Beiträge mit dem Tag ‘FFF’

Fantasy Filmfest White Nights 2018 – Beginn des Festivaljahres

Neben dem Internationalen Trickfilm-Festival in Stuttgart und der Berlinale hat das Fantasy Filmfest die längste Tradition bei mir. Angefangen mit dem ersten Besuch in Köln, mit kurzen Abstechern in Hamburg und letztlich seit ein paar Jahren in Berlin hängen geblieben. Und eingeläutet haben dieses Jahr die White Nights. Auch wieder in Berlin zu winterlichen Temperaturen aber ohne Schnee und Glatteis, immerhin.
Besonders gut hat mir meine Auswahl an Filmen gefallen, denn eine wirkliche Gurke war diesmal nicht dabei. Und von den insgesamt zehn Filmen bei den White Nights, konnten mich alle sechs, von mir gesehenen, recht vortrefflich unterhalten. Auch für mich nun auch nochmal ein kleines Resümee der Fantasy Filmfest White Nights 2018.

Les affamés
R: Robin Aubert
Kanada 2017

Ansich ist das Zombiegenre ja irgendwie ausgenudelt. Alles schonmal gesehen, alles irgendwie schonmal da gewesen. Dies war hier nicht ganz anders. Interessant fand ich die Location im kanadischen Quebec, ländlich und familiär und so der doch sehr vertraute Umgang der Charaktere untereinander. Der Rest war dann übliche Kost, wobei die Zutaten durchaus gestimmt haben. Ein zusätzliches mystisches Element hatte der Film, indem er versuchte, dem Ursprung der ganzen Katastrophe auf den Grund zu gehen. Leider wurde darauf viel zu wenig eingegangenen und dieses wirklich spannende Element wurde so zum großen Teil verschenkt. Bleibt am Ende ein Zombiefilm, bei dem bis auf ein, zwei Bilder, wohl nicht viel hängen bleibt. (6/10)

You Were Never Really Here
R: Lynne Ramsay
USA 2017

Ganz großes Kino und ein außerordentlich gut spielender Joaquin Phoenix, wie so häufig. Völlig ohne Vorkenntnis in den Film gegangen und von der ersten bis zur letzten Minute gespannt auf die Leinwand geblickt. Ein hartes Thema, mit harten Bildern und einem Scrore, der bei mir wie schon bei Drive oder auch It Follows so dermaßen ins Ohr ging, Wahnsinn. Gibt sonst nicht viel zum Film zu sagen, eine eindeutige Filmempfehlung und, dies möchte ich schon vorweg nehmen, mein persönliches Festivalhighlight. (8/10)

Ghost Stories
R: Jeremy Dyson, Andy Nyman
Großbritannien 2018

Irgendwie hat Ghost Stories recht vielversprechend angefangen. Eine schöne Geistergeschichte von der britischen Insel mit guter Ausstattung und einem tollem Cast. Doch recht schnell gibt es die typischen Muster modernen Horrorfilme zu sehen, viel dunkles Bild und häufige Jumpscares. Gut gemacht war die Erzählweise aus lauter kleinen Einzelgeschichten (besonders diese mit einem sehr überzeugenden Alex Lawther) die sich am Ende zu einem großes Ganzen zusammen fügten. Doch genau dieses Ende funktionierte bei mir nicht. Kein Höhepunkt und die letzten Minuten zu träge im Gegensatz zum restlichen Film. Nach den gut 100 Minuten Laufzeit hatte ich irgendwie das Gefühl, dass ich eine längere Folge aus X-Factor gesehen habe. Nicht schlecht aber auch nicht besonders herausragend. (6/10)

The Endless
R: Justin Benson, Aaron Moorhead
USA 2017

Sehr geile Idee, die auch gut umgesetzt wurde. Was wie ein Sektenfilm beginnt, endet als abgefahrener Mystery/Mindfuck. Habe gerne dem Treiben zu geschaut und wusste mich sehr gut unterhalten. Einzig die Drstellung der beiden Bruder fand ich nicht überzeugend. Vielleicht war ich da einfach nicht auf einer Wellenlänge, denn bei den restlichen Figuren hatte ich dieses Gefühl nicht. Dennoch ein ordentlicher Film, der vieles richtig gemacht hat. (6/10)

Laissez bronzer les cadavres / Let the Corpses Tan
R: Hélène Cattet, Bruno Forzani
Frankreich/Belgien 2017

Visuell konnte der Film, unterlegt mit einem brachialen Soundteppich, aber sowas von überzeugen. Da gab es einen Eyecatcher nach dem anderen. Nur leider war es das dann auch schon fast. Obwohl die Story für sich genommen hätte gut funktionieren müssen, stellte sich bei mir recht bald Langeweile ein, die dann auch bis zum Schluss nicht komplett verfliegen wollte. Gerne hätte ich den Film mehr gemocht, da meine Augen und Ohren verzückt waren. Doch wenn es am Rest hapert, schade. (6/10)

The Shape of Water
R: Guillermo del Toro
USA/Kanada 2017

Als Abschlussfilm, der in den letzten Wochen häufig erwähnte wurde, The Shape of Water. Etwas zwiegespalten, kann ich mich nicht auf eine, für mich zufriedenstellende, Meinung über den Film festlegen. Grundsätzlich ein zauberhafter Film, der mich vom Stil her an Die fabelhafte Welt der Amelie erinnert. Aber auch an Filme aus der Mitte des letzten Jahrhunderts, die einfach gestrickt, dennoch unterhielten und es vermieden haben, alles unnötig kompliziert wirken zu lassen und sich so auf das Wesentliche Konzentrieren konnten. Dies macht del Toros neuester Film genau richtig. Daneben glänzt besonders die Darstellung der stummen Elisa durch Sally Hawkins. Auch der Rest das Casts macht eine fantastische Arbeit. Ihre Charaktere fügen sich wunderbar in die märchenhafte Kulisse ein und belebten das 60iger Jahre Set mit viel Gefühl. Und ja, ein wunderbares Märchen mit fast klassischen Rollen von Gut und Böse und einer großen, unmöglich scheinenden Liebesgeschichte. Soweit hat mich der Film mehr als überzeugt.
Womit ich mich etwas schwer Tat, war dann das teilweise groteske Abdriften in manchen Szenen. Besonders hervor getan hat sich da mir die Flutung des Badezimmers. Kann man machen, muss man aber nicht, meiner Meinung nach. Ein vielleicht kleines Detail, was mich allerdings stark störte, war die nicht so gut umgesetzte Einstiegssequenz. Dies war kein sehr beeindruckendes CGI, was wohl hauptsächlich dem kleinen Budget geschuldet war. Sehr Schade, hat es mich doch direkt zu Beginn etwas raus gerissen. Und dann war da noch der Versuch, möglichst viele Minderheiten- und Außeneiterthemen in dem Film unter zu bringen. Für mich hätte es mehr als gereicht, sich auf die Liebesgeschichte, zwischen der Schönen und dem Biest, zu beschränken. Wie gesagt, fällt mir ein abschließendes Urteil schwer. Ein schöner Film, nicht herausragend aber unterhaltend, und dies zählt letztlich. (7/10)


Fantasy Filmfest 2014 – Abschied mit grandios unterhaltsamen Ende

Für den letzten meiner vier Tage Fantasy Filmfest gibt es nochmal die volle Ladung an Genres. Angefangen mit Zombies geht es weiter mit einem breiten Spektrum an Kurzfilmen, einem kurzen Abstecher zu den Geistern und dem abschließenden Besuch bei den Vampiren. Was wünscht man sich mehr an einem lauen Sommertag in Berlin.

Go Goa Gone
R: Krishna D.K., Raj Nidimoru
Indien 2013

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Ziel von mir ist es immer ein möglichst großen räumlichen Bereich an Filmbeiträgen abzudecken. Und da kam mir diese indische Zombiekomödie wie gelegen. Unnötig zu erwähnen, dass es hier keine großartige Handlung gibt, keine preisgekrönten Darstellerleistungen und auch keine realistischen Effekte. Dafür gibt es Partymusik, Urlaubsfeeling, viel Action und bloody Zombies.
Viel Zeit benötigt Go Goa Gone in Fahrt zu kommen. Relativ schnell ist die Handlung am Schauplatz des Gemetzels angekommen und eh man sich versieht, gilt es auch schon den Zombies das Leben schwer zu machen, wenn man das so sagen kann. Dabei gibt es allerlei Splatter, zahlreiche Lacher und witzige Anekdoten. So ist auch die Erklärung, wie es denn die Zombies bis nach Indien geschafft haben äußerst einfallsreich.
Gut unterhalten verlässt man den Kinosaal nach angemessenen 108 Minuten. Ein schöner Spaß aus dem Land des Bollywood. (7/10)

Get Shorty

Da es doch einige sehenswerte Beiträge gab, habe ich das Ganze mal in einen eigenen Beitrag geschrieben. Hier nachzulesen…

The Babadook
R: Jennifer Kent
Australien 2014

babadook

Wir sind angekommen im Land der Aborigines, Koalabären, Kängurus und Crocodile Dundee. Alles das sieht man aber nicht im australischen Babdook. Hier trifft man auf einen waschechten Geisterfilm. Und was für einen Grusel eine kleine Gute-Nacht-Geschichte doch bewirken kann.
Viel passiert zu Beginn auf erzählerischer Ebene und das Böse bleibt zunächst im Verborgenen. Dies ändert sich von Minute zu Minute und das Böse zeigt sich erst in psychischer und am Ende auch in physischer Gewalt.
Terror im eigenen Heim und Essie Davis, in der Rolle der Mutter, macht dies fühlbar, mit viel Nachdruck. Noah Wiseman kann auf Grund seines Alters aber einfach nicht mithalten und fällt mit der Darstellung als Sohn weit ab. Da es aber aus diesem Dilemma keinen Ausweg gibt, muss man es so wohl oder übel akzeptieren, was dem Film aber nicht gut tut. Denn das Setting mit Kamera, Sound und Kulisse ist unheimlich atmosphärisch und verleiht Babadook eine ganz individuelle Note. Und so bleibt zumindest die Geschichte des Babdook noch ein Weile hängen. (6/10)

What We Do in the Shadows
R: Jemaine Clement, Taika Waititi
Neuseeland/USA 2014

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Zu Ende des Tages und auch zum Ende meines diesjährigen Festivalbesuchs, ein Highlight auf ganzer Linie. Mit viel schwarzen Humor aus dem fernen Neuseeland, in dem auch ein Peter Jackson seine Wurzeln hat, wird eine Mockumentary präsentiert, die sich mit Vampiren beschäftigt.
Was soll ich groß erzählen, von vorne bis hinten stimmt hier einfach alles. Skurrile Charaktere, witzige Dialoge, Musik die einen mitreißt und eine gute Portion Gore darf natürlich nicht fehlen. So gut wie jedes Klischee aus dem Reich der Vampire wird hier bedient. Selbst Werwölfe und Zombies haben ihren Platz in dem Film. Und What We Do in the Shadows nimmt sich keine Sekunde lang ernst und das ist auch gut so. Handlung gibt es nicht wirklich. Allerdings kommt hier jede menge Situationskomik zum Tragen und bis auf einige Plotholes, denen aber keine große Aufmerksamkeit zuteil wird, eine runde, eine sehr runde Sache.
Wenn man glaubt, dass man schon alles über Vampire gesehen hat, der sollte dennoch unbedingt einen Blick auf diesen Film werfen. Das Rad wird nicht neu erfunden, aber wie es sich bewegt ist einzigartig. Lachmuskeltraining ist hier garantiert. (9/10)

Nach den vier Tagen Dauerberieselung noch ein kurzes Fazit. Die Location in Berlin ist sehr angenehm gewesen. Schön, dass die beiden Spielstätten so eng beisammen sind, das kenne ich von der Berlinale ganz anders. Die Säle waren zudem ausreichend groß, so dass man sich nicht um die guten Plätze streiten musste. Einzig die Logenplätze aus dem Savoy in Hamburg wünsche ich mir zurück. Die waren wirklich göttlich.
Ansonsten hat sich das Fantasy Filmfest nach gut 13 Jahren Pause bei mir wohl wieder einen festen Platz im Terminkalender gesichert. Schade im Nachhinein, dass ich es die letzten Jahre so sträflich hab links liegen lassen. Aber wenn es die Zeit erlaubt, werde ich nächstes Jahr irgendwo in Deutschland wieder vor Ort sein und mir eine gehörige Portion Fantasy abholen. Und weil es so schön war und das „Wheeeee“ ein kleiner Running Gag zu Beginn der Vorstellungen wurde zum Schluss hier nochmal der Trailer zum Fantasy Filmfest 2014:


Fantasy Filmfest 2014 – Get Shorty

Zu jedem guten Festival gehört auch eine Sektion mit Kurzfilmen. Diesmal gab es eine qualitativ gute Auswahl an Beiträgen, die insgesamt gefallen haben.

Een verre reis
R: Kurt Platvoet
Niederlande 2013

Sehr skurrile Bilder mit schönen Einstellungen. Völlig ohne Sprache kommt der Film aus und ist auch so sehr gut verständlich, was nicht zuletzt an den tollen Schauspielern liegt. Etwas verwirrt bin ich noch über den Ausgang der Geschichte. Aber der Weg bis dahin war nett anzuschauen. (6/10)

Flytopia
R: Karni Arieli, Saul Freed
Großbritannien 2012

Eine völlig neue Sicht auf die kleinen Insekten, die einem gern mal um den Kopf herumschwirren und ziemlich nervig sein können. Mit sehr schönen Animationen wird die aber gar nicht so schöne Geschichte erzählt. Und zumindest für eine Person hat das ganze keinen guten Ausgang. Nette kleine Geschichte mit einigem Witz aber wenig zum Nachdenken. (6/10)

Lothar
R: Luca Zuberbuehler
Schweiz 2013

Lothar hätte ein richtig guter Film werden können. Die Geschichte dahinter gefällt und auch die ganze Optik hat einen ganz eigenen Charme. Wäre da nicht Aaron Hitz als Lothar, dem ich die Rolle so gar nicht abgekauft habe. (5/10)

Orbit Ever After
R: Jamie Magnus Stone
Irland/Großbritannien 2013

Eine romantische Geschichte über zwei Verliebte Jugendliche und schier unüberwindbarer Grenzen. Sehr witziges und nachdenklich stimmender Kurzfilm mitten im Weltall. Sympathische Schauspieler und eine schöne Kulisse mit interessanten Ende. Habe ich gern gesehen. (7/10)

Roland
R: Trevor Cornish
Kanada 2013

Sehr bissige Komödie über Missverständnisse und deren Auswirkungen. Dan Beirne weiß gut in der Rolle des Roland zu überzeugen. Auch kleine Anspielungen auf das Horrorgenre werden nicht ausgelassen. Eine spaßige Unterhaltung für Zwischendurch. (7/10)

Sequence
R: Carles Torrens
USA 2013

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Mächtig böser Film, der nicht gleich erkennen lässt, worum es sich handelt. Gut gespielt hetzt Joe Hursley als Billy durch den Film mit einem überraschendem Ende. Etwas mehr kürze hätte Sequence allerdings gut getan. (6/10)

The Video Dating Tape of Desmondo Ray, Aged 33 and 3/4
R: Steve Baker
Australien 2013

Manchmal braucht es nicht viel Zeit um eine schöne Geschichte zu erzählen. Steve Baker macht das in unter vier Minuten und trifft zumindest bei mir damit komplett ins Schwarze. Dieser Animationsfilm ist herzergreifend und mit einer wundervollen Botschaft versehen. Einfach mal reinschauen. (8/10)


Fantasy Filmfest 2014 – Noch ohne Zombies und Vampire

Zunächst einmal ausgeschlafen und dabei das bisher Gesehene gedanklich verdaut. Nach einem sehr entspannten Vormittag und leider nicht mehr so gutem Wetter war es Zeit den nun ins rollen gebrachten Zug weiter am Laufen zu halten und den Abend mit zwei Filmen auszufüllen.

It Follows
R: David Robert Mitchell
USA 2014

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Inhaltlich liest sich It Follows zunächst wie ein Teenie-Schocker nach Schema F mit dem Hauch Coming-of-age story. Doch schon in den ersten Minuten fällt auf, dass hier stimmungsmäßig weitaus Größeres geboten wird. Dazu tragen mehrere Sachen bei. Zum einen der Synthie-Sound von Disasterpeace, der sich wie ein erdrückender Schleier über das Geschehen legt und das Grauen auch musikalisch fühlbar macht. Hinzu kommt die tolle Auswahl des Cast, der in seiner Qualität an Filme wie The Virgin Suicides und Scenes from the Suburbs erinnert. Auch dort spielen Teenager die Hauptrollen mit stark in den Hintergrund tretende Erwachsene. Umso mehr Zeit nimmt sich der Film für die Jugendlichen und schafft dadurch eine sehr enge Bindung zu den Figuren.
Einen angenehmen Trend schlägt It Follows zudem noch ein. Der Horror kommt hier ganz langsam, schlägt dann aber umso heftiger zu. Unterstützt wird dies dich durch langen Einstellungen und ruhigen Kamerafahrten, welche die Spannung bis ins Unerträgliche steigern. Gäbe es da nicht die zum Glück nur sehr wenigen kleinen Kopfschüttler beim Skript, so wäre dieser Film ein wirklich gelungenes Meisterwerk.
David Robert Mitchell schafft es mit seinem zweiten Kinolfilm auch nach dem Fall des Vorhangs im Kopf des Zuschauers präsent zu sein und das beängstigende Gefühl verfolgt zu werden mit raus auf die Straße zu tragen. Ganz klarer Sehtipp. (8/10)

Cold in July
R: Jim Mickle
USA/Frankreich 2014

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Vordergründig ging es mir bei dem Besuch von Cold in July darum, dass ich Michael C. Hall mal in einer anderen Rolle als den Serienkiller Dexter Morgan aus der TV Serie sehen wollte. Leider wurde ich, was das betrifft, enttäuscht. Vielleicht ist mir die Rolle von Dexter noch zu sehr im Gedächtnis, aber an allen Ecken und Enden habe ich Michael C. Hall, trotz der 80iger Jahre Frisur und dem texanischen Slang, immer wieder in seine alte Rolle schlüpfen sehen.
Allerdings war dies weniger ein Problem in dem Film, da auch hier sein Charakter ähnliche Züge an den tage legte, wie schon Dexter Morgan. Vielmehr störte mich die krasse Zweiteilung des Films. Jeder Teil für sich genommen, hat die Handlung ein stimmiges Bild ergeben, mit allen nötigen Zutaten für einen guten Rachethriller. Doch die 180° Wende von Richard und Russel, nach gut der Hälfte des Films, sind mir wirklich übel aufgestoßen. Es wäre schön gewesen, hätte sich Jim Mickle für das eine oder andere entschieden.
Ansonsten war der Rest soweit in Ordnung und die Figuren, jeder für sich, sehr treffend besetzt. Schön auch mal wieder Don Johnson auf der großen Leinwand zu sehen. (6/10)


Fantasy Filmfest 2014 – Angekommen

Nach einem eher durchwachsenen ersten Tag auf dem Fantasy Filmfest fühle ich mich aber wieder angekommen. Es macht Laune die Filme zu schauen und wettertechnisch ist es auch um Längen besser im August draußen die wärmenden Sonnenstrahlen zu genießen, als im Februar auf der Berlinale zu versuchen nicht zu erfrieren oder auf den langen Wegen zwischen den Kinos nicht doch noch auf den letzten Metern genüsslich auf dem eisglatten Boden horizontal vor die Eingangstür zu rutschen. Dies Alles kann einem zumindest hier in nicht passieren.

iNumber Number
R: Donovan Marsh
Südafrika 2013

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Es geht in eine Gegend, in der diese Art von Film wohl eher weniger erwartet wird. iNumber Number, ein klassischer Gangsterfilm wie aus einem Tarantinotraum, verlegt ins südafrikanische Soweto. Ein durchaus hollywoodreifer Einstieg in den Film lässt kaum Zeit zum Durchatmen, so schnell ist das Tempo, welches durch rasante und teilweise abgefahrene Wackelkameraeinstellungen unterstützt wird. Der Look und der Score gefallen sehr und die Figuren bieten ein breites Spektrum an unterschiedlichen Charakteren. Hier ist allerdings auch der einzige Makel an iNumber Number zu finden. Viele Figuren bleiben bis zum Ende zu blass und bis auf die beiden Hauptdarsteller, die ihre Sache exzellent machen, ist der Rest leider nur Beiwerk für die Handlung. So wirkt die Szene einer Konfrontation aller Gangster auch eher wie ein Kindergarten und nicht wie ein knallharter Kampf bissiger Bulldoggen.
Dennoch weiß iNumber Number zu gefallen und es ist eine angenehm Abwechslung solche Handlung in eine andere Szenerie zu packen. Ich für meine Teil hatte 96 Minuten lang Spaß und wurde Bestens unterhalten. (7/10)

Coherence
R: James Ward Byrkit
USA 2013

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So, gestärkt mit ein wenig Essen und genügend Zeit, um sich das gerade Gesehene nochmal durch den Kopf gehen zu lassen, hier nun ein paar Worte zum zweiten Beitrag des heutigen Tages. Alles beginnt wie ein ganz normaler Abend, Freunde treffen sich, tauschen Neuigkeiten aus, haben Spaß. Getrübt wird das Zusammentreffen durch einen vorbeifliegenden Kometen. Es passieren merkwürdige Dinge und das Unheil nimmt seinen Lauf.
Das Zusammenspiel der einzelnen Darsteller wirkt sehr natürlich und zu großen Teilen auch authentisch. Nicht ganz warm werden kann ich mit der Darstellung der Laurie, deren Schauspiel teils zu gekünstelt wirkt. Mit den anderen Figuren komme ich gut klar und diese bestärken die Glaubwürdigkeit der Szenerie. Denn was in den kommenden 1 ½ Stunden passiert, ist schon ziemlich abgefahrener Scheiß. Das Hirn wird mit einer wilden Konstruktion aus Parallelwelten ala Schrödingers Katze auf Trab gehalten, die sich aber nur häppchenweise manifestieren. Unterstrichen wird die Stimmung durch sehr dezenten Einsatz von Musik und einem Kamerabild, welches ständig ins Unscharfe abgleitet und so die Situation nie wirklich scharf erfassen lässt.
Von Minute zu Minute fügt sich das Puzzle zu einem Ganzen zusammen und am Ende ist nicht nur der Zuschauer, sondern auch einer der Protagonisten von der Wahrheit erschlagen. Und es stellt sich zum Grand Finale die eine Frage: Was würdest du für eine perfekte Welt tun? (8/10)

Patema Inverted/Sakasama no Patema
R: Yasuhiro Yoshiura
Japan 2013

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Der erste und leider auch einzige Anime bei diesem Festival. Allerdings wurde mit Patema Inverted eine gute Wahl getroffen. Technisch sehr schön umgesetzt, geht es in eine umgekehrte Welt, in der die Dinge auf dem Kopf zu stehen scheinen. Aber der Eindruck trügt nicht und Yasuhiro Yoshiura schafft es mit der Darstellung seines futuristischen Szenarios überzeugend zu sein.
Etwas schwierig hingegen ist der stellenweise aufblitzende Kitsch und die teils doch arg präsente Schwarz-Weiß-Darstellung einiger Charaktere. Dies ist wohl dem Umstand geschuldet, dass ein möglichst breites Publikum erreicht werden soll. Sieht man darüber hinweg, gibt es eine aufregende Geschichte um zwei Jugendliche, die trotz widrigster Umstände versuchen einander zu finden. So gibt es nicht nur was für das Herz sonder auch was fürs Hirn. Mit einer philosophischen Aussage fallen am Ende buchstäblich die Welten wie Kartenhäuser in sich zusammen und eröffnen den Protagonisten völlig neue Blickwinkel auf ihr eigenes sein und ihren Platz in der Welt.
Zeichnerisch ist Patema Inverted hervorragend umgesetzt. Eine gesunde Mischung aus Handzeichnung und CGI erwecken die Figuren und die Landschaft zum Leben. Besonders reizvoll ist das Spiel mit der entgegengesetzten Gravität. Kaum fühlt man sich mit beiden Füßen sicher auf dem Boden, da stellt sich kurzerhand alles auf den Kopf, um sich wenig später wieder umzukehren.
Dennoch schwächelt der Film insgesamt auf der emotionalen Ebene. Trotz der deutlichen Präsenz der beiden Hauptcharaktere, fehlt ihnen letztlich das gewisse Etwas, um ihnen merklich näher zu kommen. Auf alle Fälle sollte man sich den Film anschauen, schon allein der verrückten Gravitationsspielerei wegen. (6/10)


Fantasy Filmfest 2014 – Back to Fantasy

Nach dem doch recht gutem Vorspiel im Frühjahr bei den Fantasy Filmfest Nights in Hamburg habe ich mich recht leicht dazu durchgerungen, einige Tage in Berlin zu verweilen, um einen etwas umfangreicheren Einblick zu erhaschen. Leider ist für mich nicht mehr Zeit verfügbar, aber sollte sich der Trend aus dem Frühjahr fortsetzen, so steht einem kommenden Besuch in den nächsten Jahren sicherlich nichts im Wege. Jedenfalls startet der erste Tag bereits mit einer Auswahl von drei Filmen, die querbeet durch die Genres reichen.

Blue Ruin
R: Jeremy Saulnier
USA 2013

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Rachefilme haben in den letzten Jahren Hochkonjunktur an den Kinokassen und so reiht sich auch Blue Ruin in diesen Reigen ein. Das Setting in einer typischen Kleinstadtidylle auf dem Lande mit allem was es für einen Rachefilm braucht. Dwight, ein zerbrochener Charakter der nach einem tragischen Doppelmord nach Rache dürstet. Erst mit der Zeit wird klar worum es überhaupt geht, was genau die Motive von Dwight sind. Und als es einem dämmert, ist man auch schon mittendrin im Blutrausch.
Recht brutal geht der Film von Anfang an zu Werke und lässt auch bis zum Ende in Sachen bildhafter Gewalt nicht nach. Auf der Strecke bleibt ein wenig das Lüften von Dwights Gefühlswelt, die ihn letztlich zu den Taten drängt. Immer mal wieder gibt es kurze Momente, die einem teilhaben lassen an Dwights Verzweiflung und Schmerz, aber so richtig mag sich das einem nicht erschließen. Das Handeln Dwights ist durchaus nachvollziehbar, insofern es einem gelingt, die ganzen Hintergründe emphatisch anzunehmen und zu akzeptieren. Dies viel mir persönlich etwas schwer und so wirkt das Ende dann auch etwas blass und gleichgültig, obwohl die Story weitaus mehr hergegeben hätte. Der Rest ist ansonsten sehr stimmig. Die Figuren sind glaubhaft, die Musik entsprechend des Themas angepasst. Obwohl mit „No Regrets“ etwas zu sehr dick aufträgt. Dafür wirkte das Gesamtkonzept von Blue Ruin doch zu ernst, als das man es als unterhaltsamen Rachefilm verkaufen könnte.
Besonders hervor zu heben ist die darstellerische Leistung von Macon Blair als Dwight. Dieser trägt den Film von der ersten bis zur letzten Minute und lässt sich auch von den anderen Figuren nicht die Butter vom Brot nehmen. Alles in allem eine runde Sache, die aber auf der Handlungsebene mehr Detailarbeit hätte vertragen können. (6/10)

Honeymoon
R: Leigh Janiak
USA 2014

honeymoon

Weiter geht es mit einem schwer zu beschreibenden Film. Am ehesten lässt sich Honeymoon wohl in die Ecke der Besessenheitsfilme stecken, obwohl es während des Verlaufes nicht klar wird, von was die Personen dort überhaupt besessen sind. Und das ist auch gut so. Immerhin braucht es nicht für Alles eine Erklärung und die ist gerade bei diesem fantastischen Kammerspiel auch gar nicht von Nöten.
Die beiden Hauptprotagonisten spielen ihre Rollen äußerst überzeugend und eindrucksvoll. Rose Leslie, die eher aus der TV Serie Game of Thrones bekannt ist, passt wunderbar ins Kinoformat und darf dort gern auch in Zukunft zu finden sein. Mit den gebotenen Mitteln eines sehr beschränkten Raumes, zweier Haupt- und Nebencharaktere und einem minimalistischen aber sehr effektiven Score ist die Spannung teils zum Zerreißen gespannt und erlebt bis zum Ende des Films einen kontinuierlichen Anstieg, der in einem vielleicht nicht ganz so geglückten, aber dennoch akzeptablen Schluss ihren Höhepunkt findet.
Filmisch gekonnt umgesetzt ist man ständig ganz nah dran an den Figuren und erlebt die Beziehung zwischen Bea und Paul sehr intensiv und auch deren Auseinanderbrechen. Stück für Stück wird aus dem harmonischen Zusammensein ein beängstigendes Beisammensein, welches Umbehagen und größte Unruhe hervorruft. So fühlt sich Honeymoon auch keineswegs angenehm an und hat einen bleiben Eindruck hinterlassen. (8/10)

Redirected/Uz Lietuva!
R:Emilis Velyvis
Großbritannien/Litauen 2014

redirected

Erst Britannien und wenig später Litauen. Was man schon von Guy Ritchie Filme ala Snatch oder Bube, Dame, König, grAS kennt, setzt Emilis Velyvis in seinem Redirected fort. Schade dabei ist die Tatsache, dass Velyvis eher schlecht kopiert und weniger versucht hat das Gegebene weiter zu entwickeln. So geht dem Film nach einem temporeichen und durchaus sehr unterhaltsamen Start auch recht schnell die Luft aus. Zwischenzeitlich wünscht man sich, trotz der teils grandiosen und grotesken Einfälle Velyvis‘, die Handlung etwas zügiger vorantreiben zu wollen. Gegen Ende nimmt der Film zwar wieder etwas an Fahrt auf, schafft es aber nicht den Kreis zu schließen und an die Qualitäten der Filme aus Britannien anzuknüpfen. Zudem ist der Schluss etwas merkwürdig und deutet auf einen mäßigen Cliffhanger für eine Fortsetzung hin. Kann man machen, muss man aber nicht.
Vieles aus Redirected gab es früher schonmal zu sehen. Figuren, Musik und Look erinnern, wie schon gesagt, an die Guy Ritchie Filme und so bleibt nur dem Regisseur ein Lob dafür auszusprechen, dass er den britischen Gangsterfilm noch Litauen gebracht hat. Und das auch recht solide und schaubar. (6/10)


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