ITFS 2016 – Young Animation 1

Als Abschluss des heutigen Tages der erste Teil des Young Animation Wettbewerbes. Hier wird eine Auswahl an Studienprojekten junger Regisseure gezeigt. Ein bunter Mix verschiedenster Geschichten, Stile und Menschen.

After the End
R: Sam Southward
Großbritannien 2015
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Sehr witzige Endzeitgeschichte die mit skurrilen Charakteren weiß den Zuschauer zu unterhalten. Durchaus erwachsen wirkt der Humor ist aber dennoch albern und grotesk. Ein Spaß diesen beiden letzten Menschen auf der Welt beizuwohnen. (7/10)

Du plomb dans la tête / Lead in the head
R: Aurore Peuffier
Frankreich 2015
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Wunderbare Malerei zu einem düsteren Thema. Eine bewegende Geschichte eines Wolfes mit traurigem Ausgang, der teilweise emotional schwer zu folgen ist, dem ernsten Thema aber eine entsprechende Bühne bietet. (6/10)

Fox Tale
R: Doosun Shin
USA 2015
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Lustige kleine Geschichte, die einem Märchenbuch entsprungen sein könnte. Putzig animierte Figuren von Fuchs und Hase unterstreichen den lustigen Grundton dieser Parabel. (6/10)

Good boy!
R: Dajeong Song
Südkorea 2015

Außenseitergeschichte in einem Kindergarten, die sicherlich so überall auf der Welt spielen könnte. Das klassische Thema über Ausgrenzung und der Umgang damit. Einfache Zeichnungen, die aber durchaus den Ernst an der Geschichte nicht vergassen lassen. (6/10)

Hail
R: Boram Park
Südkorea 2015
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Grafisch und inhaltlich ein sehr interessanter Beitrag. Der karge Schwarzweiß-Look unterstreicht die Monotonie und schafft so die Stimmung perfekt einzufangen. (6/10)

Ham Ham
R: Anna Levinson
Deutschland 2015
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Was im Kopf eines kleinen Mädchens vorgeht, dass vor dem Zubettgehen noch vom Hunger geplagt ist, zeigt dieser kleine Film. Fantasiereich und mit einem schlichten Zeichenstil wird diese Geschichte unterhaltsam erzählt. Hat Spaß gemacht. (6/10)

Ujj a rava szon / Finger on the Trigger
R: Péter Kántor
Ungarn 2015
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Wunderbar und mit viel Liebe zum Detail gezeichnetes Action-Abenteuer. Nebenbei ein Blick in die Welt gealterter Geheimagenten und dessen unbändigen Drang ihre Mission zu Ende zu bringen. InZukunft gerne mehr davon. (8/10)

My Seashell Memory
R: Yanlai Chen
Großbritannien 2015
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Gefühlvoll und mit behutsam gezeichneten Bildern erzählt dieser Film die Beziehung zwischen einem kleinen Mädchen und ihrem verstorbenen Vater. Besonders reizvoll machte den Beitrag der Autobiografische Hintergrund. (6/10)

Her
R: Go-eun Kim
Südkorea 2015

Ein Blick auf eine verquere Liebesbeziehung. Und während der Mann immerwährend auf der Suche nach neuen Beziehungen ist, bleibt die Frau dem Mann erbarmungslos treu. Tragisch mit anzusehen wie das Herz blutet und so blutig ist auch der Zeichenstil gehalten. (7/10)

True Love
R: Marcus Feist
Deutschland 2015
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Kurz, kürzer, superkurz. Dieser Beitrag war wirklich kurz, hatte allerdings eine witzige Pointe. Technisch hat mir die Umsetzung allerdings nicht so recht gefallen und vielleicht hätte man aus dem Thema auch eine kleine Reihe machen können. (5/10)

Manoman
R: Simon Cartwright
Großbritannien 2015
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Nun gab es was sehr Interessantes zu sehen. Mit sehr bizarr anmutenden Figuren zeigt dieser Stop-Motion-Film die Konfrontation eines kümmerlichen Mannes mit sich selbst. Als Ergebnis tritt, während einer Urschreitherapie, sein primatenhaftes Ich zutage. Danach folgt ein wilder Ritt durch Tag und Nacht mit einem bitterlichen Ende und vielleicht der Einsicht, nicht immer alles in einem ans Tageslicht befördern zu wollen. (8/10)

Witness
R: Alexandre Berge, Christ Ibovy, Hugo Rizzon
Frankreich 2015
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Eine düstere Geschichte die ausgezeichnet animiert ist. Spannend erzählt mit einem überraschenden Ende. (6/10)

Preisoep / Leek Soup
R: Jef Staut
Belgien 2015
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So richtig konnte ich mit diesem Beitrag nichts anfangen. Etwas Slapstick hier, ein wenig Klamauk da. Aber so richtig herzhaft lachen konnte ich leider nicht. War dann ganz froh, als mit diesem Beitrag der heutige Tag geendet hatte. (5/10)


ITFS 2016 – Eröffnung und Wettbewerb

Ganze vier Jahre hat es gebraucht, bis ich wieder die Zeit gefunden habe, um mich tagelang in dunklen Kinosälen mit dem Trickfilm auseinander zu setzen. Aber nun, im Jahre 2016, ist es soweit. Alles scheint noch vertraut und das ist auch gut so. Ich halte meinen Festivalpass in den Händen und beginne den ersten Tag auch gleich mit der Eröffnungsgala und dem anschließenden ersten Teil des Internationalen Wettbewerbs.

Erlkönig / Erlking
R: Georges Schwizgebel
Schweiz 2015
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Eine altbekannte Geschichte vertont und gezeichnet. Mit tragender Musik von Franz Schubert und Franz Liszt und dem starken Zeichenstil von Georges Schwizgebel wird die Geschichte des Erlkönigs nicht neu aber anders erzählt. Jedenfalls eine Erfahrung diese so vertrauten Textzeilen in in Bild und Ton zu sehen. (5/10)

Waves ´98
R: Ely Dagher
Libanon, Katar 2015
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In einem Mix aus Realbildern und Animation erzählt Ely Dagher die Ereignisses eines Teeangers nach dem Krieg in Beirut. Dabei funktionieren die Bilder sehr gut mit dem beklemmenden Soundtrack. Diese bedrückende Stimmung, die Auseinandersetzung mit dem Alltag und dem Versuch in ihm wieder Fuß zu fassen lassen einem nicht so ohne Weiters wieder los. (6/10)

Pro Mamu / About a Mother
R: Dina Velikovskaya
Russland 2015
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Schöner kleiner Film über das Aufopfern einer Mutter für ihre Söhne. Immer mit einem kleinen Augenzwinkern erzählt und mit ganz einfachen Mitteln gezeichnet. In den sieben Minuten einfach alles inhaltlich sehr gut auf den Punkt gebracht. (6/10)

The Reflection of Power
R: Mihai Grécu
Frankreich 2015
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In diesen knapp 10 Minuten bekommt man Einsicht in die Hauptstadt Nordkoreas. Durch den geschickten Einsatz von computergeneriertem Wasser werden diese Bilder allerdings völlig neu interpretiert und bekommen dadurch eine ganz andere Aussagekraft. Faszinierend dem ganzen Treiben zuzuschauen. (7/10)

Kaputt
R: Alexander Lahl, Volker Schlecht
Deutschland 2015
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Ein wenig ist dies ja auch noch teil meiner eigenen Vergangenheit und so war es vielleicht besonders berührend von den Geschehnissen im zentralen Frauengefängnis der DDR zu hören. Dabei wurden die teils absurden Haftbedingungen von ehemaligen Gefangenen erzählt und mit einfachen, aber sehr wirksamen Bildern unterstrichen. Dieser Animadok-Film arbeitet ein Stück DDR-Geschichte wirksam und authentisch auf. (8/10)

Confessions
R: Philippe Carron
Frankreich 2015
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Noch am Anfang und auch bis kurz vor Ende des Films bleibt es ungewiss, wer da im Off redet. In einer Art Collage wird von einem bewegten Leben mit allerlei Dummheiten erzählt aber auch von unheimlich bereichernden Erfahrungen. Witzig, unterhaltsam aber auch nachdenklich ist dies ein Blick auf eine Persönlichkeit, die so nicht zu erwarten ist. (6/10)

Elu Herman H. Rott‘iga / Life with Herman H. Rott
R: Chintis Lundgren
Estland 2015
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Herman ist eine Ratte, die, so wie lebt, glücklich ist. Doch dann tritt eine Maus in Hermans Leben und es verändert sich Alles. Auf amüsante Art und Weise und mit einem schlichten Zeichenstil zeigt Chintis Lundgren das Zusammenleben dieser beiden unterschiedlichen Charaktere. Allerdings scheint dieses entstehende Idyll nicht lange zu halten und zerbricht an den zu festgefahrenen Lebenseinstellungen der beiden. Ein lustiges Kammerspiel mit ernster Aussage. (7/10)

Autos portraits / Carface
R: Claude Cloutier
Kanada 2015
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Das Lied Que Sera, Sera von einem 57er Chevrolet Bel Air vorgetragen. Dabei nimmt sich Claude Cloutier dem Thema der heutigen, sorglos Erdöl verbrauchenden, Gesellschaft an und verbindet so ein großes Umweltthema mit dem Charme alter Automobile. Ein bitterböse Satire mit starker Musik und klasse gezeichneten Autos und eine gleichermaßen Ohren- und Augenweide. (7/10)

CAFÉ D’AMOUR – Eine pixilierte slapstick Komödie
R: Benedikt Toniolo
Deutschland 2015
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Durchaus eine unterhaltsame Geschichte über ein Café und dessen Liebe zur Liebe der Liebenden. Ein ungewöhnlicher Stop-Motion-Film mit nicht ganz unerwartetem Ende. Dadurch bietet der Film auch wenig Überraschung und kann einzig durch seine herausragende Optik punkten. Dennoch bleibt CAFÉ D’AMOUR irgendwie blass. (5/10)


Fantasy Filmfest 2014 – Abschied mit grandios unterhaltsamen Ende

Für den letzten meiner vier Tage Fantasy Filmfest gibt es nochmal die volle Ladung an Genres. Angefangen mit Zombies geht es weiter mit einem breiten Spektrum an Kurzfilmen, einem kurzen Abstecher zu den Geistern und dem abschließenden Besuch bei den Vampiren. Was wünscht man sich mehr an einem lauen Sommertag in Berlin.

Go Goa Gone
R: Krishna D.K., Raj Nidimoru
Indien 2013

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Ziel von mir ist es immer ein möglichst großen räumlichen Bereich an Filmbeiträgen abzudecken. Und da kam mir diese indische Zombiekomödie wie gelegen. Unnötig zu erwähnen, dass es hier keine großartige Handlung gibt, keine preisgekrönten Darstellerleistungen und auch keine realistischen Effekte. Dafür gibt es Partymusik, Urlaubsfeeling, viel Action und bloody Zombies.
Viel Zeit benötigt Go Goa Gone in Fahrt zu kommen. Relativ schnell ist die Handlung am Schauplatz des Gemetzels angekommen und eh man sich versieht, gilt es auch schon den Zombies das Leben schwer zu machen, wenn man das so sagen kann. Dabei gibt es allerlei Splatter, zahlreiche Lacher und witzige Anekdoten. So ist auch die Erklärung, wie es denn die Zombies bis nach Indien geschafft haben äußerst einfallsreich.
Gut unterhalten verlässt man den Kinosaal nach angemessenen 108 Minuten. Ein schöner Spaß aus dem Land des Bollywood. (7/10)

Get Shorty

Da es doch einige sehenswerte Beiträge gab, habe ich das Ganze mal in einen eigenen Beitrag geschrieben. Hier nachzulesen…

The Babadook
R: Jennifer Kent
Australien 2014

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Wir sind angekommen im Land der Aborigines, Koalabären, Kängurus und Crocodile Dundee. Alles das sieht man aber nicht im australischen Babdook. Hier trifft man auf einen waschechten Geisterfilm. Und was für einen Grusel eine kleine Gute-Nacht-Geschichte doch bewirken kann.
Viel passiert zu Beginn auf erzählerischer Ebene und das Böse bleibt zunächst im Verborgenen. Dies ändert sich von Minute zu Minute und das Böse zeigt sich erst in psychischer und am Ende auch in physischer Gewalt.
Terror im eigenen Heim und Essie Davis, in der Rolle der Mutter, macht dies fühlbar, mit viel Nachdruck. Noah Wiseman kann auf Grund seines Alters aber einfach nicht mithalten und fällt mit der Darstellung als Sohn weit ab. Da es aber aus diesem Dilemma keinen Ausweg gibt, muss man es so wohl oder übel akzeptieren, was dem Film aber nicht gut tut. Denn das Setting mit Kamera, Sound und Kulisse ist unheimlich atmosphärisch und verleiht Babadook eine ganz individuelle Note. Und so bleibt zumindest die Geschichte des Babdook noch ein Weile hängen. (6/10)

What We Do in the Shadows
R: Jemaine Clement, Taika Waititi
Neuseeland/USA 2014

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Zu Ende des Tages und auch zum Ende meines diesjährigen Festivalbesuchs, ein Highlight auf ganzer Linie. Mit viel schwarzen Humor aus dem fernen Neuseeland, in dem auch ein Peter Jackson seine Wurzeln hat, wird eine Mockumentary präsentiert, die sich mit Vampiren beschäftigt.
Was soll ich groß erzählen, von vorne bis hinten stimmt hier einfach alles. Skurrile Charaktere, witzige Dialoge, Musik die einen mitreißt und eine gute Portion Gore darf natürlich nicht fehlen. So gut wie jedes Klischee aus dem Reich der Vampire wird hier bedient. Selbst Werwölfe und Zombies haben ihren Platz in dem Film. Und What We Do in the Shadows nimmt sich keine Sekunde lang ernst und das ist auch gut so. Handlung gibt es nicht wirklich. Allerdings kommt hier jede menge Situationskomik zum Tragen und bis auf einige Plotholes, denen aber keine große Aufmerksamkeit zuteil wird, eine runde, eine sehr runde Sache.
Wenn man glaubt, dass man schon alles über Vampire gesehen hat, der sollte dennoch unbedingt einen Blick auf diesen Film werfen. Das Rad wird nicht neu erfunden, aber wie es sich bewegt ist einzigartig. Lachmuskeltraining ist hier garantiert. (9/10)

Nach den vier Tagen Dauerberieselung noch ein kurzes Fazit. Die Location in Berlin ist sehr angenehm gewesen. Schön, dass die beiden Spielstätten so eng beisammen sind, das kenne ich von der Berlinale ganz anders. Die Säle waren zudem ausreichend groß, so dass man sich nicht um die guten Plätze streiten musste. Einzig die Logenplätze aus dem Savoy in Hamburg wünsche ich mir zurück. Die waren wirklich göttlich.
Ansonsten hat sich das Fantasy Filmfest nach gut 13 Jahren Pause bei mir wohl wieder einen festen Platz im Terminkalender gesichert. Schade im Nachhinein, dass ich es die letzten Jahre so sträflich hab links liegen lassen. Aber wenn es die Zeit erlaubt, werde ich nächstes Jahr irgendwo in Deutschland wieder vor Ort sein und mir eine gehörige Portion Fantasy abholen. Und weil es so schön war und das „Wheeeee“ ein kleiner Running Gag zu Beginn der Vorstellungen wurde zum Schluss hier nochmal der Trailer zum Fantasy Filmfest 2014:


Fantasy Filmfest 2014 – Get Shorty

Zu jedem guten Festival gehört auch eine Sektion mit Kurzfilmen. Diesmal gab es eine qualitativ gute Auswahl an Beiträgen, die insgesamt gefallen haben.

Een verre reis
R: Kurt Platvoet
Niederlande 2013

Sehr skurrile Bilder mit schönen Einstellungen. Völlig ohne Sprache kommt der Film aus und ist auch so sehr gut verständlich, was nicht zuletzt an den tollen Schauspielern liegt. Etwas verwirrt bin ich noch über den Ausgang der Geschichte. Aber der Weg bis dahin war nett anzuschauen. (6/10)

Flytopia
R: Karni Arieli, Saul Freed
Großbritannien 2012

Eine völlig neue Sicht auf die kleinen Insekten, die einem gern mal um den Kopf herumschwirren und ziemlich nervig sein können. Mit sehr schönen Animationen wird die aber gar nicht so schöne Geschichte erzählt. Und zumindest für eine Person hat das ganze keinen guten Ausgang. Nette kleine Geschichte mit einigem Witz aber wenig zum Nachdenken. (6/10)

Lothar
R: Luca Zuberbuehler
Schweiz 2013

Lothar hätte ein richtig guter Film werden können. Die Geschichte dahinter gefällt und auch die ganze Optik hat einen ganz eigenen Charme. Wäre da nicht Aaron Hitz als Lothar, dem ich die Rolle so gar nicht abgekauft habe. (5/10)

Orbit Ever After
R: Jamie Magnus Stone
Irland/Großbritannien 2013

Eine romantische Geschichte über zwei Verliebte Jugendliche und schier unüberwindbarer Grenzen. Sehr witziges und nachdenklich stimmender Kurzfilm mitten im Weltall. Sympathische Schauspieler und eine schöne Kulisse mit interessanten Ende. Habe ich gern gesehen. (7/10)

Roland
R: Trevor Cornish
Kanada 2013

Sehr bissige Komödie über Missverständnisse und deren Auswirkungen. Dan Beirne weiß gut in der Rolle des Roland zu überzeugen. Auch kleine Anspielungen auf das Horrorgenre werden nicht ausgelassen. Eine spaßige Unterhaltung für Zwischendurch. (7/10)

Sequence
R: Carles Torrens
USA 2013

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Mächtig böser Film, der nicht gleich erkennen lässt, worum es sich handelt. Gut gespielt hetzt Joe Hursley als Billy durch den Film mit einem überraschendem Ende. Etwas mehr kürze hätte Sequence allerdings gut getan. (6/10)

The Video Dating Tape of Desmondo Ray, Aged 33 and 3/4
R: Steve Baker
Australien 2013

Manchmal braucht es nicht viel Zeit um eine schöne Geschichte zu erzählen. Steve Baker macht das in unter vier Minuten und trifft zumindest bei mir damit komplett ins Schwarze. Dieser Animationsfilm ist herzergreifend und mit einer wundervollen Botschaft versehen. Einfach mal reinschauen. (8/10)


Fantasy Filmfest 2014 – Noch ohne Zombies und Vampire

Zunächst einmal ausgeschlafen und dabei das bisher Gesehene gedanklich verdaut. Nach einem sehr entspannten Vormittag und leider nicht mehr so gutem Wetter war es Zeit den nun ins rollen gebrachten Zug weiter am Laufen zu halten und den Abend mit zwei Filmen auszufüllen.

It Follows
R: David Robert Mitchell
USA 2014

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Inhaltlich liest sich It Follows zunächst wie ein Teenie-Schocker nach Schema F mit dem Hauch Coming-of-age story. Doch schon in den ersten Minuten fällt auf, dass hier stimmungsmäßig weitaus Größeres geboten wird. Dazu tragen mehrere Sachen bei. Zum einen der Synthie-Sound von Disasterpeace, der sich wie ein erdrückender Schleier über das Geschehen legt und das Grauen auch musikalisch fühlbar macht. Hinzu kommt die tolle Auswahl des Cast, der in seiner Qualität an Filme wie The Virgin Suicides und Scenes from the Suburbs erinnert. Auch dort spielen Teenager die Hauptrollen mit stark in den Hintergrund tretende Erwachsene. Umso mehr Zeit nimmt sich der Film für die Jugendlichen und schafft dadurch eine sehr enge Bindung zu den Figuren.
Einen angenehmen Trend schlägt It Follows zudem noch ein. Der Horror kommt hier ganz langsam, schlägt dann aber umso heftiger zu. Unterstützt wird dies dich durch langen Einstellungen und ruhigen Kamerafahrten, welche die Spannung bis ins Unerträgliche steigern. Gäbe es da nicht die zum Glück nur sehr wenigen kleinen Kopfschüttler beim Skript, so wäre dieser Film ein wirklich gelungenes Meisterwerk.
David Robert Mitchell schafft es mit seinem zweiten Kinolfilm auch nach dem Fall des Vorhangs im Kopf des Zuschauers präsent zu sein und das beängstigende Gefühl verfolgt zu werden mit raus auf die Straße zu tragen. Ganz klarer Sehtipp. (8/10)

Cold in July
R: Jim Mickle
USA/Frankreich 2014

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Vordergründig ging es mir bei dem Besuch von Cold in July darum, dass ich Michael C. Hall mal in einer anderen Rolle als den Serienkiller Dexter Morgan aus der TV Serie sehen wollte. Leider wurde ich, was das betrifft, enttäuscht. Vielleicht ist mir die Rolle von Dexter noch zu sehr im Gedächtnis, aber an allen Ecken und Enden habe ich Michael C. Hall, trotz der 80iger Jahre Frisur und dem texanischen Slang, immer wieder in seine alte Rolle schlüpfen sehen.
Allerdings war dies weniger ein Problem in dem Film, da auch hier sein Charakter ähnliche Züge an den tage legte, wie schon Dexter Morgan. Vielmehr störte mich die krasse Zweiteilung des Films. Jeder Teil für sich genommen, hat die Handlung ein stimmiges Bild ergeben, mit allen nötigen Zutaten für einen guten Rachethriller. Doch die 180° Wende von Richard und Russel, nach gut der Hälfte des Films, sind mir wirklich übel aufgestoßen. Es wäre schön gewesen, hätte sich Jim Mickle für das eine oder andere entschieden.
Ansonsten war der Rest soweit in Ordnung und die Figuren, jeder für sich, sehr treffend besetzt. Schön auch mal wieder Don Johnson auf der großen Leinwand zu sehen. (6/10)


Fantasy Filmfest 2014 – Angekommen

Nach einem eher durchwachsenen ersten Tag auf dem Fantasy Filmfest fühle ich mich aber wieder angekommen. Es macht Laune die Filme zu schauen und wettertechnisch ist es auch um Längen besser im August draußen die wärmenden Sonnenstrahlen zu genießen, als im Februar auf der Berlinale zu versuchen nicht zu erfrieren oder auf den langen Wegen zwischen den Kinos nicht doch noch auf den letzten Metern genüsslich auf dem eisglatten Boden horizontal vor die Eingangstür zu rutschen. Dies Alles kann einem zumindest hier in nicht passieren.

iNumber Number
R: Donovan Marsh
Südafrika 2013

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Es geht in eine Gegend, in der diese Art von Film wohl eher weniger erwartet wird. iNumber Number, ein klassischer Gangsterfilm wie aus einem Tarantinotraum, verlegt ins südafrikanische Soweto. Ein durchaus hollywoodreifer Einstieg in den Film lässt kaum Zeit zum Durchatmen, so schnell ist das Tempo, welches durch rasante und teilweise abgefahrene Wackelkameraeinstellungen unterstützt wird. Der Look und der Score gefallen sehr und die Figuren bieten ein breites Spektrum an unterschiedlichen Charakteren. Hier ist allerdings auch der einzige Makel an iNumber Number zu finden. Viele Figuren bleiben bis zum Ende zu blass und bis auf die beiden Hauptdarsteller, die ihre Sache exzellent machen, ist der Rest leider nur Beiwerk für die Handlung. So wirkt die Szene einer Konfrontation aller Gangster auch eher wie ein Kindergarten und nicht wie ein knallharter Kampf bissiger Bulldoggen.
Dennoch weiß iNumber Number zu gefallen und es ist eine angenehm Abwechslung solche Handlung in eine andere Szenerie zu packen. Ich für meine Teil hatte 96 Minuten lang Spaß und wurde Bestens unterhalten. (7/10)

Coherence
R: James Ward Byrkit
USA 2013

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So, gestärkt mit ein wenig Essen und genügend Zeit, um sich das gerade Gesehene nochmal durch den Kopf gehen zu lassen, hier nun ein paar Worte zum zweiten Beitrag des heutigen Tages. Alles beginnt wie ein ganz normaler Abend, Freunde treffen sich, tauschen Neuigkeiten aus, haben Spaß. Getrübt wird das Zusammentreffen durch einen vorbeifliegenden Kometen. Es passieren merkwürdige Dinge und das Unheil nimmt seinen Lauf.
Das Zusammenspiel der einzelnen Darsteller wirkt sehr natürlich und zu großen Teilen auch authentisch. Nicht ganz warm werden kann ich mit der Darstellung der Laurie, deren Schauspiel teils zu gekünstelt wirkt. Mit den anderen Figuren komme ich gut klar und diese bestärken die Glaubwürdigkeit der Szenerie. Denn was in den kommenden 1 ½ Stunden passiert, ist schon ziemlich abgefahrener Scheiß. Das Hirn wird mit einer wilden Konstruktion aus Parallelwelten ala Schrödingers Katze auf Trab gehalten, die sich aber nur häppchenweise manifestieren. Unterstrichen wird die Stimmung durch sehr dezenten Einsatz von Musik und einem Kamerabild, welches ständig ins Unscharfe abgleitet und so die Situation nie wirklich scharf erfassen lässt.
Von Minute zu Minute fügt sich das Puzzle zu einem Ganzen zusammen und am Ende ist nicht nur der Zuschauer, sondern auch einer der Protagonisten von der Wahrheit erschlagen. Und es stellt sich zum Grand Finale die eine Frage: Was würdest du für eine perfekte Welt tun? (8/10)

Patema Inverted/Sakasama no Patema
R: Yasuhiro Yoshiura
Japan 2013

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Der erste und leider auch einzige Anime bei diesem Festival. Allerdings wurde mit Patema Inverted eine gute Wahl getroffen. Technisch sehr schön umgesetzt, geht es in eine umgekehrte Welt, in der die Dinge auf dem Kopf zu stehen scheinen. Aber der Eindruck trügt nicht und Yasuhiro Yoshiura schafft es mit der Darstellung seines futuristischen Szenarios überzeugend zu sein.
Etwas schwierig hingegen ist der stellenweise aufblitzende Kitsch und die teils doch arg präsente Schwarz-Weiß-Darstellung einiger Charaktere. Dies ist wohl dem Umstand geschuldet, dass ein möglichst breites Publikum erreicht werden soll. Sieht man darüber hinweg, gibt es eine aufregende Geschichte um zwei Jugendliche, die trotz widrigster Umstände versuchen einander zu finden. So gibt es nicht nur was für das Herz sonder auch was fürs Hirn. Mit einer philosophischen Aussage fallen am Ende buchstäblich die Welten wie Kartenhäuser in sich zusammen und eröffnen den Protagonisten völlig neue Blickwinkel auf ihr eigenes sein und ihren Platz in der Welt.
Zeichnerisch ist Patema Inverted hervorragend umgesetzt. Eine gesunde Mischung aus Handzeichnung und CGI erwecken die Figuren und die Landschaft zum Leben. Besonders reizvoll ist das Spiel mit der entgegengesetzten Gravität. Kaum fühlt man sich mit beiden Füßen sicher auf dem Boden, da stellt sich kurzerhand alles auf den Kopf, um sich wenig später wieder umzukehren.
Dennoch schwächelt der Film insgesamt auf der emotionalen Ebene. Trotz der deutlichen Präsenz der beiden Hauptcharaktere, fehlt ihnen letztlich das gewisse Etwas, um ihnen merklich näher zu kommen. Auf alle Fälle sollte man sich den Film anschauen, schon allein der verrückten Gravitationsspielerei wegen. (6/10)


Fantasy Filmfest 2014 – Back to Fantasy

Nach dem doch recht gutem Vorspiel im Frühjahr bei den Fantasy Filmfest Nights in Hamburg habe ich mich recht leicht dazu durchgerungen, einige Tage in Berlin zu verweilen, um einen etwas umfangreicheren Einblick zu erhaschen. Leider ist für mich nicht mehr Zeit verfügbar, aber sollte sich der Trend aus dem Frühjahr fortsetzen, so steht einem kommenden Besuch in den nächsten Jahren sicherlich nichts im Wege. Jedenfalls startet der erste Tag bereits mit einer Auswahl von drei Filmen, die querbeet durch die Genres reichen.

Blue Ruin
R: Jeremy Saulnier
USA 2013

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Rachefilme haben in den letzten Jahren Hochkonjunktur an den Kinokassen und so reiht sich auch Blue Ruin in diesen Reigen ein. Das Setting in einer typischen Kleinstadtidylle auf dem Lande mit allem was es für einen Rachefilm braucht. Dwight, ein zerbrochener Charakter der nach einem tragischen Doppelmord nach Rache dürstet. Erst mit der Zeit wird klar worum es überhaupt geht, was genau die Motive von Dwight sind. Und als es einem dämmert, ist man auch schon mittendrin im Blutrausch.
Recht brutal geht der Film von Anfang an zu Werke und lässt auch bis zum Ende in Sachen bildhafter Gewalt nicht nach. Auf der Strecke bleibt ein wenig das Lüften von Dwights Gefühlswelt, die ihn letztlich zu den Taten drängt. Immer mal wieder gibt es kurze Momente, die einem teilhaben lassen an Dwights Verzweiflung und Schmerz, aber so richtig mag sich das einem nicht erschließen. Das Handeln Dwights ist durchaus nachvollziehbar, insofern es einem gelingt, die ganzen Hintergründe emphatisch anzunehmen und zu akzeptieren. Dies viel mir persönlich etwas schwer und so wirkt das Ende dann auch etwas blass und gleichgültig, obwohl die Story weitaus mehr hergegeben hätte. Der Rest ist ansonsten sehr stimmig. Die Figuren sind glaubhaft, die Musik entsprechend des Themas angepasst. Obwohl mit „No Regrets“ etwas zu sehr dick aufträgt. Dafür wirkte das Gesamtkonzept von Blue Ruin doch zu ernst, als das man es als unterhaltsamen Rachefilm verkaufen könnte.
Besonders hervor zu heben ist die darstellerische Leistung von Macon Blair als Dwight. Dieser trägt den Film von der ersten bis zur letzten Minute und lässt sich auch von den anderen Figuren nicht die Butter vom Brot nehmen. Alles in allem eine runde Sache, die aber auf der Handlungsebene mehr Detailarbeit hätte vertragen können. (6/10)

Honeymoon
R: Leigh Janiak
USA 2014

honeymoon

Weiter geht es mit einem schwer zu beschreibenden Film. Am ehesten lässt sich Honeymoon wohl in die Ecke der Besessenheitsfilme stecken, obwohl es während des Verlaufes nicht klar wird, von was die Personen dort überhaupt besessen sind. Und das ist auch gut so. Immerhin braucht es nicht für Alles eine Erklärung und die ist gerade bei diesem fantastischen Kammerspiel auch gar nicht von Nöten.
Die beiden Hauptprotagonisten spielen ihre Rollen äußerst überzeugend und eindrucksvoll. Rose Leslie, die eher aus der TV Serie Game of Thrones bekannt ist, passt wunderbar ins Kinoformat und darf dort gern auch in Zukunft zu finden sein. Mit den gebotenen Mitteln eines sehr beschränkten Raumes, zweier Haupt- und Nebencharaktere und einem minimalistischen aber sehr effektiven Score ist die Spannung teils zum Zerreißen gespannt und erlebt bis zum Ende des Films einen kontinuierlichen Anstieg, der in einem vielleicht nicht ganz so geglückten, aber dennoch akzeptablen Schluss ihren Höhepunkt findet.
Filmisch gekonnt umgesetzt ist man ständig ganz nah dran an den Figuren und erlebt die Beziehung zwischen Bea und Paul sehr intensiv und auch deren Auseinanderbrechen. Stück für Stück wird aus dem harmonischen Zusammensein ein beängstigendes Beisammensein, welches Umbehagen und größte Unruhe hervorruft. So fühlt sich Honeymoon auch keineswegs angenehm an und hat einen bleiben Eindruck hinterlassen. (8/10)

Redirected/Uz Lietuva!
R:Emilis Velyvis
Großbritannien/Litauen 2014

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Erst Britannien und wenig später Litauen. Was man schon von Guy Ritchie Filme ala Snatch oder Bube, Dame, König, grAS kennt, setzt Emilis Velyvis in seinem Redirected fort. Schade dabei ist die Tatsache, dass Velyvis eher schlecht kopiert und weniger versucht hat das Gegebene weiter zu entwickeln. So geht dem Film nach einem temporeichen und durchaus sehr unterhaltsamen Start auch recht schnell die Luft aus. Zwischenzeitlich wünscht man sich, trotz der teils grandiosen und grotesken Einfälle Velyvis‘, die Handlung etwas zügiger vorantreiben zu wollen. Gegen Ende nimmt der Film zwar wieder etwas an Fahrt auf, schafft es aber nicht den Kreis zu schließen und an die Qualitäten der Filme aus Britannien anzuknüpfen. Zudem ist der Schluss etwas merkwürdig und deutet auf einen mäßigen Cliffhanger für eine Fortsetzung hin. Kann man machen, muss man aber nicht.
Vieles aus Redirected gab es früher schonmal zu sehen. Figuren, Musik und Look erinnern, wie schon gesagt, an die Guy Ritchie Filme und so bleibt nur dem Regisseur ein Lob dafür auszusprechen, dass er den britischen Gangsterfilm noch Litauen gebracht hat. Und das auch recht solide und schaubar. (6/10)


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