum Glück nur sehr wenigen kleinen Kopfschüttler beim Skript, so wäre dieser Film ein wirklich gelungenes Meisterwerk.
David Robert Mitchell schafft es mit seinem zweiten Kinolfilm auch nach dem Fall des Vorhangs im Kopf des Zuschauers präsent zu sein und das beängstigende Gefühl verfolgt zu werden mit raus auf die Straße zu tragen. Ganz klarer Sehtipp. (8/10)

Cold in July
R: Jim Mickle
USA/Frankreich 2014

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Vordergründig ging es mir bei dem Besuch von Cold in July darum, dass ich Michael C. Hall mal in einer anderen Rolle als den Serienkiller Dexter Morgan aus der TV Serie sehen wollte. Leider wurde ich, was das betrifft, enttäuscht. Vielleicht ist mir die Rolle von Dexter noch zu sehr im Gedächtnis, aber an allen Ecken und Enden habe ich Michael C. Hall, trotz der 80iger Jahre Frisur und dem texanischen Slang, immer wieder in seine alte Rolle schlüpfen sehen.
Allerdings war dies weniger ein Problem in dem Film, da auch hier sein Charakter ähnliche Züge an den tage legte, wie schon Dexter Morgan. Vielmehr störte mich die krasse Zweiteilung des Films. Jeder Teil für sich genommen, hat die Handlung ein stimmiges Bild ergeben, mit allen nötigen Zutaten für einen guten Rachethriller. Doch die 180° Wende von Richard und Russel, nach gut der Hälfte des Films, sind mir wirklich übel aufgestoßen. Es wäre schön gewesen, hätte sich Jim Mickle für das eine oder andere entschieden.
Ansonsten war der Rest soweit in Ordnung und die Figuren, jeder für sich, sehr treffend besetzt. Schön auch mal wieder Don Johnson auf der großen Leinwand zu sehen. (6/10)


Fantasy Filmfest 2014 – Angekommen

Nach einem eher durchwachsenen ersten Tag auf dem Fantasy Filmfest fühle ich mich aber wieder angekommen. Es macht Laune die Filme zu schauen und wettertechnisch ist es auch um Längen besser im August draußen die wärmenden Sonnenstrahlen zu genießen, als im Februar auf der Berlinale zu versuchen nicht zu erfrieren oder auf den langen Wegen zwischen den Kinos nicht doch noch auf den letzten Metern genüsslich auf dem eisglatten Boden horizontal vor die Eingangstür zu rutschen. Dies Alles kann einem zumindest hier in nicht passieren.

iNumber Number
R: Donovan Marsh
Südafrika 2013

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Es geht in eine Gegend, in der diese Art von Film wohl eher weniger erwartet wird. iNumber Number, ein klassischer Gangsterfilm wie aus einem Tarantinotraum, verlegt ins südafrikanische Soweto. Ein durchaus hollywoodreifer Einstieg in den Film lässt kaum Zeit zum Durchatmen, so schnell ist das Tempo, welches durch rasante und teilweise abgefahrene Wackelkameraeinstellungen unterstützt wird. Der Look und der Score gefallen sehr und die Figuren bieten ein breites Spektrum an unterschiedlichen Charakteren. Hier ist allerdings auch der einzige Makel an iNumber Number zu finden. Viele Figuren bleiben bis zum Ende zu blass und bis auf die beiden Hauptdarsteller, die ihre Sache exzellent machen, ist der Rest leider nur Beiwerk für die Handlung. So wirkt die Szene einer Konfrontation aller Gangster auch eher wie ein Kindergarten und nicht wie ein knallharter Kampf bissiger Bulldoggen.
Dennoch weiß iNumber Number zu gefallen und es ist eine angenehm Abwechslung solche Handlung in eine andere Szenerie zu packen. Ich für meine Teil hatte 96 Minuten lang Spaß und wurde Bestens unterhalten. (7/10)

Coherence
R: James Ward Byrkit
USA 2013

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So, gestärkt mit ein wenig Essen und genügend Zeit, um sich das gerade Gesehene nochmal durch den Kopf gehen zu lassen, hier nun ein paar Worte zum zweiten Beitrag des heutigen Tages. Alles beginnt wie ein ganz normaler Abend, Freunde treffen sich, tauschen Neuigkeiten aus, haben Spaß. Getrübt wird das Zusammentreffen durch einen vorbeifliegenden Kometen. Es passieren merkwürdige Dinge und das Unheil nimmt seinen Lauf.
Das Zusammenspiel der einzelnen Darsteller wirkt sehr natürlich und zu großen Teilen auch authentisch. Nicht ganz warm werden kann ich mit der Darstellung der Laurie, deren Schauspiel teils zu gekünstelt wirkt. Mit den anderen Figuren komme ich gut klar und diese bestärken die Glaubwürdigkeit der Szenerie. Denn was in den kommenden 1 ½ Stunden passiert, ist schon ziemlich abgefahrener Scheiß. Das Hirn wird mit einer wilden Konstruktion aus Parallelwelten ala Schrödingers Katze auf Trab gehalten, die sich aber nur häppchenweise manifestieren. Unterstrichen wird die Stimmung durch sehr dezenten Einsatz von Musik und einem Kamerabild, welches ständig ins Unscharfe abgleitet und so die Situation nie wirklich scharf erfassen lässt.
Von Minute zu Minute fügt sich das Puzzle zu einem Ganzen zusammen und am Ende ist nicht nur der Zuschauer, sondern auch einer der Protagonisten von der Wahrheit erschlagen. Und es stellt sich zum Grand Finale die eine Frage: Was würdest du für eine perfekte Welt tun? (8/10)

Patema Inverted/Sakasama no Patema
R: Yasuhiro Yoshiura
Japan 2013

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Der erste und leider auch einzige Anime bei diesem Festival. Allerdings wurde mit Patema Inverted eine gute Wahl getroffen. Technisch sehr schön umgesetzt, geht es in eine umgekehrte Welt, in der die Dinge auf dem Kopf zu stehen scheinen. Aber der Eindruck trügt nicht und Yasuhiro Yoshiura schafft es mit der Darstellung seines futuristischen Szenarios überzeugend zu sein.
Etwas schwierig hingegen ist der stellenweise aufblitzende Kitsch und die teils doch arg präsente Schwarz-Weiß-Darstellung einiger Charaktere. Dies ist wohl dem Umstand geschuldet, dass ein möglichst breites Publikum erreicht werden soll. Sieht man darüber hinweg, gibt es eine aufregende Geschichte um zwei Jugendliche, die trotz widrigster Umstände versuchen einander zu finden. So gibt es nicht nur was für das Herz sonder auch was fürs Hirn. Mit einer philosophischen Aussage fallen am Ende buchstäblich die Welten wie Kartenhäuser in sich zusammen und eröffnen den Protagonisten völlig neue Blickwinkel auf ihr eigenes sein und ihren Platz in der Welt.
Zeichnerisch ist Patema Inverted hervorragend umgesetzt. Eine gesunde Mischung aus Handzeichnung und CGI erwecken die Figuren und die Landschaft zum Leben. Besonders reizvoll ist das Spiel mit der entgegengesetzten Gravität. Kaum fühlt man sich mit beiden Füßen sicher auf dem Boden, da stellt sich kurzerhand alles auf den Kopf, um sich wenig später wieder umzukehren.
Dennoch schwächelt der Film insgesamt auf der emotionalen Ebene. Trotz der deutlichen Präsenz der beiden Hauptcharaktere, fehlt ihnen letztlich das gewisse Etwas, um ihnen merklich näher zu kommen. Auf alle Fälle sollte man sich den Film anschauen, schon allein der verrückten Gravitationsspielerei wegen. (6/10)


Fantasy Filmfest 2014 – Back to Fantasy

Nach dem doch recht gutem Vorspiel im Frühjahr bei den Fantasy Filmfest Nights in Hamburg habe ich mich recht leicht dazu durchgerungen, einige Tage in Berlin zu verweilen, um einen etwas umfangreicheren Einblick zu erhaschen. Leider ist für mich nicht mehr Zeit verfügbar, aber sollte sich der Trend aus dem Frühjahr fortsetzen, so steht einem kommenden Besuch in den nächsten Jahren sicherlich nichts im Wege. Jedenfalls startet der erste Tag bereits mit einer Auswahl von drei Filmen, die querbeet durch die Genres reichen.

Blue Ruin
R: Jeremy Saulnier
USA 2013

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Rachefilme haben in den letzten Jahren Hochkonjunktur an den Kinokassen und so reiht sich auch Blue Ruin in diesen Reigen ein. Das Setting in einer typischen Kleinstadtidylle auf dem Lande mit allem was es für einen Rachefilm braucht. Dwight, ein zerbrochener Charakter der nach einem tragischen Doppelmord nach Rache dürstet. Erst mit der Zeit wird klar worum es überhaupt geht, was genau die Motive von Dwight sind. Und als es einem dämmert, ist man auch schon mittendrin im Blutrausch.
Recht brutal geht der Film von Anfang an zu Werke und lässt auch bis zum Ende in Sachen bildhafter Gewalt nicht nach. Auf der Strecke bleibt ein wenig das Lüften von Dwights Gefühlswelt, die ihn letztlich zu den Taten drängt. Immer mal wieder gibt es kurze Momente, die einem teilhaben lassen an Dwights Verzweiflung und Schmerz, aber so richtig mag sich das einem nicht erschließen. Das Handeln Dwights ist durchaus nachvollziehbar, insofern es einem gelingt, die ganzen Hintergründe emphatisch anzunehmen und zu akzeptieren. Dies viel mir persönlich etwas schwer und so wirkt das Ende dann auch etwas blass und gleichgültig, obwohl die Story weitaus mehr hergegeben hätte. Der Rest ist ansonsten sehr stimmig. Die Figuren sind glaubhaft, die Musik entsprechend des Themas angepasst. Obwohl mit „No Regrets“ etwas zu sehr dick aufträgt. Dafür wirkte das Gesamtkonzept von Blue Ruin doch zu ernst, als das man es als unterhaltsamen Rachefilm verkaufen könnte.
Besonders hervor zu heben ist die darstellerische Leistung von Macon Blair als Dwight. Dieser trägt den Film von der ersten bis zur letzten Minute und lässt sich auch von den anderen Figuren nicht die Butter vom Brot nehmen. Alles in allem eine runde Sache, die aber auf der Handlungsebene mehr Detailarbeit hätte vertragen können. (6/10)

Honeymoon
R: Leigh Janiak
USA 2014

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Weiter geht es mit einem schwer zu beschreibenden Film. Am ehesten lässt sich Honeymoon wohl in die Ecke der Besessenheitsfilme stecken, obwohl es während des Verlaufes nicht klar wird, von was die Personen dort überhaupt besessen sind. Und das ist auch gut so. Immerhin braucht es nicht für Alles eine Erklärung und die ist gerade bei diesem fantastischen Kammerspiel auch gar nicht von Nöten.
Die beiden Hauptprotagonisten spielen ihre Rollen äußerst überzeugend und eindrucksvoll. Rose Leslie, die eher aus der TV Serie Game of Thrones bekannt ist, passt wunderbar ins Kinoformat und darf dort gern auch in Zukunft zu finden sein. Mit den gebotenen Mitteln eines sehr beschränkten Raumes, zweier Haupt- und Nebencharaktere und einem minimalistischen aber sehr effektiven Score ist die Spannung teils zum Zerreißen gespannt und erlebt bis zum Ende des Films einen kontinuierlichen Anstieg, der in einem vielleicht nicht ganz so geglückten, aber dennoch akzeptablen Schluss ihren Höhepunkt findet.
Filmisch gekonnt umgesetzt ist man ständig ganz nah dran an den Figuren und erlebt die Beziehung zwischen Bea und Paul sehr intensiv und auch deren Auseinanderbrechen. Stück für Stück wird aus dem harmonischen Zusammensein ein beängstigendes Beisammensein, welches Umbehagen und größte Unruhe hervorruft. So fühlt sich Honeymoon auch keineswegs angenehm an und hat einen bleiben Eindruck hinterlassen. (8/10)

Redirected/Uz Lietuva!
R:Emilis Velyvis
Großbritannien/Litauen 2014

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Erst Britannien und wenig später Litauen. Was man schon von Guy Ritchie Filme ala Snatch oder Bube, Dame, König, grAS kennt, setzt Emilis Velyvis in seinem Redirected fort. Schade dabei ist die Tatsache, dass Velyvis eher schlecht kopiert und weniger versucht hat das Gegebene weiter zu entwickeln. So geht dem Film nach einem temporeichen und durchaus sehr unterhaltsamen Start auch recht schnell die Luft aus. Zwischenzeitlich wünscht man sich, trotz der teils grandiosen und grotesken Einfälle Velyvis‘, die Handlung etwas zügiger vorantreiben zu wollen. Gegen Ende nimmt der Film zwar wieder etwas an Fahrt auf, schafft es aber nicht den Kreis zu schließen und an die Qualitäten der Filme aus Britannien anzuknüpfen. Zudem ist der Schluss etwas merkwürdig und deutet auf einen mäßigen Cliffhanger für eine Fortsetzung hin. Kann man machen, muss man aber nicht.
Vieles aus Redirected gab es früher schonmal zu sehen. Figuren, Musik und Look erinnern, wie schon gesagt, an die Guy Ritchie Filme und so bleibt nur dem Regisseur ein Lob dafür auszusprechen, dass er den britischen Gangsterfilm noch Litauen gebracht hat. Und das auch recht solide und schaubar. (6/10)


Fantasy Filmfest Nights 2014 – Abschluss

Gut erholt vom gestrigen Tag ging es heute auch schon recht früh am Nachmittag mit dem ersten Film los. Es stand wieder eine sehr bunte Mischung aus Horror, Science Fiction und Komödie auf dem Plan.

The Green Inferno
R: Eli Roth
USA 2013

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Tja, so gut wie der gestrige Tag endete, so schlecht sollte er heute beginnen. Jedenfalls war Eli Roths neuer Film ein Reinfall auf ganzer Linie. Ich fühlte mich an die Regiearbeit eines Uwe Boll erinnert und war auch dementsprechend gelangweilt. Die Figuren wirkten unglaubhaft, mit Klischees überladen und die Indianer als Kannibalen völlig fehl am Platze. Da half auch nicht der gehobene Gorefaktor in der zweiten Hälfte des Films, denn bis dahin hatte ich The Green Inferno schon abgeschrieben. Kurzes Resümee, platte Handlung zum Einschlafen. (3/10)

Snowpiercer
R: Joon-ho Bong
Südkorea/USA/Frankreich 2013

Snowpiercer

Endzeitfilme habe ich lange nicht mehr gesehen und so war Snowpiercer mal wieder eine äußerst angenehme Abwechslung. Die Handlung in einen Zug verfrachtet sieht man nicht jeden Tag und so ist die Action auf diesem engen Raum auch dementsprechend stark konzentriert und direkt. Es gibt gute Schauspieler, schön anzusehende Kampfkunst und eine wirkungsvolle Atmosphäre, die nicht allein durch den eindringlichen Score, sondern auch das dreckige Set unterstrichen wird. Die Spannung wird konsequent bis zum Ende hin aufgebaut und die Handlung ist nicht nur mit Action gespickt, sondern man hat auch den ein oder anderen Lacher mit einfließen lassen. Problematisch ist das Konstrukt des ewig fahrenden Zuges. Hier und da wirkt es wenig durchdacht und man muss an diesen Stellen einfach drüber hinwegsehen. Zudem kränkelt Snowpiercer beim Showdown. Die Tränendrüsen werden zwar angesprochen, finden bei mir aber keinen Auslöser. Dazu war der Hauptcharakter bis dahin einfach zu blass, um das nötige Potential ausspielen zu können. Zudem ist das Ende, nunja, schwierig. Kann man so machen, muss man aber nicht. Dennoch bleibt ein Endzeitfilm der etwas anderen Art, der trotz der zwei Stunden Laufzeit durchaus Laune macht. (7/10)

Witching and Bitching/Las brujas de Zugarramurdi
R: Álex de la Iglesia
Spanien/Frankreich 2013

Witching_And_Bitching

Was für ein wunderbarer Abschluss der Fantasy Filmfest Nights. Iglesias Streifen hatte einfach alles zu bieten was man in einen Hexenfilm halt so packen kann. Mit einem Mordstempo jagt die Handlung von einem grandiosen Augenblick zum nächsten. Durchatmen fällt hier schwer, so rasant sind Schnitt, Musik und Dialoge. Und ist man an einem Punkt angekommen an den man denken mag, schräger kann es nicht werden, legt Iglesias noch ein Schippe Verrücktheit drauf. Zu mäkeln gibt es ansich nichts. Das fast nur noch CGI Blut verwendet wird, scheint halt gerade Mode zu sein, was etwas schade ist. Ansonsten schräge Figuren wohin man schaut, feinster schwarzer Humor schon beim Intro und sehr atmosphärische Sets. Von Anfang bis Ende beste Unterhaltung. Schön auch der Umstand als Filmlocation des real existierende Zugarramurdi zu benutzen. (8/10)

Noch ein kleines Resümee zu den Fantasy Filmfest Nights 2014. Es hat sich gelohnt und es war schön mal wieder einen kleinen Ausflug in die Welt des Fantastischen zu machen. Wenn es die Zeit erlaubt bin ich vielleicht dieses Jahr nochmal dabei, wenn nicht, dann spätestens im nächsten. Ich freu mich drauf.


Fantasy Filmfest Nights 2014 – Wiedereinstieg

Der letzte Besuch des Fantasy Filmfest liegt schon über 15 Jahre zurück und muss wohl 1998 in Köln gewesen sein. Es ist seither also jede Menge Zeit verstrichen, in der ich aber immer ein wachsames Auge auf das Festival hatte. Leider hat es sich in den vergangenen Jahren zeitlich nicht ergeben einen Abstecher in die Fantasiewelt zu machen. Doch dieses Jahr standen die Sterne günstig und ich nutzte die Gelegenheit zumindest die kurzen aber feinen Nights in der Gründerstadt Hamburg zu besuchen.

Rigor Mortis / Geung si
R: Juno Mak
Hong Kong 2013

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Der Einstieg beginnt mit einem fernöstlichen Geisterfilm in einem Hochhaus. Alles schon gesehen, würde man jetzt sagen, aber die ganze Sache ist mit Vampirelementen angereichert und bietet allerhand Action schon von der ersten Minute an. So wird es zwar bis zum Ende nicht langweilig, dennoch gibt es keine größeren Höhepunkte. Rigor Mortis bewegt sich auf gutem Niveau, fällt in keiner Disziplin besonders ab, kann trotz allem nicht vollends überzeugen. Besonders das Gefühl alles schonmal gesehen zu haben macht es schwer aus den ganzen anderen Geisterfilmen herauszustechen. Ich würde sagen, Rigor Mortis kann man sehen, muss man aber nicht. (6/10)

Enemy
R: Denis Villeneuve
Kanada/Spanien 2013

Enemy

Ein Hauch von Hollywood mit Jake Gyllenhaal, Mélanie Laurent und Isabella Rossellini kehrt ins Fantasy Filmfest ein. Nach dem actionreichen Rigor Mortis ist Enemy eine ganze Nummer ruhiger. Doch schon zu Beginn wird klar, dass die Handlung einen beunruhigenden Verlauf nehmen wird. Bis es aber deutlich wird vergeht einige Zeit und es bleibt Raum sich näher mit den Charakteren auseinanderzusetzen. Nach der Hälfte von Enemy spitzt sich die Situation zu und es entfaltet sich ein Psychothriller mit Mysteryelementen. So lässt das Ende auch, zumindest nach erstmaliger Sichtung, mehrere Interpretationen zu. Ich für meinen Teil werde meine Theorie nach einer weiteren Runde Enemy versuchen zu untermauern. Bis dahin bleibt ein beunruhigender Film mit tollen Schauspielern und einem sehr überzeugenden Score. (7/10)

Dead Snow 2: Red vs. Dead / Død Snø 2
R: Tommy Wirkola
Norwegen 2014

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Schon der erste Teil des Norwegers Tommy Wirkola war ein reines Splatterfest. Und was man vorher schon so hörte, sollte dies im zweiten Teil einen ganzen Zacken heftiger werden. Und so war es auch. Nahtlos ging es mit dem Gemetzel weiter und das Blutlevel wurde bis zum Ende ganz weit oben gehalten. Was sofort auffällt ist das gesteigerte Budget, welches Wirkola zur Verfügung stand. Zwar ist der Handlungsrahmen örtlich sehr beschränkt und findet weiterhin in der für Zombiefilme ungewohnten Landschaft norwegischer Fjorde statt, aber der erweitere Finanzrahmen schafft es eine gut funktionierende Kulisse zu erschaffen. Und bis auf das teils etwas unglücklich wirkenden CGI Blut klappt das auch ganz gut. So wird einem Splatter vom Feinsten geboten. Man fühlt sich wieder an Klassiker wie Braindead und Evil Dead erinnert und es gibt an einigen Stellen wirklich ziemlich kranken Scheiß der über die Leinwand flimmert. Doch leider gibt ein großes Problem, dass man aber ganz gut umgehen kann. Und zwar sollte man der sehr vorhersehbaren, mit riesengroßen Plotholes, gespickten Handlung bereits zu Beginn keiner weiteren Bedeutung beimessen. So und nur so macht Dead Snow 2 auch wirklich Spaß und man wird mit dem wohl romantischsten Ende aller Zombiefilme belohnt. Übrigens heißt es hier bis zum Schluss sitzenbleiben. (7/10)

Nach der doch sehr langen Auszeit ist der Wiedereinstieg ins Fantasy Filmfest für mich ganz persönlich hervorragend gelungen. Es gab eine bunte Mischung an Themen und zumindest heute keinen qualitativ schlechten Ausreißer. Und mit dem Savoy Filmtheater hat die Festivalleitung ein sehr gutes Händchen bei der Kinoauswahl bewiesen. Schon lange konnte ich nicht mehr, dank Wohlfühlsessel, so bequem Kinofilme genießen. Morgen ist dann der zweite, aber auch schon der letzte Tag des Festivals.


Berlinale 2013: Alte Stars, aktuelle Themen und ein Fazit

Dark Blood

Es bricht der letzte Tag an, zumindest für mich. Zwei weitere Tagen folgen ja noch offiziell, ich werde aber hier und heute meinen kleinen Filmmarathon beenden. Den Beginn machte ein Film, der eigentlich schon 1993 gedreht wurde. Durch den frühen und überraschen Tod des Hauptdarstellers River Phoenix konnte Dark Blood vom Regisseur George Sluizer nicht fertig gestellt werden. Zunächst landete das Filmmaterial hinter verschlossenen Türen. Nun hat die Versicherung das Material wieder frei gegeben und George Sluizer versucht aus dem Vorhanden das Beste zu machen. Grundsätzlich ist ein guter Film entstanden. Allerdings merkt man schnell die vielen großen Lücken, die damals nicht mehr abgedreht werden konnten. So verliert Dark Blood so einiges an Fluss und entscheidende Szenen müssen durch einen Off-Text ersetzt werden. Mit diesen Szenen wäre aber wohl auch kein wirklich großartiger Film entstanden, aber sicherlich ein sehenswerter.

Viele Dokumentation stehen auf meinem Plan und für den Rest des Tages habe ich mir nochmal zwei ausgesucht. Der erste war Unter Menschen von Christian Rost und Claus Strigel. Es wird der Resozialisierungsversuch von Schimpansen, Versuchstiere in einem Labor, gezeigt, der mittlerweile schon über 10 Jahre andauert. Dabei werden allerhand Skandale aufgezeigt die während der Zeit der Experimente mit den Schimpansen stattfanden. Leider ist Unter Menschen dabei nicht mutig genug. Ich vermisse tiefergehende Fragen moralischer Natur, die das generelle Problem mit Tierversuchen beleuchten. Zudem bleiben die Verflechtung zwischen Pharmakonzernen, Regierungsvertretern und Tierschutzorganisationen zu nebulös. Dennoch ein erhellender mit durchaus positiven Tenor behafteter Dokumentarfilm, der aber auch durchaus energischer hätte sein können.

Der Schluss des heutigen Tages und somit meiner Berlinale machte Materia oscura von Massimo D’Anolfi und Martina Parenti. Die Inhaltsangabe klang sehr vielversprechend und auch das Thema um Waffentests auf der italienischen Insel Sardinien lotste mich in diesen Film. Ein sehr stiller Dokumentarfilm, der fast ohne Worte auskommt. Und die Bilder sprechen auch für sich. Trotz teilweise drastischer Aufnahmen schafft es Materia oscura nie so ganz zu überzeugen. Oft scheint der Film nur so dahin zu dümpeln. Es überwiegt mehr ein Fingerzeig als konkrete Fakten. So bleibt ein durchaus interessanter aber zu unkonkreter Dokumentarfilm.

Bleibt nun noch das Fazit der verbleibenden fünf Tage in Berlin. Bis auf Soderberghs Side Effects habe ich alles sehen könne, was ich mir vorgenommen hatte. Sicher habe ich auch vieles verpasst, aber es ist in der knappen Zeit auch einfach nicht alles zu schaffen. Das Wetter hatte jedenfalls für Berliner Verhältnisse gut mitgespielt, das Glatteis blieb dieses Jahr aus und auch das Thermometer ging nicht weit unter die null Grad Grenze. Schnee gab es nur am zweiten Tag und selbst die Sonne hat sich ein paar Mal gezeigt. So konnte ich häufiger mal die Luft draußen genießen und Abstand, wenn auch meist nur sehr kurz, zu den dunklen Kinosälen gewinnen.
Von den gezeigten Spielfilmen hat mir wohl The Best Offer zugesagt. Bei den Klassikern überzeugte Dial M for Murder von Hitchcock am meisten und Jafar Panahis Pardé sollte verdientermaßen ein Preis bekommen. Besonders hervor zu heben ist dann noch Upstream Color, der mal was ganz anderes war und die Berlinale so jedesmal wieder spannend macht. Mein persönliches Highlight war dann der Dokumentarfilm The Act of Killing. Dieser hat mich am meisten überrascht und lange Zeit danach noch zutiefst bewegt. Ein Film der wohl lange Zeit im Gedächtnis bleiben wird.
Jedenfalls hat sich der diesjähriger Besuch der Berlinale wieder gelohnt. Ein Wiedersehen ist also fast schon vorprogrammiert und wird vielleicht schon früher folgen als gedacht.


Berlinale 2013: Von Indien über Indonesien in eine verkehrte Welt

The Act of Killing

So langsam ist es eine Tradition geworden jeweils auch einen indischen Film zu schauen. Dieses Jahr habe ich mir dazu Kai Po Che von Abhishek Kapoor aus der Reihe Panorama auserkoren. Die Inhaltsangabe sprach vom neuen Bollywood. Vor zwei Jahren fand ich ja schon Road, Movie von Dev Benegal erfrischend anders und Kai Po Che tritt zumindest teilweise in diese Fußstapfen. Modern versucht der Film auf alle Fälle zu sein, allerdings wirken die Stilmittel dazu für westliche Verhältnisse arg abgegriffen und es gibt in dem Bereich zumindest nicht Neues zu sehen. Ansonsten bietet die Story viel Abwechslung und die 130 Minuten Laufzeit vergehen recht schnell. Störend ist zu Beginn der aufdringliche Kitsch, also doch noch das alte, klassische Bollywood. Aber wenn man sich erstmal drauf eingelassen hat kann Kai Po Che am Ende nochmal richtig auftrumpfen. Guter Film, solide Kost aber nicht herausragend.

Weiter geht es ganz im Zeichen der Panorama Reihe, erneut mit einer Dokumentation. Viel Positives habe ich schon im Vorfeld über The Act of Killing von Joshua Oppenheimer gelesen, aber dies muss ja nichts heißen. – hier allerdings schon. Von der ersten bis zur letzten Minute schaut man wie bei einem Unfall auf die Leinwand und trotz der entsetzlichen Bilder mag man nicht wegschauen. Es tut weh 120 Minuten über die traurige und schockierende jüngere Geschichte Indonesiens zu erfahren. Recht frei berichten Täter von dem Genozid in der Militärdiktatur nach 1965. Ganz nah ist Joshua Oppenheimer dabei an den Menschen und macht so die Geschichten noch fühlbarer und beängstigend realistisch. Am Ende verlässt man fassungslos den Kinosaal, ist aber gleichzeitig dankbar dafür, ein wenig die Augen geöffnet bekommen zu haben. Und eines macht The Act of Killing ganz eindeutig klar, die Zustände in Indonesien zu ändern wird ein langer, sehr langer Weg.

Nachdem ich mich vom letzten Film einigermaßen erholt hatte, ging es weiter mit dem neuen Film von Shane Carruth, Upstream Color. Recht unkonventionell erzählt Carruth eine verstörende Geschichte. Untermalt von nicht weniger verstörenden Bildern und einem unter die Haut gehenden Score. Upstream Color verlangt alle Sinne beim Zuschauer ab und verlässt sich größtenteils auf dessen Intuition und weniger auf verbale Kommunikation, um seine Geschichte zu erzählen. Dieser sehr ungewöhnliche Weg macht den Film zwar schwer konsumierbar ist aber dadurch auch etwas ganz Besonderes. Ich denke hier tut eine Zweitsichtung unbedingt Not.
Ich glaube, heute habe ich mein Highlight der diesjährigen Berlinale mit der Dokumentation The Act of Killing gesehen. Ganz starker Film von dem man in Zukunft sicher noch häufiger hören wird.


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