Beiträge mit dem Tag ‘Festival’

Berlinale 2018 – Kulinarisches, Gus van Sant und etwas Rätselhaftes

Es ist nun mittlerweile schon der dritte Berlinale Tag und immernoch keine Eis und Schnee in Sicht. Etwas Routine schleicht sich ein und doch gibt es weiterhin vieles Neues und Spannendes zu sehen. Begonnen hat der Tag mit dem Kulinarischen Kino, obwohl das Thema nicht ganz so kulinarisch war. Weiter ging es mit einer Vorstellung von Gus van Sant, zurück zur Dokumentation und schließlich mit einem rätselhaften Film aus Taiwan geendet.

The Green Lie | Die Grüne Lüge
R: Werner Boote
Österreich 2018

Unter dem Motto Kulinarisches Kino lief der Film Die Grüne Lüge von Werner Boote. Zusammen mit der Autorin Kathrin Hartmann machen sich die beiden auf die Suche nach der aktuellen Bedeutung von Greenwashing. Denn hinter dem ganzen Grün, was von Großunternehmen allzu gerne beworben wird, steht halt nicht die erwünschte Nachhaltigkeit. Und auch die Umwelt zieht dabei zu oft den Kürzeren. Trotz des ernsten Themas versuchen Werner und Kathrin, als dynamisches Duo, möglichst unbefangen den Tatsachen auf den Grund zu gehen. Zumindest versucht dies Werner, der von der Materie vorher nicht viel Ahnung hatte, ganz im Gegensatz zu Kathrin. Im weiteren Verlauf des Films wird immer klarer, wie unrecht die Unternehmen in Bezug auf ihr gutes Ökoimage haben und wie groß die grüne Lüge tatsächlich ist. Beindruckend und beängstigend. Oft mag ich den Kopf schütteln, nachdenklich macht der Film allemal. Obwohl mir zu dem Thema schon einiges bekannt war, bekomme ich am Ende starke Bauchschmerzen und ich stehe dem Thema bedeutend kritischer gegenüber. (7/10)

Kurze Unterbrechung der Filmschau durch einem Talk mit Regisseur, Author und Produzent Gus van Sant im HAU1. Das letzte Mal, als ich im Hebbel am Ufer war, muss 2010 gewesen sein, als Christoph Schlingensief dort zur Berlinale eine Performance veranstaltete. Auch heute ist das Haus bis auf den letzten Platz belegt. Der Talk war interessant, brachte mir den Menschen Gus van Sant etwas näher und ich habe mich daran erinnern müssen, dass ich noch nicht wirklich viel von ihm gesehen habe. Immerhin sollte ich die Tage noch seinen neuesten Film Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot anschauen.

Viaje a los Pueblos Fumigados | Reise in die vergifteten Dörfer
R: Fernando E. Solana
Argentinien 2017

Man hätte Solanas Film direkt im Anschluss an Die Grüne Lüge zeigen können, da beide irgendwie miteinander zu tun haben. Denn um möglichst „grün“ produzieren zu können, müssen große Teile der nahrungsproduzierenden Länder eine umweltfeindlich Agrarpolitik betreiben, die mitunter auch vor Menschenleben nicht halt macht. Dies zeigt Solana ganz eindringlich mit vielen Dokumenten, Augenzeugenberichten und eigenen Erfahrungen. Fraglich ist, wie man dem entgegnen kann und er versucht Lösungen aufzuzeigen. Allerdings fiel es mir, nicht nur des Themas wegen, schwer, den Film zu schauen, sondern auch der Stil, die Kameraführung und der Schnitt ließen mich irgendwann nicht mehr aufmerksam genug dem Geschehen folgen. Dies ist Schade, denn der Film hat eine wichtige Botschaft, die es zu hören gilt. (6/10)

Xiao Mei
R: Maren Hwang
Taiwan 2018

Nach den ganzen Dokumentationen nun zurück zum klassischen Spielfilm. Obwohl man Xiao Mei jetzt nicht als so klassisch beschreiben kann. Die Geschichte kurz zusammengefasst, eine junge Frau ist verschwunden und neun Personen aus ihrem näheren Umfeld begeben sich auf die Suche nach ihr. Damit hat es sich aber auch schon mit der Einfachheit. Denn die Erzählstruktur ist etwas ungewöhnlich. Die neun Suchenden berichten, teils wie in einem Interview, von ihrer Suche nach der verschwundenen Frau und was sie dazu bewegt. Dabei entstehen Szenen, die wie eine Interviewsituation wirken, aber meist nicht danach aussehen. Und je weiter die Suche voranschreitet, desto irrealer scheint das Geschehene zu werden. Am Ende bleibt eine nicht befriedigende Suche und die Frage nach dem Verschwinden bleibt im wagen Nebel der Unkenntnis verborgen. Optisch war der Film sehr schön anzuschauen, bei der Handlung bin ich allerdings zum Ende fast ausgestiegen. (6/10)


Berlinale 2018 – Dokumentation und Abstecher ins London der 50er

Durch den Wegfall eines Films und der dadurch resultierenden Umplanung heute eine eher kurzer Ausflug auf die Berlinale, mit nur einem Beitrag. Dafür ging es dann am Abend zu einem Leckerbissen, abseits des roten Teppichs, in einen Berlinale würdigen Film.

Ex Pajé | Ex Shaman
R: Luiz Bolognesi
Brasilien 2018

In diesem Dokumentarfilm geht es tief in den Dschungel des Amazonas. Seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts sind die indigenen Paiter Suruí im Kontakt mit der westlichen Welt. Sehr eindringlich erzählt der Film von den heutigen Lebensumständen. Mit langen Einstellungen und intimen Bildern taucht man schnell in die dortige Welt ein und war von Anfang bis Ende gefangen davon. Die Nähe zu den Protagonisten schafft Luiz Bolognesi durch einen Trick, denn viele Szenen sind nachgestellt, wirken aber dennoch authentisch. Was auch der in Berlin anwesende Shamane nochmals ausdrücklich erwähnte. Jedenfalls blieb ich am Ende nachdenklich zurück und es bleibt die Frage, wie diese schützenswerte Kultur gesichert und die Seele der indigenen Völker bewahrt werden kann. (8/10)

Phantom Thread
R: Paul Thomas Anderson
USA / Großbritannien 2017

Mein letzter Paul Thomas Anderson Film ist nun auch schon wieder eine Weile her. Und wo ich schon in der Vergangenheit nicht enttäuscht wurde, so ist dies bei seinem neuesten Film auch nicht anders. Trotz der Länge von über zwei Stunden, wurde ich ausgezeichnet unterhalten. Ich habe das Korn des analogen 35mm Filmmaterials gemocht, den Look der Panavision Optiken, den klassischen angehauchten Score von Jonny Greenwood und das Ensemble aus Daniel Day-Lewis, Lesley Manville und Vicky Krieps. Zudem die natürlich ausgeleuchteten tollen Kulissen des Englands der 50er Jahre. Und dann sind da noch die ganzen kleinen Details in den Bildern, in die man am liebsten versinken möchte.
Und auch wenn mich die Umgebung des Modemachers nicht sonderlich reizte, so reizte mich dann doch sehr die Story, die ihren Höhepunkt in einer unfassbaren Szene zwischen Daniel Day-Lewis und Vicky Krieps fand. Eine wirklich bizarre Liebesgeschichte zwischen den beiden, die einen oft ungläubig dreinblicken lässt. Aber genau das war das Salz in der Suppe und auch das Besondere an diesem Film, der in Sachen Liebe, bis an die Grenzen das Möglichen zu gehen scheint. (8/10)


Berlinale 2018 – Beginn am Anfang

Nach dem Besuch beim Fantasy Filmfest White Nights ging es recht bald zur Berlinale. Und das Schwierigste, der Kartenkauf, lief im Vorfeld erstaunlich reibungslos. Meine Filmwünsche konnte ich beinahe komplett erfüllen. Letztlich blieb da nur ein Film auf der Strecke. Über alles, was ich in den neune Tagen sehen durfte, hier nun ein paar Zeilen.

Kameradschaft
R: Georg Wilhelm Pabst
Deutschland / Frankreich 1931

Wie es die Überschrift schon sagt, begann die Berlinale mit den Anfängen des Kinos. In der Retrospektive lief Kameradschaft, wohl mein erster Film von Georg Wilhelm Pabst. Die Besonderheit hier, mal abgesehen von den nicht ganz einfachen Umständen der Restauration der unterschiedlichen Schnittfassungen, war die Zweisprachigkeit im Film. So wurde hier zu sowohl auf deutsch als auch auf französisch gesprochen. Etwas, was man heute auch nur noch in kleineren Filmen findet.
Zum Inhalt selbst ist nicht viel zu erzählen. Die Handlung ist recht einfach beschrieben und lässt auf sich ein Wort herunterbrechen, Kameradschaft. Diese ist allerdings besonders intensiv, da hier, in den unruhigen Zeiten nach dem ersten Weltkrieg, deutsche Kumpel den französischen Kumpeln ganz selbstverständlich zu Hilfe kommen. Trotz der beschränkten technischen Möglichkeiten schafft es Pabst hier sehr intensive Bilder zu erschaffen, die mit nicht minder intensivem Ton untermalt sind. Auch verzichtet der Film fast komplett auf eine musikalische Begleitung und bringt das Geschehen durch Verwendung von viel Tonatmosphäre ganz dicht ran.
Spannend erzählt bis zum Ende mit vielleicht etwas zu dick aufgetragenem Pathos am Ende. Es bleibt ein ausgezeichneter Film aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen zurück, dessen Bilder sich gut ins Gedächtnis eingebrannt haben. (7/10)

Inkan, gongkan, sikan grigo inkan | Human, Space, Time and Human
R: Kim Ki-duk
Korea 2018

So bodenständig, wie Kameradschaft war, so abgehoben war Human, Space, Time and Human von Kim Ki-duk. Der zweite und auch schon letzte Film diesen Tages. Es fällt schwer, das Gesehene hier in passende Worte zu fassen. Anfangs ist alles noch völlig ohne Bezug zueinander und alle Akteure scheinen völlig ohne Beziehung zu einander zu stehen. Erst mit der Zeit wird das Bild klarer und das große Ganze bekommt eine Form und vor allem ein Gesicht, der Mensch aufs Niedrigste reduziert. So nach gut 2/3 des Films düngt es mir dann, dass hier wohl die Entstehungsgeschichte der Menschheit zu sehen ist, mit all seiner Gewalt und Grausamkeit, aber auch mit all ihrem Mitgefühl und Liebe. Einzig beim Weg dahin, zieht sich der Film teilweise stark und viele Einstellungen wirken unnötig oder zu lang. So wirken manche Gewaltexzesse einfach ihrer selbst wegen inszeniert. Zum Ende hin entsteht dann das Paradis mit Adam und Eva, so wie man es aus der Bibel kennt. Doch nicht ganz, denn der Faktor Mensch ist weiterhin gegeben und so so ist es kein ganz hollywoodreifes sonder ein eher zynisches Ende.
Handwerklich ist der Film mittelmäßig gut gemacht. Dann und wann sieht man eine fehlerhafte Kameraführung, Schnitte die nicht ganz passend sind und es wirkt alles nicht ganz rund. Auch bei den Darstellern sind einige Schwächen sichtbar. Teils agieren sie sehr unglaubhaft und hölzern. Dennoch ein mutiger Film, der thematisch auf dem Rasiermesser balanciert und bei mir nur nahe am Abgrund entlang schrammt. Leider war die Crew nach dem Film nicht sehr gesprächig beim Q&A, denn mich hätte vom Regisseur noch gerne das eine oder andere Wort zum Film und damit zum Verständnis gehört. (7/10)


Fantasy Filmfest White Nights 2018 – Beginn des Festivaljahres

Neben dem Internationalen Trickfilm-Festival in Stuttgart und der Berlinale hat das Fantasy Filmfest die längste Tradition bei mir. Angefangen mit dem ersten Besuch in Köln, mit kurzen Abstechern in Hamburg und letztlich seit ein paar Jahren in Berlin hängen geblieben. Und eingeläutet haben dieses Jahr die White Nights. Auch wieder in Berlin zu winterlichen Temperaturen aber ohne Schnee und Glatteis, immerhin.
Besonders gut hat mir meine Auswahl an Filmen gefallen, denn eine wirkliche Gurke war diesmal nicht dabei. Und von den insgesamt zehn Filmen bei den White Nights, konnten mich alle sechs, von mir gesehenen, recht vortrefflich unterhalten. Auch für mich nun auch nochmal ein kleines Resümee der Fantasy Filmfest White Nights 2018.

Les affamés
R: Robin Aubert
Kanada 2017

Ansich ist das Zombiegenre ja irgendwie ausgenudelt. Alles schonmal gesehen, alles irgendwie schonmal da gewesen. Dies war hier nicht ganz anders. Interessant fand ich die Location im kanadischen Quebec, ländlich und familiär und so der doch sehr vertraute Umgang der Charaktere untereinander. Der Rest war dann übliche Kost, wobei die Zutaten durchaus gestimmt haben. Ein zusätzliches mystisches Element hatte der Film, indem er versuchte, dem Ursprung der ganzen Katastrophe auf den Grund zu gehen. Leider wurde darauf viel zu wenig eingegangenen und dieses wirklich spannende Element wurde so zum großen Teil verschenkt. Bleibt am Ende ein Zombiefilm, bei dem bis auf ein, zwei Bilder, wohl nicht viel hängen bleibt. (6/10)

You Were Never Really Here
R: Lynne Ramsay
USA 2017

Ganz großes Kino und ein außerordentlich gut spielender Joaquin Phoenix, wie so häufig. Völlig ohne Vorkenntnis in den Film gegangen und von der ersten bis zur letzten Minute gespannt auf die Leinwand geblickt. Ein hartes Thema, mit harten Bildern und einem Scrore, der bei mir wie schon bei Drive oder auch It Follows so dermaßen ins Ohr ging, Wahnsinn. Gibt sonst nicht viel zum Film zu sagen, eine eindeutige Filmempfehlung und, dies möchte ich schon vorweg nehmen, mein persönliches Festivalhighlight. (8/10)

Ghost Stories
R: Jeremy Dyson, Andy Nyman
Großbritannien 2018

Irgendwie hat Ghost Stories recht vielversprechend angefangen. Eine schöne Geistergeschichte von der britischen Insel mit guter Ausstattung und einem tollem Cast. Doch recht schnell gibt es die typischen Muster modernen Horrorfilme zu sehen, viel dunkles Bild und häufige Jumpscares. Gut gemacht war die Erzählweise aus lauter kleinen Einzelgeschichten (besonders diese mit einem sehr überzeugenden Alex Lawther) die sich am Ende zu einem großes Ganzen zusammen fügten. Doch genau dieses Ende funktionierte bei mir nicht. Kein Höhepunkt und die letzten Minuten zu träge im Gegensatz zum restlichen Film. Nach den gut 100 Minuten Laufzeit hatte ich irgendwie das Gefühl, dass ich eine längere Folge aus X-Factor gesehen habe. Nicht schlecht aber auch nicht besonders herausragend. (6/10)

The Endless
R: Justin Benson, Aaron Moorhead
USA 2017

Sehr geile Idee, die auch gut umgesetzt wurde. Was wie ein Sektenfilm beginnt, endet als abgefahrener Mystery/Mindfuck. Habe gerne dem Treiben zu geschaut und wusste mich sehr gut unterhalten. Einzig die Drstellung der beiden Bruder fand ich nicht überzeugend. Vielleicht war ich da einfach nicht auf einer Wellenlänge, denn bei den restlichen Figuren hatte ich dieses Gefühl nicht. Dennoch ein ordentlicher Film, der vieles richtig gemacht hat. (6/10)

Laissez bronzer les cadavres / Let the Corpses Tan
R: Hélène Cattet, Bruno Forzani
Frankreich/Belgien 2017

Visuell konnte der Film, unterlegt mit einem brachialen Soundteppich, aber sowas von überzeugen. Da gab es einen Eyecatcher nach dem anderen. Nur leider war es das dann auch schon fast. Obwohl die Story für sich genommen hätte gut funktionieren müssen, stellte sich bei mir recht bald Langeweile ein, die dann auch bis zum Schluss nicht komplett verfliegen wollte. Gerne hätte ich den Film mehr gemocht, da meine Augen und Ohren verzückt waren. Doch wenn es am Rest hapert, schade. (6/10)

The Shape of Water
R: Guillermo del Toro
USA/Kanada 2017

Als Abschlussfilm, der in den letzten Wochen häufig erwähnte wurde, The Shape of Water. Etwas zwiegespalten, kann ich mich nicht auf eine, für mich zufriedenstellende, Meinung über den Film festlegen. Grundsätzlich ein zauberhafter Film, der mich vom Stil her an Die fabelhafte Welt der Amelie erinnert. Aber auch an Filme aus der Mitte des letzten Jahrhunderts, die einfach gestrickt, dennoch unterhielten und es vermieden haben, alles unnötig kompliziert wirken zu lassen und sich so auf das Wesentliche Konzentrieren konnten. Dies macht del Toros neuester Film genau richtig. Daneben glänzt besonders die Darstellung der stummen Elisa durch Sally Hawkins. Auch der Rest das Casts macht eine fantastische Arbeit. Ihre Charaktere fügen sich wunderbar in die märchenhafte Kulisse ein und belebten das 60iger Jahre Set mit viel Gefühl. Und ja, ein wunderbares Märchen mit fast klassischen Rollen von Gut und Böse und einer großen, unmöglich scheinenden Liebesgeschichte. Soweit hat mich der Film mehr als überzeugt.
Womit ich mich etwas schwer Tat, war dann das teilweise groteske Abdriften in manchen Szenen. Besonders hervor getan hat sich da mir die Flutung des Badezimmers. Kann man machen, muss man aber nicht, meiner Meinung nach. Ein vielleicht kleines Detail, was mich allerdings stark störte, war die nicht so gut umgesetzte Einstiegssequenz. Dies war kein sehr beeindruckendes CGI, was wohl hauptsächlich dem kleinen Budget geschuldet war. Sehr Schade, hat es mich doch direkt zu Beginn etwas raus gerissen. Und dann war da noch der Versuch, möglichst viele Minderheiten- und Außeneiterthemen in dem Film unter zu bringen. Für mich hätte es mehr als gereicht, sich auf die Liebesgeschichte, zwischen der Schönen und dem Biest, zu beschränken. Wie gesagt, fällt mir ein abschließendes Urteil schwer. Ein schöner Film, nicht herausragend aber unterhaltend, und dies zählt letztlich. (7/10)


Fantasy Filmfest 2014 – Abschied mit grandios unterhaltsamen Ende

Für den letzten meiner vier Tage Fantasy Filmfest gibt es nochmal die volle Ladung an Genres. Angefangen mit Zombies geht es weiter mit einem breiten Spektrum an Kurzfilmen, einem kurzen Abstecher zu den Geistern und dem abschließenden Besuch bei den Vampiren. Was wünscht man sich mehr an einem lauen Sommertag in Berlin.

Go Goa Gone
R: Krishna D.K., Raj Nidimoru
Indien 2013

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Ziel von mir ist es immer ein möglichst großen räumlichen Bereich an Filmbeiträgen abzudecken. Und da kam mir diese indische Zombiekomödie wie gelegen. Unnötig zu erwähnen, dass es hier keine großartige Handlung gibt, keine preisgekrönten Darstellerleistungen und auch keine realistischen Effekte. Dafür gibt es Partymusik, Urlaubsfeeling, viel Action und bloody Zombies.
Viel Zeit benötigt Go Goa Gone in Fahrt zu kommen. Relativ schnell ist die Handlung am Schauplatz des Gemetzels angekommen und eh man sich versieht, gilt es auch schon den Zombies das Leben schwer zu machen, wenn man das so sagen kann. Dabei gibt es allerlei Splatter, zahlreiche Lacher und witzige Anekdoten. So ist auch die Erklärung, wie es denn die Zombies bis nach Indien geschafft haben äußerst einfallsreich.
Gut unterhalten verlässt man den Kinosaal nach angemessenen 108 Minuten. Ein schöner Spaß aus dem Land des Bollywood. (7/10)

Get Shorty

Da es doch einige sehenswerte Beiträge gab, habe ich das Ganze mal in einen eigenen Beitrag geschrieben. Hier nachzulesen…

The Babadook
R: Jennifer Kent
Australien 2014

babadook

Wir sind angekommen im Land der Aborigines, Koalabären, Kängurus und Crocodile Dundee. Alles das sieht man aber nicht im australischen Babdook. Hier trifft man auf einen waschechten Geisterfilm. Und was für einen Grusel eine kleine Gute-Nacht-Geschichte doch bewirken kann.
Viel passiert zu Beginn auf erzählerischer Ebene und das Böse bleibt zunächst im Verborgenen. Dies ändert sich von Minute zu Minute und das Böse zeigt sich erst in psychischer und am Ende auch in physischer Gewalt.
Terror im eigenen Heim und Essie Davis, in der Rolle der Mutter, macht dies fühlbar, mit viel Nachdruck. Noah Wiseman kann auf Grund seines Alters aber einfach nicht mithalten und fällt mit der Darstellung als Sohn weit ab. Da es aber aus diesem Dilemma keinen Ausweg gibt, muss man es so wohl oder übel akzeptieren, was dem Film aber nicht gut tut. Denn das Setting mit Kamera, Sound und Kulisse ist unheimlich atmosphärisch und verleiht Babadook eine ganz individuelle Note. Und so bleibt zumindest die Geschichte des Babdook noch ein Weile hängen. (6/10)

What We Do in the Shadows
R: Jemaine Clement, Taika Waititi
Neuseeland/USA 2014

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Zu Ende des Tages und auch zum Ende meines diesjährigen Festivalbesuchs, ein Highlight auf ganzer Linie. Mit viel schwarzen Humor aus dem fernen Neuseeland, in dem auch ein Peter Jackson seine Wurzeln hat, wird eine Mockumentary präsentiert, die sich mit Vampiren beschäftigt.
Was soll ich groß erzählen, von vorne bis hinten stimmt hier einfach alles. Skurrile Charaktere, witzige Dialoge, Musik die einen mitreißt und eine gute Portion Gore darf natürlich nicht fehlen. So gut wie jedes Klischee aus dem Reich der Vampire wird hier bedient. Selbst Werwölfe und Zombies haben ihren Platz in dem Film. Und What We Do in the Shadows nimmt sich keine Sekunde lang ernst und das ist auch gut so. Handlung gibt es nicht wirklich. Allerdings kommt hier jede menge Situationskomik zum Tragen und bis auf einige Plotholes, denen aber keine große Aufmerksamkeit zuteil wird, eine runde, eine sehr runde Sache.
Wenn man glaubt, dass man schon alles über Vampire gesehen hat, der sollte dennoch unbedingt einen Blick auf diesen Film werfen. Das Rad wird nicht neu erfunden, aber wie es sich bewegt ist einzigartig. Lachmuskeltraining ist hier garantiert. (9/10)

Nach den vier Tagen Dauerberieselung noch ein kurzes Fazit. Die Location in Berlin ist sehr angenehm gewesen. Schön, dass die beiden Spielstätten so eng beisammen sind, das kenne ich von der Berlinale ganz anders. Die Säle waren zudem ausreichend groß, so dass man sich nicht um die guten Plätze streiten musste. Einzig die Logenplätze aus dem Savoy in Hamburg wünsche ich mir zurück. Die waren wirklich göttlich.
Ansonsten hat sich das Fantasy Filmfest nach gut 13 Jahren Pause bei mir wohl wieder einen festen Platz im Terminkalender gesichert. Schade im Nachhinein, dass ich es die letzten Jahre so sträflich hab links liegen lassen. Aber wenn es die Zeit erlaubt, werde ich nächstes Jahr irgendwo in Deutschland wieder vor Ort sein und mir eine gehörige Portion Fantasy abholen. Und weil es so schön war und das „Wheeeee“ ein kleiner Running Gag zu Beginn der Vorstellungen wurde zum Schluss hier nochmal der Trailer zum Fantasy Filmfest 2014:


Fantasy Filmfest 2014 – Get Shorty

Zu jedem guten Festival gehört auch eine Sektion mit Kurzfilmen. Diesmal gab es eine qualitativ gute Auswahl an Beiträgen, die insgesamt gefallen haben.

Een verre reis
R: Kurt Platvoet
Niederlande 2013

Sehr skurrile Bilder mit schönen Einstellungen. Völlig ohne Sprache kommt der Film aus und ist auch so sehr gut verständlich, was nicht zuletzt an den tollen Schauspielern liegt. Etwas verwirrt bin ich noch über den Ausgang der Geschichte. Aber der Weg bis dahin war nett anzuschauen. (6/10)

Flytopia
R: Karni Arieli, Saul Freed
Großbritannien 2012

Eine völlig neue Sicht auf die kleinen Insekten, die einem gern mal um den Kopf herumschwirren und ziemlich nervig sein können. Mit sehr schönen Animationen wird die aber gar nicht so schöne Geschichte erzählt. Und zumindest für eine Person hat das ganze keinen guten Ausgang. Nette kleine Geschichte mit einigem Witz aber wenig zum Nachdenken. (6/10)

Lothar
R: Luca Zuberbuehler
Schweiz 2013

Lothar hätte ein richtig guter Film werden können. Die Geschichte dahinter gefällt und auch die ganze Optik hat einen ganz eigenen Charme. Wäre da nicht Aaron Hitz als Lothar, dem ich die Rolle so gar nicht abgekauft habe. (5/10)

Orbit Ever After
R: Jamie Magnus Stone
Irland/Großbritannien 2013

Eine romantische Geschichte über zwei Verliebte Jugendliche und schier unüberwindbarer Grenzen. Sehr witziges und nachdenklich stimmender Kurzfilm mitten im Weltall. Sympathische Schauspieler und eine schöne Kulisse mit interessanten Ende. Habe ich gern gesehen. (7/10)

Roland
R: Trevor Cornish
Kanada 2013

Sehr bissige Komödie über Missverständnisse und deren Auswirkungen. Dan Beirne weiß gut in der Rolle des Roland zu überzeugen. Auch kleine Anspielungen auf das Horrorgenre werden nicht ausgelassen. Eine spaßige Unterhaltung für Zwischendurch. (7/10)

Sequence
R: Carles Torrens
USA 2013

sequence

Mächtig böser Film, der nicht gleich erkennen lässt, worum es sich handelt. Gut gespielt hetzt Joe Hursley als Billy durch den Film mit einem überraschendem Ende. Etwas mehr kürze hätte Sequence allerdings gut getan. (6/10)

The Video Dating Tape of Desmondo Ray, Aged 33 and 3/4
R: Steve Baker
Australien 2013

Manchmal braucht es nicht viel Zeit um eine schöne Geschichte zu erzählen. Steve Baker macht das in unter vier Minuten und trifft zumindest bei mir damit komplett ins Schwarze. Dieser Animationsfilm ist herzergreifend und mit einer wundervollen Botschaft versehen. Einfach mal reinschauen. (8/10)


Fantasy Filmfest 2014 – Noch ohne Zombies und Vampire

Zunächst einmal ausgeschlafen und dabei das bisher Gesehene gedanklich verdaut. Nach einem sehr entspannten Vormittag und leider nicht mehr so gutem Wetter war es Zeit den nun ins rollen gebrachten Zug weiter am Laufen zu halten und den Abend mit zwei Filmen auszufüllen.

It Follows
R: David Robert Mitchell
USA 2014

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Inhaltlich liest sich It Follows zunächst wie ein Teenie-Schocker nach Schema F mit dem Hauch Coming-of-age story. Doch schon in den ersten Minuten fällt auf, dass hier stimmungsmäßig weitaus Größeres geboten wird. Dazu tragen mehrere Sachen bei. Zum einen der Synthie-Sound von Disasterpeace, der sich wie ein erdrückender Schleier über das Geschehen legt und das Grauen auch musikalisch fühlbar macht. Hinzu kommt die tolle Auswahl des Cast, der in seiner Qualität an Filme wie The Virgin Suicides und Scenes from the Suburbs erinnert. Auch dort spielen Teenager die Hauptrollen mit stark in den Hintergrund tretende Erwachsene. Umso mehr Zeit nimmt sich der Film für die Jugendlichen und schafft dadurch eine sehr enge Bindung zu den Figuren.
Einen angenehmen Trend schlägt It Follows zudem noch ein. Der Horror kommt hier ganz langsam, schlägt dann aber umso heftiger zu. Unterstützt wird dies dich durch langen Einstellungen und ruhigen Kamerafahrten, welche die Spannung bis ins Unerträgliche steigern. Gäbe es da nicht die zum Glück nur sehr wenigen kleinen Kopfschüttler beim Skript, so wäre dieser Film ein wirklich gelungenes Meisterwerk.
David Robert Mitchell schafft es mit seinem zweiten Kinolfilm auch nach dem Fall des Vorhangs im Kopf des Zuschauers präsent zu sein und das beängstigende Gefühl verfolgt zu werden mit raus auf die Straße zu tragen. Ganz klarer Sehtipp. (8/10)

Cold in July
R: Jim Mickle
USA/Frankreich 2014

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Vordergründig ging es mir bei dem Besuch von Cold in July darum, dass ich Michael C. Hall mal in einer anderen Rolle als den Serienkiller Dexter Morgan aus der TV Serie sehen wollte. Leider wurde ich, was das betrifft, enttäuscht. Vielleicht ist mir die Rolle von Dexter noch zu sehr im Gedächtnis, aber an allen Ecken und Enden habe ich Michael C. Hall, trotz der 80iger Jahre Frisur und dem texanischen Slang, immer wieder in seine alte Rolle schlüpfen sehen.
Allerdings war dies weniger ein Problem in dem Film, da auch hier sein Charakter ähnliche Züge an den tage legte, wie schon Dexter Morgan. Vielmehr störte mich die krasse Zweiteilung des Films. Jeder Teil für sich genommen, hat die Handlung ein stimmiges Bild ergeben, mit allen nötigen Zutaten für einen guten Rachethriller. Doch die 180° Wende von Richard und Russel, nach gut der Hälfte des Films, sind mir wirklich übel aufgestoßen. Es wäre schön gewesen, hätte sich Jim Mickle für das eine oder andere entschieden.
Ansonsten war der Rest soweit in Ordnung und die Figuren, jeder für sich, sehr treffend besetzt. Schön auch mal wieder Don Johnson auf der großen Leinwand zu sehen. (6/10)


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