Beiträge mit dem Tag ‘Berlinale’

Berlinale 2018 – Kulinarisches, Gus van Sant und etwas Rätselhaftes

Es ist nun mittlerweile schon der dritte Berlinale Tag und immernoch keine Eis und Schnee in Sicht. Etwas Routine schleicht sich ein und doch gibt es weiterhin vieles Neues und Spannendes zu sehen. Begonnen hat der Tag mit dem Kulinarischen Kino, obwohl das Thema nicht ganz so kulinarisch war. Weiter ging es mit einer Vorstellung von Gus van Sant, zurück zur Dokumentation und schließlich mit einem rätselhaften Film aus Taiwan geendet.

The Green Lie | Die Grüne Lüge
R: Werner Boote
Österreich 2018

Unter dem Motto Kulinarisches Kino lief der Film Die Grüne Lüge von Werner Boote. Zusammen mit der Autorin Kathrin Hartmann machen sich die beiden auf die Suche nach der aktuellen Bedeutung von Greenwashing. Denn hinter dem ganzen Grün, was von Großunternehmen allzu gerne beworben wird, steht halt nicht die erwünschte Nachhaltigkeit. Und auch die Umwelt zieht dabei zu oft den Kürzeren. Trotz des ernsten Themas versuchen Werner und Kathrin, als dynamisches Duo, möglichst unbefangen den Tatsachen auf den Grund zu gehen. Zumindest versucht dies Werner, der von der Materie vorher nicht viel Ahnung hatte, ganz im Gegensatz zu Kathrin. Im weiteren Verlauf des Films wird immer klarer, wie unrecht die Unternehmen in Bezug auf ihr gutes Ökoimage haben und wie groß die grüne Lüge tatsächlich ist. Beindruckend und beängstigend. Oft mag ich den Kopf schütteln, nachdenklich macht der Film allemal. Obwohl mir zu dem Thema schon einiges bekannt war, bekomme ich am Ende starke Bauchschmerzen und ich stehe dem Thema bedeutend kritischer gegenüber. (7/10)

Kurze Unterbrechung der Filmschau durch einem Talk mit Regisseur, Author und Produzent Gus van Sant im HAU1. Das letzte Mal, als ich im Hebbel am Ufer war, muss 2010 gewesen sein, als Christoph Schlingensief dort zur Berlinale eine Performance veranstaltete. Auch heute ist das Haus bis auf den letzten Platz belegt. Der Talk war interessant, brachte mir den Menschen Gus van Sant etwas näher und ich habe mich daran erinnern müssen, dass ich noch nicht wirklich viel von ihm gesehen habe. Immerhin sollte ich die Tage noch seinen neuesten Film Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot anschauen.

Viaje a los Pueblos Fumigados | Reise in die vergifteten Dörfer
R: Fernando E. Solana
Argentinien 2017

Man hätte Solanas Film direkt im Anschluss an Die Grüne Lüge zeigen können, da beide irgendwie miteinander zu tun haben. Denn um möglichst „grün“ produzieren zu können, müssen große Teile der nahrungsproduzierenden Länder eine umweltfeindlich Agrarpolitik betreiben, die mitunter auch vor Menschenleben nicht halt macht. Dies zeigt Solana ganz eindringlich mit vielen Dokumenten, Augenzeugenberichten und eigenen Erfahrungen. Fraglich ist, wie man dem entgegnen kann und er versucht Lösungen aufzuzeigen. Allerdings fiel es mir, nicht nur des Themas wegen, schwer, den Film zu schauen, sondern auch der Stil, die Kameraführung und der Schnitt ließen mich irgendwann nicht mehr aufmerksam genug dem Geschehen folgen. Dies ist Schade, denn der Film hat eine wichtige Botschaft, die es zu hören gilt. (6/10)

Xiao Mei
R: Maren Hwang
Taiwan 2018

Nach den ganzen Dokumentationen nun zurück zum klassischen Spielfilm. Obwohl man Xiao Mei jetzt nicht als so klassisch beschreiben kann. Die Geschichte kurz zusammengefasst, eine junge Frau ist verschwunden und neun Personen aus ihrem näheren Umfeld begeben sich auf die Suche nach ihr. Damit hat es sich aber auch schon mit der Einfachheit. Denn die Erzählstruktur ist etwas ungewöhnlich. Die neun Suchenden berichten, teils wie in einem Interview, von ihrer Suche nach der verschwundenen Frau und was sie dazu bewegt. Dabei entstehen Szenen, die wie eine Interviewsituation wirken, aber meist nicht danach aussehen. Und je weiter die Suche voranschreitet, desto irrealer scheint das Geschehene zu werden. Am Ende bleibt eine nicht befriedigende Suche und die Frage nach dem Verschwinden bleibt im wagen Nebel der Unkenntnis verborgen. Optisch war der Film sehr schön anzuschauen, bei der Handlung bin ich allerdings zum Ende fast ausgestiegen. (6/10)


Berlinale 2018 – Dokumentation und Abstecher ins London der 50er

Durch den Wegfall eines Films und der dadurch resultierenden Umplanung heute eine eher kurzer Ausflug auf die Berlinale, mit nur einem Beitrag. Dafür ging es dann am Abend zu einem Leckerbissen, abseits des roten Teppichs, in einen Berlinale würdigen Film.

Ex Pajé | Ex Shaman
R: Luiz Bolognesi
Brasilien 2018

In diesem Dokumentarfilm geht es tief in den Dschungel des Amazonas. Seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts sind die indigenen Paiter Suruí im Kontakt mit der westlichen Welt. Sehr eindringlich erzählt der Film von den heutigen Lebensumständen. Mit langen Einstellungen und intimen Bildern taucht man schnell in die dortige Welt ein und war von Anfang bis Ende gefangen davon. Die Nähe zu den Protagonisten schafft Luiz Bolognesi durch einen Trick, denn viele Szenen sind nachgestellt, wirken aber dennoch authentisch. Was auch der in Berlin anwesende Shamane nochmals ausdrücklich erwähnte. Jedenfalls blieb ich am Ende nachdenklich zurück und es bleibt die Frage, wie diese schützenswerte Kultur gesichert und die Seele der indigenen Völker bewahrt werden kann. (8/10)

Phantom Thread
R: Paul Thomas Anderson
USA / Großbritannien 2017

Mein letzter Paul Thomas Anderson Film ist nun auch schon wieder eine Weile her. Und wo ich schon in der Vergangenheit nicht enttäuscht wurde, so ist dies bei seinem neuesten Film auch nicht anders. Trotz der Länge von über zwei Stunden, wurde ich ausgezeichnet unterhalten. Ich habe das Korn des analogen 35mm Filmmaterials gemocht, den Look der Panavision Optiken, den klassischen angehauchten Score von Jonny Greenwood und das Ensemble aus Daniel Day-Lewis, Lesley Manville und Vicky Krieps. Zudem die natürlich ausgeleuchteten tollen Kulissen des Englands der 50er Jahre. Und dann sind da noch die ganzen kleinen Details in den Bildern, in die man am liebsten versinken möchte.
Und auch wenn mich die Umgebung des Modemachers nicht sonderlich reizte, so reizte mich dann doch sehr die Story, die ihren Höhepunkt in einer unfassbaren Szene zwischen Daniel Day-Lewis und Vicky Krieps fand. Eine wirklich bizarre Liebesgeschichte zwischen den beiden, die einen oft ungläubig dreinblicken lässt. Aber genau das war das Salz in der Suppe und auch das Besondere an diesem Film, der in Sachen Liebe, bis an die Grenzen das Möglichen zu gehen scheint. (8/10)


Berlinale 2018 – Beginn am Anfang

Nach dem Besuch beim Fantasy Filmfest White Nights ging es recht bald zur Berlinale. Und das Schwierigste, der Kartenkauf, lief im Vorfeld erstaunlich reibungslos. Meine Filmwünsche konnte ich beinahe komplett erfüllen. Letztlich blieb da nur ein Film auf der Strecke. Über alles, was ich in den neune Tagen sehen durfte, hier nun ein paar Zeilen.

Kameradschaft
R: Georg Wilhelm Pabst
Deutschland / Frankreich 1931

Wie es die Überschrift schon sagt, begann die Berlinale mit den Anfängen des Kinos. In der Retrospektive lief Kameradschaft, wohl mein erster Film von Georg Wilhelm Pabst. Die Besonderheit hier, mal abgesehen von den nicht ganz einfachen Umständen der Restauration der unterschiedlichen Schnittfassungen, war die Zweisprachigkeit im Film. So wurde hier zu sowohl auf deutsch als auch auf französisch gesprochen. Etwas, was man heute auch nur noch in kleineren Filmen findet.
Zum Inhalt selbst ist nicht viel zu erzählen. Die Handlung ist recht einfach beschrieben und lässt auf sich ein Wort herunterbrechen, Kameradschaft. Diese ist allerdings besonders intensiv, da hier, in den unruhigen Zeiten nach dem ersten Weltkrieg, deutsche Kumpel den französischen Kumpeln ganz selbstverständlich zu Hilfe kommen. Trotz der beschränkten technischen Möglichkeiten schafft es Pabst hier sehr intensive Bilder zu erschaffen, die mit nicht minder intensivem Ton untermalt sind. Auch verzichtet der Film fast komplett auf eine musikalische Begleitung und bringt das Geschehen durch Verwendung von viel Tonatmosphäre ganz dicht ran.
Spannend erzählt bis zum Ende mit vielleicht etwas zu dick aufgetragenem Pathos am Ende. Es bleibt ein ausgezeichneter Film aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen zurück, dessen Bilder sich gut ins Gedächtnis eingebrannt haben. (7/10)

Inkan, gongkan, sikan grigo inkan | Human, Space, Time and Human
R: Kim Ki-duk
Korea 2018

So bodenständig, wie Kameradschaft war, so abgehoben war Human, Space, Time and Human von Kim Ki-duk. Der zweite und auch schon letzte Film diesen Tages. Es fällt schwer, das Gesehene hier in passende Worte zu fassen. Anfangs ist alles noch völlig ohne Bezug zueinander und alle Akteure scheinen völlig ohne Beziehung zu einander zu stehen. Erst mit der Zeit wird das Bild klarer und das große Ganze bekommt eine Form und vor allem ein Gesicht, der Mensch aufs Niedrigste reduziert. So nach gut 2/3 des Films düngt es mir dann, dass hier wohl die Entstehungsgeschichte der Menschheit zu sehen ist, mit all seiner Gewalt und Grausamkeit, aber auch mit all ihrem Mitgefühl und Liebe. Einzig beim Weg dahin, zieht sich der Film teilweise stark und viele Einstellungen wirken unnötig oder zu lang. So wirken manche Gewaltexzesse einfach ihrer selbst wegen inszeniert. Zum Ende hin entsteht dann das Paradis mit Adam und Eva, so wie man es aus der Bibel kennt. Doch nicht ganz, denn der Faktor Mensch ist weiterhin gegeben und so so ist es kein ganz hollywoodreifes sonder ein eher zynisches Ende.
Handwerklich ist der Film mittelmäßig gut gemacht. Dann und wann sieht man eine fehlerhafte Kameraführung, Schnitte die nicht ganz passend sind und es wirkt alles nicht ganz rund. Auch bei den Darstellern sind einige Schwächen sichtbar. Teils agieren sie sehr unglaubhaft und hölzern. Dennoch ein mutiger Film, der thematisch auf dem Rasiermesser balanciert und bei mir nur nahe am Abgrund entlang schrammt. Leider war die Crew nach dem Film nicht sehr gesprächig beim Q&A, denn mich hätte vom Regisseur noch gerne das eine oder andere Wort zum Film und damit zum Verständnis gehört. (7/10)


Berlinale 2013: Alte Stars, aktuelle Themen und ein Fazit

Dark Blood

Es bricht der letzte Tag an, zumindest für mich. Zwei weitere Tagen folgen ja noch offiziell, ich werde aber hier und heute meinen kleinen Filmmarathon beenden. Den Beginn machte ein Film, der eigentlich schon 1993 gedreht wurde. Durch den frühen und überraschen Tod des Hauptdarstellers River Phoenix konnte Dark Blood vom Regisseur George Sluizer nicht fertig gestellt werden. Zunächst landete das Filmmaterial hinter verschlossenen Türen. Nun hat die Versicherung das Material wieder frei gegeben und George Sluizer versucht aus dem Vorhanden das Beste zu machen. Grundsätzlich ist ein guter Film entstanden. Allerdings merkt man schnell die vielen großen Lücken, die damals nicht mehr abgedreht werden konnten. So verliert Dark Blood so einiges an Fluss und entscheidende Szenen müssen durch einen Off-Text ersetzt werden. Mit diesen Szenen wäre aber wohl auch kein wirklich großartiger Film entstanden, aber sicherlich ein sehenswerter.

Viele Dokumentation stehen auf meinem Plan und für den Rest des Tages habe ich mir nochmal zwei ausgesucht. Der erste war Unter Menschen von Christian Rost und Claus Strigel. Es wird der Resozialisierungsversuch von Schimpansen, Versuchstiere in einem Labor, gezeigt, der mittlerweile schon über 10 Jahre andauert. Dabei werden allerhand Skandale aufgezeigt die während der Zeit der Experimente mit den Schimpansen stattfanden. Leider ist Unter Menschen dabei nicht mutig genug. Ich vermisse tiefergehende Fragen moralischer Natur, die das generelle Problem mit Tierversuchen beleuchten. Zudem bleiben die Verflechtung zwischen Pharmakonzernen, Regierungsvertretern und Tierschutzorganisationen zu nebulös. Dennoch ein erhellender mit durchaus positiven Tenor behafteter Dokumentarfilm, der aber auch durchaus energischer hätte sein können.

Der Schluss des heutigen Tages und somit meiner Berlinale machte Materia oscura von Massimo D’Anolfi und Martina Parenti. Die Inhaltsangabe klang sehr vielversprechend und auch das Thema um Waffentests auf der italienischen Insel Sardinien lotste mich in diesen Film. Ein sehr stiller Dokumentarfilm, der fast ohne Worte auskommt. Und die Bilder sprechen auch für sich. Trotz teilweise drastischer Aufnahmen schafft es Materia oscura nie so ganz zu überzeugen. Oft scheint der Film nur so dahin zu dümpeln. Es überwiegt mehr ein Fingerzeig als konkrete Fakten. So bleibt ein durchaus interessanter aber zu unkonkreter Dokumentarfilm.

Bleibt nun noch das Fazit der verbleibenden fünf Tage in Berlin. Bis auf Soderberghs Side Effects habe ich alles sehen könne, was ich mir vorgenommen hatte. Sicher habe ich auch vieles verpasst, aber es ist in der knappen Zeit auch einfach nicht alles zu schaffen. Das Wetter hatte jedenfalls für Berliner Verhältnisse gut mitgespielt, das Glatteis blieb dieses Jahr aus und auch das Thermometer ging nicht weit unter die null Grad Grenze. Schnee gab es nur am zweiten Tag und selbst die Sonne hat sich ein paar Mal gezeigt. So konnte ich häufiger mal die Luft draußen genießen und Abstand, wenn auch meist nur sehr kurz, zu den dunklen Kinosälen gewinnen.
Von den gezeigten Spielfilmen hat mir wohl The Best Offer zugesagt. Bei den Klassikern überzeugte Dial M for Murder von Hitchcock am meisten und Jafar Panahis Pardé sollte verdientermaßen ein Preis bekommen. Besonders hervor zu heben ist dann noch Upstream Color, der mal was ganz anderes war und die Berlinale so jedesmal wieder spannend macht. Mein persönliches Highlight war dann der Dokumentarfilm The Act of Killing. Dieser hat mich am meisten überrascht und lange Zeit danach noch zutiefst bewegt. Ein Film der wohl lange Zeit im Gedächtnis bleiben wird.
Jedenfalls hat sich der diesjähriger Besuch der Berlinale wieder gelohnt. Ein Wiedersehen ist also fast schon vorprogrammiert und wird vielleicht schon früher folgen als gedacht.


Berlinale 2013: Von Indien über Indonesien in eine verkehrte Welt

The Act of Killing

So langsam ist es eine Tradition geworden jeweils auch einen indischen Film zu schauen. Dieses Jahr habe ich mir dazu Kai Po Che von Abhishek Kapoor aus der Reihe Panorama auserkoren. Die Inhaltsangabe sprach vom neuen Bollywood. Vor zwei Jahren fand ich ja schon Road, Movie von Dev Benegal erfrischend anders und Kai Po Che tritt zumindest teilweise in diese Fußstapfen. Modern versucht der Film auf alle Fälle zu sein, allerdings wirken die Stilmittel dazu für westliche Verhältnisse arg abgegriffen und es gibt in dem Bereich zumindest nicht Neues zu sehen. Ansonsten bietet die Story viel Abwechslung und die 130 Minuten Laufzeit vergehen recht schnell. Störend ist zu Beginn der aufdringliche Kitsch, also doch noch das alte, klassische Bollywood. Aber wenn man sich erstmal drauf eingelassen hat kann Kai Po Che am Ende nochmal richtig auftrumpfen. Guter Film, solide Kost aber nicht herausragend.

Weiter geht es ganz im Zeichen der Panorama Reihe, erneut mit einer Dokumentation. Viel Positives habe ich schon im Vorfeld über The Act of Killing von Joshua Oppenheimer gelesen, aber dies muss ja nichts heißen. – hier allerdings schon. Von der ersten bis zur letzten Minute schaut man wie bei einem Unfall auf die Leinwand und trotz der entsetzlichen Bilder mag man nicht wegschauen. Es tut weh 120 Minuten über die traurige und schockierende jüngere Geschichte Indonesiens zu erfahren. Recht frei berichten Täter von dem Genozid in der Militärdiktatur nach 1965. Ganz nah ist Joshua Oppenheimer dabei an den Menschen und macht so die Geschichten noch fühlbarer und beängstigend realistisch. Am Ende verlässt man fassungslos den Kinosaal, ist aber gleichzeitig dankbar dafür, ein wenig die Augen geöffnet bekommen zu haben. Und eines macht The Act of Killing ganz eindeutig klar, die Zustände in Indonesien zu ändern wird ein langer, sehr langer Weg.

Nachdem ich mich vom letzten Film einigermaßen erholt hatte, ging es weiter mit dem neuen Film von Shane Carruth, Upstream Color. Recht unkonventionell erzählt Carruth eine verstörende Geschichte. Untermalt von nicht weniger verstörenden Bildern und einem unter die Haut gehenden Score. Upstream Color verlangt alle Sinne beim Zuschauer ab und verlässt sich größtenteils auf dessen Intuition und weniger auf verbale Kommunikation, um seine Geschichte zu erzählen. Dieser sehr ungewöhnliche Weg macht den Film zwar schwer konsumierbar ist aber dadurch auch etwas ganz Besonderes. Ich denke hier tut eine Zweitsichtung unbedingt Not.
Ich glaube, heute habe ich mein Highlight der diesjährigen Berlinale mit der Dokumentation The Act of Killing gesehen. Ganz starker Film von dem man in Zukunft sicher noch häufiger hören wird.


Berlinale 2013: Regime, Drogen, Liebe

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Heute musste ich mich schon fast quälen um aufzustehen. War die Nacht doch viel zu kurz um ausgeruht den Tag zu starten. Aber was soll’s, immerhin erwartete mich der Wettbewerbsbeitrag von Jafar Panahi und Kamoziya Partovi. Pardé – Closed Curtain ist eine sehr bewegende Studio über die Zustände im Iran, die Panahis Arbeit und damit auch sein Leben im Iran beeinträchtigen. Im Zwiegespräch mit sich selbst sieht man einen sehr persönlichen Film von einem Mann der gebrochen scheint aber immer wieder einen Ausweg findet. Mit den beschränkten Mitteln, die Panahi zur Verfügung stehen, schafft er es der Welt einen sehr emotionalen Film zu zeigen, Chapeau.

Die erste Dokumentation dieser Berlinale für mich und mit Narco Cultura geht es auch gleich richtig zur Sache. Seit Jahren tobt in Mexiko ein Drogenkrieg dessen Exzesse besonders stark in der Grenzstadt Juaréz zu spüren sind. Mit ziemlich schonungslosen Bildern zeigt Regisseur Shaul Schwarz die Arbeit der Kriminologen, die in ständiger Angst vor Racheakten der Drogenkartelle leben. Besonders pervers wird der Konflikt, wenn Bilder von in Amerika lebenden Musikern gezeigt werden, die in sogenannten Corridos die Ereignisse des Drogenkrieges schildern und gleichzeitig noch glorifizieren. Damit entsteht bei den jungen Menschen in den USA aber auch in Mexiko ein recht zweifelhaftes Bild von Idolen und Heldentum. Seine Schwächen hat Narco Cultura aber ganz klar bei der Verwendung der Bilder, die zu gewaltverherrlichend wirken. Zudem ist die Darstellung des Drogenkrieges etwas zu einseitig. Bis auf wenige Momente wird einzig die Sichtweise der Kriminologen und der Musiker gezeigt. Opfer, Täter und Behörden kommen viel zu wenig zu Wort. Damit verspielt Narco Cultura eine sehr gute Dokumentation zu werden ist aber gerade wegen des brisanten Themas dennoch sehenswert.

Nachdem ich auch nach einer guten Stunde Warten an der Abendkasse keine Karte mehr für Steven Soderberghs Side Effects ergattern konnte, muss der Film wohl auf seine Videoauswertung warten. Im Anschluss folgte dann der für heute letzte Film für mich, The Best Offer von Giuseppe Tornatore. Große Namen finden sich in den Credits. Neben Hauptdarsteller Geoffrey Rush ist Donald Sutherland zu sehen und den Score hat Altmeister Ennio Morricone beigesteuert. Damit konnte ansich nicht viel schief gehen. Und so ist The Best Offer ein sehr fein ausgearbeitetes Drama, das mit Witz und Charme zu unterhalten weiß. In schönen Bildern und mit exzellenter Musik nimmt der Film bis zum großen Finale stetig an Fahrt auf. Leider ist die Überraschung am Ende keine wirkliche, zu absehbar ist das Ganze. Zudem verliert The Best Offer zum Ende hin an Fluss, der den Film vorher sehr gut getragen hatte. Es bleibt ein sehenswerter Film mit einer schrägen Liebesgeschichte, der nicht zuletzt von der tollen Darstellung Geoffrey Rushs lebt.
Ein guter Berlinale Tag geht zuende. Anstrengend aber sehr abwechslungsreich. Jetzt bin ich mittendrin in der Berlinale und freue mich auf den morgigen Tag.


Berlinale 2013: Hitchcock meets 3D

"Dial M for Murder"

Ausschlafen kam leider erstmal nicht in Frage, da ich für den letzten Berlinale Tag noch einige Karten brauchte. Danach ging es aber so langsam los. Der erste Programmpunkt war im Delphi Filmpalast. Nach einer unerträglichen halben Stunde Wartezeit vor dem Kino ging es wenige Minuten vor Filmbeginn endlich rein. Keine Ahnung woran das lag, aber besonders glücklich ist dies nicht gelaufen. Aber nun zum eigentlichen, A Single Shot von David M. Rosenthal. Große Namen wie Sam Rockwell, William H. Macy und Jeffrey Wright haben mir schon beim Querlesen der Inhaltsangabe Lust gemacht. Und stark hat der Film auch begonnen. Ein spannender Thriller im Film Noir Stil. Rockwell fand ich ein seiner einsamen Darstellung in Moon schon grandios und auch hier konnte er mehr als überzeugen. Unterstrichen wurde das Ganze durch den restlichen Cast, die eindringlichen Naturbilder und den teilweise zwar etwas aufdringlichen aber dennoch überzeugenden Score. Geschwächelt hat A Single Shot etwas bei der Story. Die Romanvorlage kenne ich nicht und kann also auch nicht nachvollziehen, wie detailgetreu hier das Drehbuch umgesetzt wurde. Inhaltlich war aber der Showdown extrem spannend und mitreißend. Beim Ende hingegen fand ich die Figur von Sam Rockwell nicht überzeugend. So bekam das Bild eines bis dahin sehr soliden Thrillers einige kleine Risse. Schade, sind die restlichen 95% des Films wirklich empfehlens- und sehenswert.

Hatte ich gestern bereits mit Some Like It Hot einen ersten Klassiker gesehen, ging es heute mit Alfred Hitchcocks Dial M for Murder weiter. Dieser wurde das erste Mal in Europa in der restaurierten 3D-Fassung gezeigt. Und was soll ich sagen, für das Alter Respekt an die Restauratoren, die hier ganze Arbeit geleistet haben. Zwar gab es an einigen Stellen störende Bildfehler, aber im Großen und Ganzen sah das alles sehr gut aus. Technisch gab es also nicht auszusetzen. Inhaltlich war der Film ein positive Überraschung. Der Name Hitchcock spricht ja für sich, aber Dial M for Murder, den ich zuvor noch nicht gesehen hatte, war ein Krimi erster Güte. Spannend, witzig und voller interessanter Wendungen. Einzig das Ende kam mir etwas gestreckt vor, aber ansonsten wurde ich bestens unterhalten. Was ich dem Film noch zu Gute halten möchte ist sein sehr schöner und intelligenter Einsatz der 3D-Technik. Mal davon abgesehen, dass der Film aus dem Jahre 1954 stammt und somit schon weit vor Avatar zeigte was mit 3D machbar ist, hat Hitchcock hier auf albernd übertriebenes 3D verzichtet und es bei der reinen Abbildung der örtlichen Szenen belassen. So wirkt die 3D-Dastellung sehr natürlich und nicht aufdringlich und unterstützt das bereit hervorragende Szenenbild dezent aber durchaus effektiv.

Weiter ging es mit der Retrospektive des Japaners Keisuke Kinoshita. Retrospektiven empfinde ich immer als eine sehr schöne Gelegenheit Filme kennenzulernen, die einem sonst wahrscheinlich verborgen geblieben wären. So erging es mir dann auch mit Shito no densetsu – A Legend or Was It? Am Ende des zweiten Weltkriegs im ländlichen Japan spitzt sich eine Konflikt zwischen Dorfbewohnern und Bauern bis zur Eskalation immer weiter zu. Diese wird in äußerst eindringlichen Bildern geschildert und macht den Film zu einem sehr intensiven Erlebnis. Die Musik mit ihrem nervenzerreißenden Klang tut ihr Übriges. Womit ich aber überhaupt nicht klar kam, war die Art des Schauspiels. Diese ist mir mit ihrer sehr übertriebenen Mimik und Gestik zu fremd und baut eher eine Trennung als eine Verbindung zu den Figuren auf. Dennoch bleibt ein emotionales Stück japanischen Films mit Bildern und Tönen die sicher noch eine Zeit lang im Gedächtnis bleiben.
Damit fand der heutige Tag auch seinen Abschluss und mit gemischten Gefühlen habe ich mich ins Bett verabschiedet. Morgen folgt ein weiterer langer Kinotag und ich werde noch versuchen Karten für Soderberghs Side Effects zu ergattern.


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