Berlinale 2013: Regime, Drogen, Liebe

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Heute musste ich mich schon fast quälen um aufzustehen. War die Nacht doch viel zu kurz um ausgeruht den Tag zu starten. Aber was soll’s, immerhin erwartete mich der Wettbewerbsbeitrag von Jafar Panahi und Kamoziya Partovi. Pardé – Closed Curtain ist eine sehr bewegende Studio über die Zustände im Iran, die Panahis Arbeit und damit auch sein Leben im Iran beeinträchtigen. Im Zwiegespräch mit sich selbst sieht man einen sehr persönlichen Film von einem Mann der gebrochen scheint aber immer wieder einen Ausweg findet. Mit den beschränkten Mitteln, die Panahi zur Verfügung stehen, schafft er es der Welt einen sehr emotionalen Film zu zeigen, Chapeau.

Die erste Dokumentation dieser Berlinale für mich und mit Narco Cultura geht es auch gleich richtig zur Sache. Seit Jahren tobt in Mexiko ein Drogenkrieg dessen Exzesse besonders stark in der Grenzstadt Juaréz zu spüren sind. Mit ziemlich schonungslosen Bildern zeigt Regisseur Shaul Schwarz die Arbeit der Kriminologen, die in ständiger Angst vor Racheakten der Drogenkartelle leben. Besonders pervers wird der Konflikt, wenn Bilder von in Amerika lebenden Musikern gezeigt werden, die in sogenannten Corridos die Ereignisse des Drogenkrieges schildern und gleichzeitig noch glorifizieren. Damit entsteht bei den jungen Menschen in den USA aber auch in Mexiko ein recht zweifelhaftes Bild von Idolen und Heldentum. Seine Schwächen hat Narco Cultura aber ganz klar bei der Verwendung der Bilder, die zu gewaltverherrlichend wirken. Zudem ist die Darstellung des Drogenkrieges etwas zu einseitig. Bis auf wenige Momente wird einzig die Sichtweise der Kriminologen und der Musiker gezeigt. Opfer, Täter und Behörden kommen viel zu wenig zu Wort. Damit verspielt Narco Cultura eine sehr gute Dokumentation zu werden ist aber gerade wegen des brisanten Themas dennoch sehenswert.

Nachdem ich auch nach einer guten Stunde Warten an der Abendkasse keine Karte mehr für Steven Soderberghs Side Effects ergattern konnte, muss der Film wohl auf seine Videoauswertung warten. Im Anschluss folgte dann der für heute letzte Film für mich, The Best Offer von Giuseppe Tornatore. Große Namen finden sich in den Credits. Neben Hauptdarsteller Geoffrey Rush ist Donald Sutherland zu sehen und den Score hat Altmeister Ennio Morricone beigesteuert. Damit konnte ansich nicht viel schief gehen. Und so ist The Best Offer ein sehr fein ausgearbeitetes Drama, das mit Witz und Charme zu unterhalten weiß. In schönen Bildern und mit exzellenter Musik nimmt der Film bis zum großen Finale stetig an Fahrt auf. Leider ist die Überraschung am Ende keine wirkliche, zu absehbar ist das Ganze. Zudem verliert The Best Offer zum Ende hin an Fluss, der den Film vorher sehr gut getragen hatte. Es bleibt ein sehenswerter Film mit einer schrägen Liebesgeschichte, der nicht zuletzt von der tollen Darstellung Geoffrey Rushs lebt.
Ein guter Berlinale Tag geht zuende. Anstrengend aber sehr abwechslungsreich. Jetzt bin ich mittendrin in der Berlinale und freue mich auf den morgigen Tag.


Berlinale 2013: Hitchcock meets 3D

"Dial M for Murder"

Ausschlafen kam leider erstmal nicht in Frage, da ich für den letzten Berlinale Tag noch einige Karten brauchte. Danach ging es aber so langsam los. Der erste Programmpunkt war im Delphi Filmpalast. Nach einer unerträglichen halben Stunde Wartezeit vor dem Kino ging es wenige Minuten vor Filmbeginn endlich rein. Keine Ahnung woran das lag, aber besonders glücklich ist dies nicht gelaufen. Aber nun zum eigentlichen, A Single Shot von David M. Rosenthal. Große Namen wie Sam Rockwell, William H. Macy und Jeffrey Wright haben mir schon beim Querlesen der Inhaltsangabe Lust gemacht. Und stark hat der Film auch begonnen. Ein spannender Thriller im Film Noir Stil. Rockwell fand ich ein seiner einsamen Darstellung in Moon schon grandios und auch hier konnte er mehr als überzeugen. Unterstrichen wurde das Ganze durch den restlichen Cast, die eindringlichen Naturbilder und den teilweise zwar etwas aufdringlichen aber dennoch überzeugenden Score. Geschwächelt hat A Single Shot etwas bei der Story. Die Romanvorlage kenne ich nicht und kann also auch nicht nachvollziehen, wie detailgetreu hier das Drehbuch umgesetzt wurde. Inhaltlich war aber der Showdown extrem spannend und mitreißend. Beim Ende hingegen fand ich die Figur von Sam Rockwell nicht überzeugend. So bekam das Bild eines bis dahin sehr soliden Thrillers einige kleine Risse. Schade, sind die restlichen 95% des Films wirklich empfehlens- und sehenswert.

Hatte ich gestern bereits mit Some Like It Hot einen ersten Klassiker gesehen, ging es heute mit Alfred Hitchcocks Dial M for Murder weiter. Dieser wurde das erste Mal in Europa in der restaurierten 3D-Fassung gezeigt. Und was soll ich sagen, für das Alter Respekt an die Restauratoren, die hier ganze Arbeit geleistet haben. Zwar gab es an einigen Stellen störende Bildfehler, aber im Großen und Ganzen sah das alles sehr gut aus. Technisch gab es also nicht auszusetzen. Inhaltlich war der Film ein positive Überraschung. Der Name Hitchcock spricht ja für sich, aber Dial M for Murder, den ich zuvor noch nicht gesehen hatte, war ein Krimi erster Güte. Spannend, witzig und voller interessanter Wendungen. Einzig das Ende kam mir etwas gestreckt vor, aber ansonsten wurde ich bestens unterhalten. Was ich dem Film noch zu Gute halten möchte ist sein sehr schöner und intelligenter Einsatz der 3D-Technik. Mal davon abgesehen, dass der Film aus dem Jahre 1954 stammt und somit schon weit vor Avatar zeigte was mit 3D machbar ist, hat Hitchcock hier auf albernd übertriebenes 3D verzichtet und es bei der reinen Abbildung der örtlichen Szenen belassen. So wirkt die 3D-Dastellung sehr natürlich und nicht aufdringlich und unterstützt das bereit hervorragende Szenenbild dezent aber durchaus effektiv.

Weiter ging es mit der Retrospektive des Japaners Keisuke Kinoshita. Retrospektiven empfinde ich immer als eine sehr schöne Gelegenheit Filme kennenzulernen, die einem sonst wahrscheinlich verborgen geblieben wären. So erging es mir dann auch mit Shito no densetsu – A Legend or Was It? Am Ende des zweiten Weltkriegs im ländlichen Japan spitzt sich eine Konflikt zwischen Dorfbewohnern und Bauern bis zur Eskalation immer weiter zu. Diese wird in äußerst eindringlichen Bildern geschildert und macht den Film zu einem sehr intensiven Erlebnis. Die Musik mit ihrem nervenzerreißenden Klang tut ihr Übriges. Womit ich aber überhaupt nicht klar kam, war die Art des Schauspiels. Diese ist mir mit ihrer sehr übertriebenen Mimik und Gestik zu fremd und baut eher eine Trennung als eine Verbindung zu den Figuren auf. Dennoch bleibt ein emotionales Stück japanischen Films mit Bildern und Tönen die sicher noch eine Zeit lang im Gedächtnis bleiben.
Damit fand der heutige Tag auch seinen Abschluss und mit gemischten Gefühlen habe ich mich ins Bett verabschiedet. Morgen folgt ein weiterer langer Kinotag und ich werde noch versuchen Karten für Soderberghs Side Effects zu ergattern.


Berlinale 2013: Scorsese, Delpy, Monroe, was für ein Auftakt

Berlinale_2013

Presentation of European Shooting Stars 2013

Nach einem Jahr Pause bin ich nun wieder zurück in Berlin, genauer gesagt zur Berlinale. Bis auf einen Film konnte ich mein Wunschprogramm im Internet vorbestellen und bin erneut gespannt auf das was da kommen möge.
Den Auftakt machte eine Veranstaltung zur Retrospektive von Martin Scorsese in der Deutschen Kinemathek. Dort fanden sich Christian Petzold und Stefan Will zu einer munteren Diskussion über Musik im Film und dessen Verwendung und Bedeutung ein. Bezug wurde dabei nicht nur auf Scorseses sondern auch auf Petzolds Filme genommen. Sehr interessant und ein schöner Einstieg für mich in die diesjährige Berlinale.

Weiter ging es dann im Berlinale Palast mit einem kleinen aber feinen Highlight. Die letzten Tage habe ich mir die beiden ersten Teile von Richard Linklater, der mittlerweile zur Trilogie herangewachsenen Reihe mit Julie Delpy und Ethan Hawke, angesehen. Und so war ich entsprechend freudig gespannt, was mich nun zur Premiere im dritten Teil erwarten würde. Nachdem ich über den kleinen roten Teppich ins Kino gelangt bin und die beiden Hauptakteure samt Regisseur währenddessen unter Blitzlichtgewitter über den großen Roten Teppich schritten, gab es zunächst die Verleihung der European Shooting Stars 2013. Ich muss gestehen, dass ich von den Jungdarstellern keinen kannte, aber es sah alles sehr vielversprechend aus, was ich da in den kleinen Filmausschnitten gesehen habe. Nach der Verleihungszeremonie ging es dann auch endlich mit dem neuen Film von Linklater los, Before Midnight. Der Beginn war grandios, doch schnell merkte man, dass es in den beiden Hauptcharakteren brodelte. Und im letzten Drittel kam es dann auch zum großen Knall. Und obwohl dies alles wieder einmal sehr gekonnt von Delpy und Hawke in Szene gesetzt wurde, wirkte es diesmal alles etwas zu aufgesetzt. War die Spontanität der ersten beiden Filme noch äußerst interessant und kennzeichnete diese auch, so habe ich genau diese in Before Midnight leider vermisst. Zu konstruiert wirkte die Story und Charaktere. Dennoch blieb am Ende etwas Versöhnliches und ich würde mir zu gerne wünschen, dass in neun Jahren Teil Nummer vier das Licht der Welt erblickt und so diese tolle Reihe fortgesetzt wird.

Den Abschluss des ersten Abends machte ein wahrer Klassiker, Billy Wilders Some Like It Hot. Und hot war auch mein Start in den Film. Da sich das ganze Prozedere mit der Vorführung von Before Midnight ewig hingezogen hatte, musste ich schon meine Beine in die Hand nehmen, um noch den Kinosaal ein paar Straßen weiter in letzter Minute zu erreichen. Aber es hatte noch geklappt und kaum hatte ich wieder Luft ging es auch schon mit dieser wunderbaren Komödie mit Tony Curtis, Jack Lemmon und Marilyn Monroe los. Komischerweise habe ich bisher unbewusst die Filme von Billy Wilder gemieden. Warum weiß ich auch nicht, aber ich werde nach diesem Film wohl mit Nachdruck das filmische Schaffen von Billy Wilder nachholen. Aber zurück zu dieser Komödie. Da gab es nichts auszusetzen. Viele Lacher, ungewöhnlich freizügiges Kino aus einer weniger freizügigen Zeit und drei wunderbare Hauptdarsteller. Einzig die schlechte Bildqualität vermieste etwas den Genuss. Aber wahrscheinlich ist man nach den ganzen hervorragenden Restaurationen wie den Fritz Lang Klassikern etc. einfach zu verwöhnt.
Insgesamt ein guter Start in die Berlinale, wenn auch die große Überraschung erstmal ausblieb. Aber es folgen ja noch ein paar Tage im kalten aber diesmal zum Glück nicht spiegelglatten Berlin.


Zurück in die neue Welt

Schon eine ganze Weile bin ich nun wieder auf dem Schiff unterwegs. Diesmal mit AIDAluna und zumindest die Richtung ist erneut die gleiche, wie in meinem letzten Vertrag. Nur ging schon im September in die neue Welt, um genauer zu sein, Nordamerika.
Wir wurden mit einer wunderschönen Fahrt vorbei an Grönland belohnt. Zuerst ging es durch den Prins Christian Sund mit Stopp in Aappilattoq und dann weiter bis nach Qaqortoq. Unterwegs gab es auch immer wieder Wale zu sehen und Eisberge, ganz viele Eisberge. Wenige Tage später erreichten wir in Halifax kanadischen Boden.

Das Ende der Überfahrt bildete New York, was ich zum letzten Mal vor 13 Jahren besucht hatte und ich freute mich schon auf ein Wiedersehen. Zwar konnte ich diesmal immer noch nicht alle Sachen anschauen, dafür ist die Stadt einfach zu groß und vielfältig, aber einiges konnte ich auf meiner Liste abhaken. Ein Highlight war dann auch der Besuch bei Fuerza Bruta, die zu der Zeit gerade ihre Abschlussvorstellungen spielten. Daneben gab es aber bei der Nordamerika Route noch jede Menge andere Dinge. Zum einen Port Canaveral mit dem Kennedy Space Center, das ich damals wegen eine Hurrikans nicht besichtigen konnte. Jetzt war ich dann gleich zweimal da. Leider nie zu einem Raketenstart, dies muss ich dann nochmal nachholen. In Baltimore habe ich einen Abstecher zum Grab von Edgar Allan Poe gemacht und in Charleston die Boone Hall Plantage, mit dem Haus aus Fackeln im Sturm, einen Besuch abgestattet.

In Miami hatte ich nochmal ein recht abwechslungsreiches Programm. Gestartet mit einem Fotostopp am Atlantis in Brickell, dem Haus mit dem Loch und der Palme aus dem Vorspann von Miami Vice. Mit einem Speedboat vorbei an den Villen der Berühmtheiten auf Star Island und weiter vor die Küste von South Beach. Einen Tag hatte ich mir noch ein Fahrrad ausgeliehen und habe mir einen langjährigen Wunsch erfüllt, mal ganz gemütlich den Ocean Drive hoch und runter zu cruisen. Dabei habe ich auch noch an einem Drehort aus der Serie Dexter Halt gemacht. Den Abschluss machte eine Fahrt im Propellerboot in den Everglades. Fahhrad bin ich dann später nochmal auf Bermuda gefahren. Eine absolute Empfehlung übrigens, die Tour entlang einer alten Zugstrecke. Und auch ein Abstecher zum Strand auf den Bahamas durfte nicht fehlen, um die Tour ordentlich abzuschließen.

Seit ein paar Tagen fahren wir nun in der Karibik von Insel zu Insel und es wird wieder viel zu berichten geben. Doch dazu beim nächsten Mal mehr. Eine kleine Ankündigung für alle Geoacher habe ich auch noch. Die kommenden Tage werde ich einige Empfehlungen für Caches geben, die sich wirklich lohnen und eine Kreuzfahrt erst so richtig versüßen. Zu guter Letzt noch einen zwar etwas älteren aber dennoch tollen Traummoment aus Südamerika.


ITFS 2012 – Young Animation 4

Zum Abschluss des diesjährigen Trickfilmfestivals in Stuttgart ging es nochmals in die Young Animation Abteilung. Und der vierte Teil der Reihe versprach ganz stark zu werden.

Kuhina / Swarming
R: Joni Männistö
Finnland 2011

Obwohl es am Anfang noch ganz unscheinbar wirkt, entsteht aus einem kleinen toten Vogel plötzlich eine schier unerschöpfliche Vielzahl von Tieren, die nicht nur den toten Vogel bevölkern, sondern auch alsbald den Beobachter als neuen Lebensraum für sich entdecken. Was im kleinen beginnt, endet am Ende in unglaublich komplexen Bildern, denen man faszinierend bei ihrer Wandlungsfähigkeit zuschaut. (6/10)

Olgastrasse 18 / Olgastreet 18
R: Liv Scharbatke, Jörg Rambaum
Deutschland 2011

Mit dem völligen Verzicht auf menschliche Darsteller, wird auf ungewöhnliche Art die Wandlung einer Wohnung dargestellt. Und obwohl nur die sich ändernden Gegenstände in den Räumen und die Stimmen aus dem Off zu hören sind, entsteht ein erstaunlich klares Bild im Kopf des Zuschauers. Allein die Fantasie erfüllt die Räume mit Leben und dies finde ich bei dieser Erzählweise äußerst spannend. (6/10)

Galim susitikti, galim nesusitkti / We may meet, we may not
R: Skirma Jakaite
Litauen 2011

Ein etwas bizarrer Trip, von dessen Bilderwelt nicht mehr all zuviel bei mir im Gedächtnis hängen geblieben ist. Durchaus markante Bleistiftzeichnungen prägen diesen Film, schaffen aber nicht genug Klarheit in der erzählten Geschichte. (5/10)

Damned
R: Richard Phelan
Großbritannien 2011

Schon die Screenshots machten viel Lust auf dieses Stückchen Animation. Und bereits nach den ersten paar Sekunden hatte ich den kleine Biber in mein Herz geschlossen. Trotz der unzähligen Fettnäpfchen, in die der putzige Zeitgenosse eifrig stolpert, kann man einfach nicht böse auf ihn sein. Die Kulleraugen sagen oft mehr als tausend Worte und darauf versteht sich Damned ganz besonders gut. Mit minimalen Aufwand an Mimik und Gestik entschlüpft nicht nur ein Lacher meinem Mund. (7/10)

One Minute Puberty
R: Alexander Gellner
Deutschland 2011

Mit einem strammen Beat geht es auf eine einminütige Reise durch die Pubertät. Ganz besonders gut sind die Übergänge zwischen den einzelnen Bildern gelungen, die nahtlos von einer Szene zur nächsten Wechseln. Kurzweilige Unterhaltung mit wenigen Mitteln. (6/10)

The Backwater Gospel
R: Bo Mathorne
Dänemark 2011

The Backwater Gospel lebt ganz ungemein von seinem Stil und Atmosphäre. Die Charaktere fügen sich nahtlos in ihre Umgebeung ein. Sowohl optisch als auch akustisch trifft der Film genau meinen Nerv. Die Handlung bietet genug Abwechslung, wenn auch zum Ende hin mehr auf Action als auf Dialog gesetzt wird. Dennoch versprüht The Backwater Gospel seinen ganz eigenen Charme und ist einer der Highlights in diesem Jahr. (8/10)

Zhong Kui Took His Younger Sister in Marriage
R: Yue Lu
China 2010

Leider hatte dieser Film mit einem technischen Problem zu kämpfen und zwar wurden die Untertitel auf der Leinwand abgekascht. So hat sich mir zumindest der Inhalt nicht erschlossen, da ich dem Chinesisch nicht mächtig bin. Optisch wusste der Film aber zu überzeugen. Im Stile der klassischen Scherenschnitte baute sich eine bunte Bilderwelt auf der Leinwand auf. Akustisch gab es traditionelle chinesische Musik zu hören, die allerdings zu großen Teilen nicht meinem Geschmack entsprach und nach fünf Minuten mein Hörzentrum stark überreizte. So war die Rezeption insgesamt etwas schwierig und durch den kompletten Verlust an Verständnis für die Handlung, ist es schwer, eine umfassende Bewertung abzugeben. (6/10)

The Saga of Biôrn
R: Benjamin Kousholt
Dänemark 2011

Eine sehr unterhaltsame Lehrstunde – hier aber nur 7 Minuten – in Sachen Wikinger Mythologie. Die Bilder unterstreichen die eher kalte Stimmung des Wikingers. Umso trauriger ist es mit anzusehen, wie sich Biôrn mit allen Mitteln bemüht, Erfüllung im Jenseits zu Finden und es am Ende doch nicht schafft. (7/10)

Slow Derek
R: Daniel Ojari
Großbritannien 2011

In den ersten Momenten erinnerte mich Slow Derek an den 2009er Wettbewerbsbeitrag Skhizein. Allerdings schafft Slow Derek nur den Anschluss in Sachen visueller Qualitäten. Zwar bildet die Story eine gute Grundlage aber der Erzählfluss wirkt mir zu wirr und unkonkret. Eventuell muss hier auch einfach nochmal eine Zweitsichtung her. (6/10)

De Pottenkijkers / The Snoopers
R: Jolien Haesen
Belgien 2011

Hui, schon der zweite Film, der sich mit Fäkalien beschäftigt. Ist dies etwa ein neuer Trend? Ich hoffe nicht. Jedenfalls ist die Geschichte rund um De Pottenkijkers ziemlich abgedreht aber nicht so weltfremd, dass man sie sich gar nicht vorstellen könnte. Die Verwendung von realen Fotokopien schafft die nötige Verbindung zur Wirklichkeit und die sehr detaillierten technischen Darstellungen geben dem Ganzen noch eine wissenschaftliche Grundlage mit. Die knapp fünf Minuten wurde ich zumindest ganz gut unterhalten, obwohl mir ja schon allein der Gedanke daran, dass einem die Exkremente so genau untersucht werden Unbehagen aufkommen lässt. (6/10)

In Poster
R: Yuan Zhichao
China 2011

Dieser Kurzfilm aus China bedient sich unverhohlen an allerlei bekannten Kinoplakaten von aktuellen Filmen und Klassikern, um so seine eigenen Charaktere in diese Welt einzupflanzen. Ästhetisch gelingt dies an einigen Stellen nicht ganz und auch wirken die Szenenwechsel häufig sehr holprig. Dennoch ist es eine nette Idee, mehr aber leider auch nicht. (5/10)

Graffitiger
R: Libor Pixa
Tschechien 2011

Irgendwie bin ich hier bei der Bewertung unschlüssig. Graffitiger wirkt eher wie ein Papiertiger, wenn man schonmal Blus Muto gesehen hat. Aber so ganz möchte ich dem Graffitiger nicht absprechen. Immerhin gibt es hier sowas wie eine Handlung und auch die Locations sind sehr zahlreich, in denen sich der Tiger, handwerklich durchaus gut gemacht, bewegt. Künstlerisch bietet Graffitiger aber wenig. So bin ich schnell gelangweilt und nur das hollywoodreife Ende lässt meine Bewertung wieder etwas nach oben rutschen. (6/10)


ITFS 2012 – Internationaler Wettbewerb 4

Der letzte Block, zumindest für mich, im Internationalen Wettbewerb. Nachdem schon der dritte Programmteil sehr stark war, freute ich mich bereits auf die kommenden Kurzfilme.

Grain Coupon
R: Xi Chen, Xu An
China 2011

Der Zeichenstil kam mir irgendwie bekannt vor und nach kleiner Recherche wusste ich auch, woher ich ihn kannte. Vor drei Jahren waren Xi Chen und Xu An schonmal in Stuttgart mit einem Film vertreten, dort war es The Winter Solstice. Auch mit dem aktuellen Film erging es mir ähnlich. Ohne Frage ist Grain Coupon sehr schön animiert. Das Thema beschreibt ungewöhnlich offen eine Periode aus der chinesischen Geschichte der 1970er. Dennoch schleppt sich der Film etwas von Minute zu Minute. Obwohl viele temporeiche Stellen den Film prägen, stellt sich irgendwie kein richtiger Erzählfluss ein. (6/10)

Flamingo Pride
R: Tomer Eshed
Deutschland 2011

Richtig lustige Beiträge habe ich auf dem diesjährigen Festival vermisst. Mit Flamingo Pride sollte sich zumindest dies ändern. Herrlich schräg animierte Figuren in einer vielleicht nicht ganz ungewöhnlichen Geschichte gesteckt. Flamingo Pride lebt ganz eindeutig von der Mimik und Gestik der Figuren. Hier wurde wahrscheinlich besonders viel Wert auf Details gelegt. Ansonsten ist die Handung eher mittelmäßig nicht besonders überraschend aber dennoch unterhaltsam. (6/10)

Metachaos
R: Alessandro Bavari
Italien 2011

Wenn sich mir die Nackenhaare aufstellen, dann ist das schon was Besonderes. Und dies ist Metachaos in jedem Fall. Harte elektronische Musik vermischt sich mit einer irren CGI-Welt. Teilweise wirken die Bilder sehr verstörend, rau, brutal und die Bewegungen sind, wie es der Titel schon sagt, chaotisch. Als Grundlage diente wohl die Mutation und Mitose von Amöben, die, so finde ich, sehr treffend in Metachaos widergespiegelt wird. (9/10)

La Détente
R: Pierre Ducos, Betrand Bey
Frankreich 2011

Schön animiert mit ernstem Hintergrund. Die Bewegungen wirken leider etwas träge, so wie man es eigentlich schon aus den Anfangszeiten der Computeranimation kennt. Die Texturen haben mir aber sehr gut gefallen. Auch die Idee, die Figuren, Gegenstände und Landschaft aus Stoff darzustellen war toll. Ganz mitreißen konnte mich La Détente dennoch nicht. (6/10)

Belly
R: Julia Pott
Großbritannien 2011

Puh, typisches Autorenkino würde ich das nennen. Viel Handlung verpackt in eher rudimentären Zeichentrick. Dieser sticht nicht besonders hervor und unterstreicht nur leicht die Geschichte, auf die man sich so mehr konzentrieren kann. Da mich aber weder das Thema noch der Stil, mal abgesehen von wenigen beeindruckenden Kompositionen, besonders berühren, wird es für mich schnell langweilig. (4/10)

Conte de faits / Fairy Tailing
R: Jumi Yoon
Frankreich 2011

Die harte Realität lässt sich m besten mit der Flucht in eine Märchenwelt ertragen. Dies macht Conte de faits ganz ausgezeichnet. Mit fließenden Übergängen von Wirklichkeit und Fiktion, sowohl auf erzählerischer als auch auf optischer Ebene, fesselt mich der Film von Anfang bis zum fasst tragischen Ende. (7/10)

The Game
R: Marcin Janiec
Polen 2011

Sehr durchwachsen, sowohl was Handlung als auch die Optik betrifft. Der Stil sagt mir im Grunde schon zu, hat aber an einigen Stellen unschöne Ausreißer. Die Geschichte um den Tod ist originell, zieht sich aber etwas und nutzt sich zum Ende hin, trotz der nur knapp fünf Minuten Spieldauer, merklich ab. (6/10)

Là oú meurent les Chiens / Where Dogs Die
R: Svetlana Filippova
Frankreich 2011

Was diesen Film prägt ist definitiv die Tricktechnik. Mit Sand und Kaffeepulver kreiert Svetlana Filippova wunderschöne Bilder. Mich fasziniert schon seit Längerem die Sandmalerei. Sind dort nur Standbilder zu bewundern, geht Svetlana Filippova den konsequenten Schritt weiter und macht daraus eine Animation. Teilweise wirkt es nicht ganz perfekt umgesetzt, aber das macht es wiederum sehr sympathisch. Inhaltlich fällt Là oú meurent les Chiens hingegen etwas ab, was etwas schade ist. (6/10)

Eläimiä eläimille / Animals for Animals
R: Mark Stähle, Tatu Pohjavirta
Finnland 2011

So recht weiß ich nicht was ich davon halten soll. Der Zeichenstil ist eher mäßig, nichts Neues und unterstreicht die eher alberne Handlung. Zwar hatte Eläimiä eläimille seine Momente aber so im Ganzen war ich froh, als der Film zu Ende war. (5/10)

Stopover
R: Neil Stubbings
Schweiz 2011

Ein Highlight nochmal zum Schluss an diesem Abend. Stopover ist kurzweilig, unterhaltsam und ist sehr schön animiert. Als Kurzfilm funktioniert auch die Handlung sehr gut, die zwar nicht weltbewegend aber für den kurzen Spaß zwischendurch genügend Witz bereithält und mich mit einem Lächeln das Kino verlassen lässt. (7/10)


ITFS 2012 – Machinima mal anders und das einzige AniMovie

Doch bevor es mit den Filmen weitergehen sollte, folgte zunächst ein Besuch im Metropol Kino zum Thema Machinima. Ganz grob ging es um die Verknüpfung von Computeranimation mit dem realen Puppenspiel. Dazu stellte Prof. Friedrich Kirschner eine einfache wie genial Installation mit dem Kinect von Microsoft vor. Mit dessen Hilfe wird sowohl eine Kulisse digitalisiert, als auch die Bewegung in der realen Welt auf eine Figur in der virtuellen Welt projiziert. Das Ganze findet in der Moviesandbox statt, die ebenfalls von Friedrich Kirschner entwickelt wurde. Technisch ist das noch jede Menge Luft nach oben, aber was das an Möglichkeiten der Animation ermöglicht ist schon Wahnsinn. Hier nur mal ein kleines Beispiel. Sieht nicht besonders beeindruckend aus, veranschaulicht aber die Funktionsweise ganz gut:

Nach diesem sehr informativen Machinima-Vortrag ging es weiter mit dem ersten und für mich einzigen Langfilm im diesjährigen Wettbewerb. Meine Wahl auf einem japansichen Anime aus dem Hause Production I.G die sich für Filme wie Ghost in the Shell und Jin-Roh verantwortlich zeigen.

Momo e no Tegami / A Letter to Momo
R: Hiroyuki Okiura
Japan 2011

Aus folgenden Gründen habe ich mir ausgerechnet diesen Langfilm ausgewählt. Zum einen versprachen die anderen Wettbewerbsbeiträge, bis auf Arrugas / Wrinkles vielleicht, inhaltlich als auch technisch nicht viel zu bieten. Und zum anderen interessiert mich einfach diese japanische Geisterwelt und genau dies schien Momo e no Tegami zu versprechen.
Zunächst möchte ich etwas zum technischen Aspekt sagen. Hier gab es nichts zu meckern. Was Zeichenstil Animation betrifft, spielt der Film in der obersten Liga. Zudem ist es heute eine Seltenheit geworden, handgezeichnete Trickfilme zu Gesicht zu bekommen, die fast vollständig auf den Einsatz von Computeranimation verzichten. Auch Musik und Sprecher passen sehr gut und vervollständigen so das Gesamtpaket audiovisuellen Darreichens.
Mangeln tut es allerdings zum einen an den Figuren der drei Geister, die mir rein optisch nicht so zusagen. Dafür glänzen sie aber inhaltlich im Zusammenspiel mit der Hauptfigur Momo. Vielleicht stehlen sie dadurch auch den anderen Figuren etwas die Show, nehmen ihnen den Platz zum Entfalten, und so spielt sich der Großteil der Handlung zwischen Momo und den drei Geistern ab. So wirkt Momo e no Tegami gerade an seinem Höhepunkt etwas gefühlsleer, als die drei Geister nicht mehr Mittelpunkt der Handlung sind. Und dies ist für mich auch die größte Schwäche des Films. Am Ende bleibt trotzdem ein unterhaltsamer, mit fantastischer Animation ausgestatteter Kinderfilm, dessen Potential aber auf der Handlungsebene nicht voll ausgeschöpft wurde. (6/10)


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