Berlinale – Ausflug in den Yemen, nach Indien und die USA

berlin_1002_010Nach einem ausgedehnten Frühstück steht der erste Termin im Delphi mit der Dokumentation „The Oath“ an. Gerappelt voll konnte ich im oberen Rang noch einen guten Platz ergattern und dann ging es auch schon los. Knappe 90 Minuten später hatte man einen unerwartet detaillierten Bericht über Guantanamo auf Kuba und einem Ex-Bodyguard von Osama Bin Laden erhalten. Eine sehr gelungene Dokumentation, einer engagierten amerikanischen Filmemacherin.

Es folgte „Road, Movie“ ein indischer Beitrag. Trotz einer sehr schönen Geschichte und tollen Bildern, vermochte mich der Film aus mehrerlei Gründen nicht ganz mitzureißen. Zwischenzeitlich war der Film für mich zu ziellos. Mir schien, als wolle man die schönen der Landschaftsbilder – die unbestritten wirklich wunderbar waren – ihrer Selbstwillen im Film unterbringen ohne dabei wirklich die Geschichte voran zu treiben. Ein weiteres Manko waren die teils unzureichend gezeichneten Charaktere. Eventuell hätte hier geholfen, den Film auf die sonst übliche Bollywood-Länge mit mehr als zwei Stunden Laufzeit zu strecken. Und dann waren du noch die schnellen Wechsel von Ernsthaftigkeit und Komödie. Besonders störend empfand ich dies bei der Szene in der Polizeistation. In der einen Sekunden ein halb tot geprügeltes Verhörungsopfer und in der darauf folgenden Sekunde wechselt die Stimmung ins Komödiantische. Solche Szenen gab es mehrere und mich erschließt bis jetzt nicht deren Sinn. Was mich aber am meisten störte, war der Schluss des Films. Die Aussage wie „Schuster bleiben bei deinen Leisten“ läuft der kompletten Handlung des Film zu wider. Offenbarte doch gerade das Ausbrechen aus den verfestigten Lebensstrukturen zwar teils gefährliche aber dennoch positiven Abenteuer. So bleibt trotz einiger wirklich bezaubernden Momenten ein fahler Beigeschmack.

Mit fortschreitendem Abend wurden nun auch die Filme ernster. Im Kino International lief „Howl“ von Rob Epstein und Jeffrey Friedman. Darin wurde nicht nur das Gedicht Howl präsentiert, sondern dieses auch mit Zeichnungen und Animationen illustriert und zudem noch der in den 50er Jahren geführte Prozess gegen den Verleger des Gedichts protokolliert. Dies und die ausgezeichnete Darstellung des Dichters Allen Ginsberg durch James Franco machte den Film zu einem unvergesslichen, mitreißenden und ergreifenden Erlebnis.

Zum Abschluss des Abends folgten zunächst zwei Kurzfilme von James Franco, der mittlerweile nicht mehr nur vor der Kamera zu finden ist. „Herbert White“ war merkwürdig, ohne dabei jetzt weiter ausholen zu können. Unfertig wirkte das Ganze. Einen etwas besseren aber nicht viel klareren Eindruck machte „The Feast Of Stephen“. Beide Filme würden von mir jetzt allerdings keine ausdrückliche Empfehlung bekommen. Im Anschluss lief „Open“ von Jake Yuzna – wohl ein Neffe des bekannteren Horrorregisseurs Brian Yuzna. Hierbei traten Laiendarsteller auf, die eine gehörige Portion Authentizität mit ins Spiel brachten. Denn hier ging es um die Weiterentwicklung der menschlichen Sexualität. Ein sehr interessanter, wenn auch bizarrer Blick in die Welt von Transexualismus und Pandrogynie.

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