Beiträge mit dem Tag ‘Anime’

Fantasy Filmfest 2014 – Angekommen

Nach einem eher durchwachsenen ersten Tag auf dem Fantasy Filmfest fühle ich mich aber wieder angekommen. Es macht Laune die Filme zu schauen und wettertechnisch ist es auch um Längen besser im August draußen die wärmenden Sonnenstrahlen zu genießen, als im Februar auf der Berlinale zu versuchen nicht zu erfrieren oder auf den langen Wegen zwischen den Kinos nicht doch noch auf den letzten Metern genüsslich auf dem eisglatten Boden horizontal vor die Eingangstür zu rutschen. Dies Alles kann einem zumindest hier in nicht passieren.

iNumber Number
R: Donovan Marsh
Südafrika 2013

inumber_number

Es geht in eine Gegend, in der diese Art von Film wohl eher weniger erwartet wird. iNumber Number, ein klassischer Gangsterfilm wie aus einem Tarantinotraum, verlegt ins südafrikanische Soweto. Ein durchaus hollywoodreifer Einstieg in den Film lässt kaum Zeit zum Durchatmen, so schnell ist das Tempo, welches durch rasante und teilweise abgefahrene Wackelkameraeinstellungen unterstützt wird. Der Look und der Score gefallen sehr und die Figuren bieten ein breites Spektrum an unterschiedlichen Charakteren. Hier ist allerdings auch der einzige Makel an iNumber Number zu finden. Viele Figuren bleiben bis zum Ende zu blass und bis auf die beiden Hauptdarsteller, die ihre Sache exzellent machen, ist der Rest leider nur Beiwerk für die Handlung. So wirkt die Szene einer Konfrontation aller Gangster auch eher wie ein Kindergarten und nicht wie ein knallharter Kampf bissiger Bulldoggen.
Dennoch weiß iNumber Number zu gefallen und es ist eine angenehm Abwechslung solche Handlung in eine andere Szenerie zu packen. Ich für meine Teil hatte 96 Minuten lang Spaß und wurde Bestens unterhalten. (7/10)

Coherence
R: James Ward Byrkit
USA 2013

coherence

So, gestärkt mit ein wenig Essen und genügend Zeit, um sich das gerade Gesehene nochmal durch den Kopf gehen zu lassen, hier nun ein paar Worte zum zweiten Beitrag des heutigen Tages. Alles beginnt wie ein ganz normaler Abend, Freunde treffen sich, tauschen Neuigkeiten aus, haben Spaß. Getrübt wird das Zusammentreffen durch einen vorbeifliegenden Kometen. Es passieren merkwürdige Dinge und das Unheil nimmt seinen Lauf.
Das Zusammenspiel der einzelnen Darsteller wirkt sehr natürlich und zu großen Teilen auch authentisch. Nicht ganz warm werden kann ich mit der Darstellung der Laurie, deren Schauspiel teils zu gekünstelt wirkt. Mit den anderen Figuren komme ich gut klar und diese bestärken die Glaubwürdigkeit der Szenerie. Denn was in den kommenden 1 ½ Stunden passiert, ist schon ziemlich abgefahrener Scheiß. Das Hirn wird mit einer wilden Konstruktion aus Parallelwelten ala Schrödingers Katze auf Trab gehalten, die sich aber nur häppchenweise manifestieren. Unterstrichen wird die Stimmung durch sehr dezenten Einsatz von Musik und einem Kamerabild, welches ständig ins Unscharfe abgleitet und so die Situation nie wirklich scharf erfassen lässt.
Von Minute zu Minute fügt sich das Puzzle zu einem Ganzen zusammen und am Ende ist nicht nur der Zuschauer, sondern auch einer der Protagonisten von der Wahrheit erschlagen. Und es stellt sich zum Grand Finale die eine Frage: Was würdest du für eine perfekte Welt tun? (8/10)

Patema Inverted/Sakasama no Patema
R: Yasuhiro Yoshiura
Japan 2013

patema_inverted

Der erste und leider auch einzige Anime bei diesem Festival. Allerdings wurde mit Patema Inverted eine gute Wahl getroffen. Technisch sehr schön umgesetzt, geht es in eine umgekehrte Welt, in der die Dinge auf dem Kopf zu stehen scheinen. Aber der Eindruck trügt nicht und Yasuhiro Yoshiura schafft es mit der Darstellung seines futuristischen Szenarios überzeugend zu sein.
Etwas schwierig hingegen ist der stellenweise aufblitzende Kitsch und die teils doch arg präsente Schwarz-Weiß-Darstellung einiger Charaktere. Dies ist wohl dem Umstand geschuldet, dass ein möglichst breites Publikum erreicht werden soll. Sieht man darüber hinweg, gibt es eine aufregende Geschichte um zwei Jugendliche, die trotz widrigster Umstände versuchen einander zu finden. So gibt es nicht nur was für das Herz sonder auch was fürs Hirn. Mit einer philosophischen Aussage fallen am Ende buchstäblich die Welten wie Kartenhäuser in sich zusammen und eröffnen den Protagonisten völlig neue Blickwinkel auf ihr eigenes sein und ihren Platz in der Welt.
Zeichnerisch ist Patema Inverted hervorragend umgesetzt. Eine gesunde Mischung aus Handzeichnung und CGI erwecken die Figuren und die Landschaft zum Leben. Besonders reizvoll ist das Spiel mit der entgegengesetzten Gravität. Kaum fühlt man sich mit beiden Füßen sicher auf dem Boden, da stellt sich kurzerhand alles auf den Kopf, um sich wenig später wieder umzukehren.
Dennoch schwächelt der Film insgesamt auf der emotionalen Ebene. Trotz der deutlichen Präsenz der beiden Hauptcharaktere, fehlt ihnen letztlich das gewisse Etwas, um ihnen merklich näher zu kommen. Auf alle Fälle sollte man sich den Film anschauen, schon allein der verrückten Gravitationsspielerei wegen. (6/10)


ITFS 2012 – Machinima mal anders und das einzige AniMovie

Doch bevor es mit den Filmen weitergehen sollte, folgte zunächst ein Besuch im Metropol Kino zum Thema Machinima. Ganz grob ging es um die Verknüpfung von Computeranimation mit dem realen Puppenspiel. Dazu stellte Prof. Friedrich Kirschner eine einfache wie genial Installation mit dem Kinect von Microsoft vor. Mit dessen Hilfe wird sowohl eine Kulisse digitalisiert, als auch die Bewegung in der realen Welt auf eine Figur in der virtuellen Welt projiziert. Das Ganze findet in der Moviesandbox statt, die ebenfalls von Friedrich Kirschner entwickelt wurde. Technisch ist das noch jede Menge Luft nach oben, aber was das an Möglichkeiten der Animation ermöglicht ist schon Wahnsinn. Hier nur mal ein kleines Beispiel. Sieht nicht besonders beeindruckend aus, veranschaulicht aber die Funktionsweise ganz gut:

Nach diesem sehr informativen Machinima-Vortrag ging es weiter mit dem ersten und für mich einzigen Langfilm im diesjährigen Wettbewerb. Meine Wahl auf einem japansichen Anime aus dem Hause Production I.G die sich für Filme wie Ghost in the Shell und Jin-Roh verantwortlich zeigen.

Momo e no Tegami / A Letter to Momo
R: Hiroyuki Okiura
Japan 2011

Aus folgenden Gründen habe ich mir ausgerechnet diesen Langfilm ausgewählt. Zum einen versprachen die anderen Wettbewerbsbeiträge, bis auf Arrugas / Wrinkles vielleicht, inhaltlich als auch technisch nicht viel zu bieten. Und zum anderen interessiert mich einfach diese japanische Geisterwelt und genau dies schien Momo e no Tegami zu versprechen.
Zunächst möchte ich etwas zum technischen Aspekt sagen. Hier gab es nichts zu meckern. Was Zeichenstil Animation betrifft, spielt der Film in der obersten Liga. Zudem ist es heute eine Seltenheit geworden, handgezeichnete Trickfilme zu Gesicht zu bekommen, die fast vollständig auf den Einsatz von Computeranimation verzichten. Auch Musik und Sprecher passen sehr gut und vervollständigen so das Gesamtpaket audiovisuellen Darreichens.
Mangeln tut es allerdings zum einen an den Figuren der drei Geister, die mir rein optisch nicht so zusagen. Dafür glänzen sie aber inhaltlich im Zusammenspiel mit der Hauptfigur Momo. Vielleicht stehlen sie dadurch auch den anderen Figuren etwas die Show, nehmen ihnen den Platz zum Entfalten, und so spielt sich der Großteil der Handlung zwischen Momo und den drei Geistern ab. So wirkt Momo e no Tegami gerade an seinem Höhepunkt etwas gefühlsleer, als die drei Geister nicht mehr Mittelpunkt der Handlung sind. Und dies ist für mich auch die größte Schwäche des Films. Am Ende bleibt trotzdem ein unterhaltsamer, mit fantastischer Animation ausgestatteter Kinderfilm, dessen Potential aber auf der Handlungsebene nicht voll ausgeschöpft wurde. (6/10)


ITFS 2012 – Unabhängigkeit und das Beste vom Besten

Die nächsten 90 Minuten waren für einen Vortrag eingeplant der sich inhaltlich um das Thema Independent Games drehen sollte. Dr. Karin Wehn gab dabei einen Überblick über die Art von Independent Games, deren Entwicklung und Finanzierungsmöglichkeiten. Eigentlich hatte ich auf etwas inhaltlich neues gehofft, doch leider war zumindest mir ein Großteil bereits bekannt. Aufmerksam wurde ich allerdings auf den neuesten Titel (Botanicula) des Studios Amanita Design, welches sich auch schon für das wunderbare Spiel Machinarium verantwortlich zeigte.

Außerdem hatte Lea Schönfelder ihr Spiel Ute kurz vorgestellt. Vom Konzept her jetzt nichts völlig neues, nur die Art und Weise der Umsetzung war, nunja, eigen. Nachdem ich für das IFMX Screening von The Pirates! Band of Misfits leider keine Karte mehr bekommen hatte, konnte ich mit dem Alternativprogramm, dem Best of Animation, weitermachen. Hauptsächlich habe ich mir das Programm nur wegen einem Kurzfilm angeschaut, Adam Elliots Harvie Krumpet. Aber auch die anderen Filme, hauptsächlich aus dem asiatischen Raum, waren durchaus sehenswert. Näher eingehen möchte ich aber nur auf zwei Titel.

Harvie Krumpet
R: Adam Elliot
Australien 2003

Quasi das Prequel zu Mary & Max, den ich vor drei Jahren ebenfalls auf dem ITFS sehen durfte. Der Stil ist bei Harvie Krumpet bereits deutlich zu erkennen und hat sich bis Mary & Max auch nur in seinem Detailgrad weiterentwickelt, der aber ohnehin schon enorm hoch ist. Viele Kleinigkeiten an den Figuren und der Kulisse springen einem immer wieder ins Auge und lassen mich schmunzeln. Schön schrullig sieht alles aus und trotz der eher deprimierenden Stimmung bleibt genug Raum für den einen oder anderen Lacher. Im Vergleich zu Mary & Max ist Harvie Krumpet in vieler Hinsicht aber noch zögerlich und spart deutlich im Spiel mit den Emotionen. So ist Adam Elliots Erstling ganz nett, aber von seinem zweiten Film Mary & Max doch noch eine, wenn nicht zwei Welten entfernt. (7/10)

Hoshi No Koe / Voices From A Distant Star
R: Makoto Shinkai
Japan 2005

Animes schaue ich immer ganz gerne, gerade wenn sie auch etwas Science Fiction enthalten. Eine gesunde Mischung aus Liebesgeschichte und Weltraumabenteuer die technisch einwandfrei umgesetzt ist. Angefangen bei den VFX, dem Sound, der Musik bis hin zu den Charakteren passt das hier irgendwie schon ganz gut. Aber irgendwie habe ich das alles schonmal in dieser Form bei Neon Genesis Evangelion gesehen. Und schon damals stellte ich mir die Frage, ob es denn wirklich notwendig ist, die Liebesgeschichte unbedingt in ein Weltraumszenario zu packen. Sicher verstärkt dies die Dramatik, birgt aber auch die Gefahr, zu sehr von der eigentlich Handlung abzulenken. Dies ist hier nicht ganz der Fall und so ist Voices From A Distant Star doch noch ganz annehmbar. (6/10)


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